------------------------------------

-------------------------------------

---------------------------------------

Die Causa Özil – Ein Glücksfall für den DFB und für Deutschland

Von Gerd Fischbacher 

Über die „Causa Özil“ ist inzwischen viel gesagt und noch mehr geschrieben worden. Aber sowohl in den intelligenteren Kommentaren (z.B. Professor Wolffsohn, Herr Buschkowski), als auch in den eher törichten Stellungnahmen (Ministerin Barley, Andrea Nahles) wurde bisher ein Aspekt völlig außer Acht gelassen. Bei genauerer Betrachtung und sorgfältiger Analyse ist der völlig überzogene verbale Rundumschlag von Herrn Özil ein Glücksfall sowohl für den DFB als auch für Deutschland insgesamt. Warum? 

Wie jeder leicht erkennen kann, hat der „Fall Özil“ zwei Seiten, nämlich eine sportliche und eine politische. Was die sportliche Seite angeht, sind sich die Fachleute und die Fans weit-gehend einig. Es war ein grober Fehler der sportlichen Leitung unserer Nationalmannschaft, d.h. in erster Linie von Herrn Löw, Özil (und Gündogan) für diese Weltmeisterschaft zu nominieren und ihm erneut die Rolle des Spielmachers zu übertragen, nicht wegen des lächerlichen und naiven Fotos mit Herrn Erdogan, sondern aus sportlichen Gründen. 

Seiner zugedachten Rolle als Spielmacher wurde Özil überhaupt nicht gerecht 

Özil war einmal ein sehr guter Fußballspieler, zwar keiner von den ganz großen wie Pele, Beckenbauer oder Ronaldo, aber immerhin ein weit überdurchschnittlicher Techniker und Spielgestalter, der seinen Teil dazu beigetragen hat, dass Deutschland vor vier Jahren Weltmeister wurde. Die Betonung liegt aber auf „war“. Er hat, wie andere auch (z.B. Müller, Khedira usw.) den Zenit seines Könnens längst überschritten und konnte daher der ihm bei dem diesjährigen Turnier in Russland erneut zugedachten Rolle als Führungsspieler und Spielmacher nicht einmal ansatzweise gerecht werden. Darüber, ob er das nach der auch schon vor der diesjährigen Weltmeisterschaft an ihm geübten fachlichen Kritik überhaupt noch wollte, kann man streiten, Zweifel sind angebracht. 

Hinzukommt seine schon immer grenzwertige Körpersprache und die damit einhergehende mangelnde Einsatzbereitschaft auf dem Platz. Exemplarisch dafür war sein katastrophales Defensivverhalten vor dem 1:0 der Mexikaner im ersten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft, das – wie die Fernsehbilder eindeutig zeigen – schon an Arbeitsverweigerung grenzte. Jeder A-Jugendspieler einer Bezirksligamannschaft hätte das besser gemacht. Dies kann auch Herrn Löw nicht verborgen geblieben sein. Warum er dennoch an ihm festge-halten und ihn wieder aufgestellt hat, bleibt zumindest bis auf weiteres sein Geheimnis. Spätestens nach Özils Frontalangriff auf den DFB wird aber auch Herr Löw erkannt haben, dass sich seine auch schon früher gezeigte „Nibelungentreue“ zu verdienten Spielern in diesem Fall nicht ausgezahlt hat. 

Für den notwendigen Neuaufbau der Mannschaft ist Özil absolut entbehrlich 

Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft ist daher weder sportlich noch menschlich ein Verlust, denn ein echter Führungsspieler wie z.B. Phillip Lahm oder Bastian Schweinsteiger, die ihre Mannschaftskameraden in schwierigen Phasen eines Spiels motivieren und mitreißen konnten, war Özil nie. Wer – wie einige Kommentatoren – etwas anderes behauptet und dies mit statistischen Angaben über Özils häufige Ballkontakte und Pässe in den beiden Gruppenspielen des Weltmeisterschaftsturniers zu belegen versucht, hat von fußballerischer Taktik und Aufgabenverteilung innerhalb einer Mannschaft wenig Ahnung. Wie schon gesagt, war Özil in Russland die Rolle des Spielmachers zugedacht. Da ist es nur natürlich, dass er von seinen Mitspielern gesucht wird, weil sie sich von ihm spielerische Impulse erhoffen. Er ist zwangsläufig häufiger in Ballbesitz, als die meisten seiner Mannschaftskameraden. Entscheidend für die Qualität seines Spiels ist aber nicht die Anzahl seiner Ballkontakte und Pässe, sondern die durch ihn kreierten Chancen und Tore. In dieser Hinsicht war seine Leistung in den beiden Turnierspielen aber doch wohl unbestritten sehr überschaubar. Wenn Uli Hoeneß daher behauptet, Özil habe seinen letzten Zweikampf vor der Weltmeisterschaft 2014 gewonnen, so lässt sich dies vielleicht statistisch widerlegen, die Stimmung und das Empfinden der Fußballfans hat Hoeneß mit seiner bissigen Bemerkung aber sicher getroffen. 

Der jetzt von Özil persönlich verkündete, von Selbstmitleid, Larmoyanz sowie nicht nach-vollziehbaren Schuldzuweisungen begleitete Abschied aus der deutschen Fußballnational-mannschaft müsste daher den Herren Löw und Bierhoff eigentlich sehr gelegen kommen, weil sie ihrem früheren Lieblingsschüler nun nicht mehr schonend beibringen müssen, dass sie zukünftig auf seine Dienste verzichten werden, da er beim notwendigen Neