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Die EU-Plastikverordnung ist das nächste unsinnige Diktat der Eurokraten

Von Peter Haisenko

Jetzt wissen wir, warum in den letzten Wochen andauernd über Plastikmüll in den Meeren berichtet worden ist. Die Bürger sollten auf die Plastikverordnung der EU eingestimmt werden und diese nicht hinterfragen oder gar kritisieren. Es war sicher kein Zufall, dass just einen Tag vor der Veröffentlichung die „Studie“ aus Wien vorgestellt worden ist, über Mikroplastik im Darm. Die EU-Plastikverordnung ist blanker Unsinn.

Ja, die Bilder von plastikbedeckten Meeren sind schrecklich. Wem fällt aber auf, dass diese Bilder immer von tropischen Meeren sind und natürlich besonders betroffene Ausschnitte zeigen? Geschätzte (!) 150 Millionen Tonnen Plastikmüll dümpeln in diesen Meeren und „Zulieferer“ dieses Drecks sind zu mehr als 90 Prozent zehn Flüsse: davon allein acht in Asien plus Nil und Niger. Damit bin ich direkt beim Punkt. Weder aus Ost- noch Nordsee können solche Bilder geliefert werden. Auch nicht aus dem europäischen Teil des Mittelmeeres. Das ist aber der Bereich, in dem eine europäische Verordnung wirksam sein könnte. Stellt sich also die Frage, inwieweit überhaupt Plastikmüll aus europäischen Ländern ins Meer gelangt und natürlich speziell aus Deutschland.

Den Verpackungswahn lässt die EU-Verordnung außer Acht

Bei meinen Reisen durch die Welt habe ich schon vor Jahrzehnten mit Schaudern beobachten müssen, wie sorglos, ja geradezu fahrlässig in „Dritte-Welt-Ländern“ mit Abfall umgegangen wird. Es war 1988 als ich das dreckigste, ekelerregendste Gewässer gesehen habe. In Jakarta, Indonesien, mitten in der Stadt. Da schwamm ungefähr alles herum, was eben nicht mehr gebraucht wurde und stank vor sich hin. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Es ist logisch, dass das irgendwann im Meer landen muss. Indonesien war aber nicht der einzige Platz, wo mir der für Europa undenkbare Umgang mit Müll aufgefallen ist. Afrika und Südamerika sind nicht viel besser, ebenso wie manche Inseln Französisch-Polynesiens. Das sind denn auch die Orte, von denen uns die katastrophalen Bilder ins Wohnzimmer gebracht werden.

Ich selbst bin ein erklärter Gegner von überflüssigen Verpackungen, vor allem, wenn sie aus Plastik bestehen. Der Siegeszug der Versandhändler im Internet hat den Verpackungsmüll in den letzten Jahren explodieren lassen. Es ist keine Seltenheit, dass eine Lieferung ins Haus zu 90 Prozent aus Verpackung besteht. Leerräume werden mit Styropor oder Plastikkissen aufgefüllt, von der Pappe außen herum gar nicht zu reden. Das hat auch dazu geführt, dass Mülltonnen, die in ihrer Größe über lange Jahre ausgereicht haben, jetzt gnadenlos überfüllt sind, auch die Papiertonnen. Aber auch die Supermärkte leisten ihren Beitrag. Da werden geschälte Bananen in fester Plastikverpackung angeboten und grüne Salatgurken sind mit einer Plastikhaut überzogen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wozu das alles? Diesen Wahnsinn lässt die neue EU-Verordnung völlig außer Acht.

Der Verzicht auf Wattestäbchen und Trinkhalme wird die Weltmeere nicht retten

Die EU-Plastikverordnung liest sich wie ein schlechter Witz. Explizit wird aufgezählt, was nicht mehr sein darf. Trinkhalme, Einweggeschirr und Wattestäbchen, ach ja, und Plastikhalter für Luftballone. Die auch angeführten geschäumten Fast-Food-Behälter sind bereits vor Jahrzehnten von den Ketten durch Pappe ersetzt worden. Doch ganz wichtig: Zigarettenfilter mit Plastik. Nicht unter das Verbot fallen: Verpackungen und Trinkbecher. Daran kann man erkennen, welche Lobby diese Verordnung geschrieben hat. Allein in Deutschland werden jedes Jahr Milliarden Trinkbecher weggeworfen, von Starbucks, McDonalds & Co. Die Verpackungen – geliefert von Amazon, Zalando & Co. – sollen bis 2025 um 25 Prozent reduziert werden, auf freiwilliger Basis und wir wissen, was das wert ist.

Da sollen also die Weltmeere gerettet werden durch den Verzicht auf Wattestäbchen und Trinkhalme. Ausgerechnet in Europa. Betrachten wir dazu den Weg des Plastikmülls in Deutschland. Rhein, Elbe, Weser, Oder oder die Trave bei Lübeck sind nicht dafür bekannt, von Plastikmüll bedeckt zu sein. Die deutschen Flüsse sind so sauber, wie kaum jemals zuvor. Plastikmüll wird in Deutschland gesammelt oder kommt in den Hausmüll; wird wiederverwertet oder verbrannt. Ich stelle fest: Aus Deutschland kommt praktisch kein Plastikmüll ins Meer und der Zustand der Nord- und Ostsee belegt das. Deutscher Plastikmüll wird aber exportiert, nach Afrika zum Beispiel. Ob er dort den direkten Weg ins Meer nimmt, entzieht sich unserer Kontrolle.

Eine weitere Maßnahme der Ökodiktatur, um die Menschen zu kujonieren

Betrachten wir dazu auch die Trinkbecher, die ja ausgenommen sind. Es sind ja nicht nur die Becher. Jeder dieser Becher hat einen Plastikdeckel, ohne den er nicht stabil genug ist. Wir reden also von Milliarden Bechern mit Deckel, für deren Entsorgung die Verursacher nicht aufkommen müssen. Das wird dem Steuerzahler aufgebürdet, weil die Stadtreinigungen den Mist wegräumen müssen. Schon vor Jahren wurde dieses Problem andiskutiert, aber als „unlösbar“ beiseite gelegt. Dabei wäre die Lösung einfach, aber man müsste den internationalen Großkonzernen auf die Füße treten. Auf jeden Einwegbecher einfach ein Pfand erheben, zehn bis zwanzig Cent, und die Sache wäre geregelt. Abgesehen davon halte ich es sowieso für eine schreckliche Unkultur, im Gehen Kaffee zu sich zu nehmen, dessen Aroma nicht mehr an die Nase kommt, weil ein Plastikdeckel es verhindert. Aber Wattestäbchen sollen verboten werden.

Ein Plastikverbot in der EU wie das jetzt vorgelegte wird die Weltmeere nicht retten. Weil das jedem ganz schnell klar wird, der sich ein wenig Gedanken darüber macht, musste die Plastikverordnung der EU mit einer Kampagne unterfüttert werden. Schreckliche Bilder aus tropischen Meeren und Prognosen, die wieder einmal auf unzulässigen Extrapolierungen aufgebaut sind. „Mehr Plastik im Meer, als Fische“. Was nutzt es aber den Meeren, wenn in der EU Plastik-Trinkhalme verboten werden, die kein Meer erreichen? Die Plastikverordnung der EU ist eine weitere Maßnahme, mit unsinniger grüner Ökodiktatur die Menschen zu kujonieren und ihnen die Lebensfreude zu vergällen, denn Maßnahmen, die wirklich Plastik- und Verpackungsmüll reduzieren könnten, sind explizit ausgenommen.

Aktionismus, der keine Verbesserung bringt und die EU-Verdrossenheit fördert

Als Weltreisender habe ich gelernt, das nirgendwo sorgsamer mit Müll umgegangen wird, als in Mitteleuropa. Ob das auch daran liegt, dass hier der meiste (Verpackungs-)Müll produziert wird? Ich wünsche mir eine intakte Umwelt. Diesem Ziel dient die neue Plastikverordnung der EU nicht. Ist diese Verordnung also der alten Arroganz zuzuordnen: „Am deutschen (europäischen) Wesen soll die Welt genesen“? Das glaube ich nicht. Sie reiht sich eher ein in anderen Wahnsinn, der speziell in Deutschland im Namen der Umwelt fabriziert wird. Was nutzt es, wenn in Deutschland drei der saubersten Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, während in China zur gleichen Zeit jede Woche ein neues in Betrieb geht? Sparsame Diesel verteufelt werden, damit Benziner 30 Prozent mehr Öl verbrennen? Amazon & Co den Verpackungsmüll explodieren lassen und keine Steuern auf die Gewinne zahlen müssen, geschweige denn für die Entsorgung aufkommen?

Die Grünen feiern die neue EU-Verordnung. Toll! Wollten sie wirklich etwas für die Umwelt erreichen, müssten sie sich massiv gegen den Verpackungswahn einsetzen. Davon habe ich aber nichts gehört, vor allem was die Versandkonzerne betrifft. Oder eine Banane, die nicht mehr in ihrer natürlichen Schutzhülle verkauft wird. Die EU-Plastikverordnung ist ein weiterer Schritt, die EU-Verdrossenheit zu fördern. Zu offensichtlich ist ein Aktionismus, der keinerlei Verbesserung bringen kann. Wodurch sollen denn Wattestäbchen oder Trinkhalme ersetzt werden? Durch Holzstäbchen, mit denen man sich verletzen kann? (Deswegen hat man sie durch Plastik ersetzt!) Durch (echte) Strohhalme? Die EU-Plastikverordnung ist blanker Unsinn, der nichts, aber auch gar nichts, am Zustand der Weltmeere verbessern wird.

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In seinem SM-Krimi "Der Tod spricht polnisch" thematisiert Alexander Donner auch die Unsitte, Kaffee aus Pappbechern zu trinken. Folgend ein Ausschnitt aus diesem bemerkenswerten Werk. Eine Rezension finden Sie hier: Der Tod spricht polnisch – eine Rezension

London: Das 1. Bajonett

Kommissar Turner war ‚not amused’. Erstens war ihm diese frühe Stunde zutiefst unangenehm. Er hasste es, vor Sonnenaufgang zu einem Mordfall gerufen zu werden. Das war sowieso unsinnig. Die Leiche würde auch nach dem Frühstück noch tot sein. Am meisten aber hasste er die aufgesetzte Fröhlichkeit seiner ehrgeizigen Assistentin. Frisch von der Uni behauptete sie immer wieder, dass es ihr gar nichts ausmachte, besonders früh aufzustehen. Der Tag wäre dann so wunderbar lang. Was für ein Blödsinn! Was sollte er mit einem langen Tag anfangen, der schon so beschissen angefangen hat? Er würde den ganzen Tag mit dem ekelhaften Gefühl verbringen müssen, wieder einmal nicht genügend Schlaf bekommen zu haben. Aber diese germanische Walküre von einer Assistentin hatte wahrscheinlich auch diesen Defekt in ihrem Erbgut – das Frühaufsteher-Gen.

Grantig wie er gerade war, entging ihm dennoch nicht die Exklusivität des Augenblicks. Ein stolzes Haus im viktorianischen Stil in einem noblen Londoner Vorort. Die aufgehende Sonne brachte die verspielte Fassade voll zur Geltung. Die harten Schatten zeichneten jedes Detail in scharfen Konturen und ließen es besonders plastisch erscheinen. Konnten die Menschen in solchen Häusern nicht einfach ihren Reichtum genießen, anstatt sich umbringen zu lassen? Und wenn es schon sein musste, dann hätten sie ihren Angestellten sagen können, dass sie heute etwas später kommen sollten, weil sie kein Frühstück mehr brauchen. Dann wäre die Leiche auch nicht so früh gefunden worden, und er könnte sich jetzt noch einmal in seinem warmen Bett umdrehen.

Irgendjemand reichte ihm einen Becher Kaffee. Heiß, mit Deckel. Er hatte sich abgewöhnt, sich darüber aufzuregen. Über diese amerikanische Unsitte, Kaffee in einen Pappbecher zu füllen und mit einem Deckel zu verschließen. Das war das Ende jeder Kultur – zumindest der Kaffee-Kultur. Zum einen konnte man diesen Becher kaum ohne Schmerzen halten, weil der heiße Kaffee durch die dünne Pappe die Finger überforderte, wenn es keine Gelegenheit zum Abstellen gab. Zum anderen konnte in diesem Becher die schlechteste Sorte Kaffee verkauft werden, da durch den Deckelverschluss sowieso kein Aroma an die Nase drang. Einmal hatte er versucht, den Deckel zu entfernen, damit er wenigstens riechen konnte, womit er vergiftet werden sollte. Das endete aber in einem Desaster. Die Stabilität des Bechers war auf den Deckel angewiesen, und ohne Deckel stand er vor der Wahl, entweder den Becher zu zerdrücken und sich die Hand mit dem überfließenden heißen Kaffee zu verbrühen, oder den Becher fallen zu lassen, was aber die Spurensicherung am Tatort nicht zu Lob ermutigt hätte. Die Finger waren verbrüht und der Mantel versaut. Kaffee aus dem Pappbecher – nur noch mit Handschuhen!

Als er am Tatort erschien, war die ganze Korona schon da, und auch die üblichen Absperrbänder, die den Tatort vor zerstörerischer Kontamination schützen sollten, waren bereits angebracht. Und dann natürlich seine morgengeile Assistentin. Wie eine Fata-Morgana stöckelte sie auf ihren üblichen 12 Zentimeterabsätzen mit Plateau durch das organisierte Chaos. Das würde er niemals begreifen. Wie konnte sie als Frau – mit natürlichen 185 cm sowieso schon erschreckend groß – das ganze noch auf die Spitze treiben und weitere 12 Zentimeter drauflegen? Bei jeder normalen Tür musste sie eine leichte Verbeugung machen. Aber irgendwie musste er zugeben, dass diese Erscheinung in ihm auch schon seltsame erotische Gedanken provoziert hatte. Er war keineswegs besonders klein geraten, er war Normalmaß, aber die Idee, sich mit einer Frau dieser Größe zu verlustieren, war doch mal etwas ganz anderes.

Die Leiche lag im Salon. Der Anblick machte ihn schlagartig wach. Nicht, dass ihn eine Leiche noch besonders hätte aufregen können – aber hier war etwas Außergewöhnliches passiert. Dass es sich um Mord handelte, war offenkundig. Das Bajonett ließ diesbezüglich keine Zweifel aufkommen, und ebenso außer Frage stand, dass hier ein Experte am Werk war. Das war kein normaler Mord. Auf den ersten Blick sah es so aus, als ob das Bajonett nur auf dem Bauch des Opfers liegen würde. Fast kein Blut. Der Einstich lag direkt unter dem Solarplexus, in der Mitte unter der letzten Rippe. Von dort war der Stich schräg nach oben direkt ins Herz geführt worden. Eine sehr überlegte Handlung, die mit minimalem Kraftaufwand an allen Hindernissen vorbei das Herz sofort zum Stillstand kommen lässt. So tötet jemand, der seinem Opfer keine unnötigen Schmerzen zufügen will, sondern einen sauberen, sicheren und schnellen Tod anstrebt. Ein Experte.

"Der Tod spricht polnisch" ist erhältlich im Buchhandel oder direkt zu bestellen beim Verlag hier.

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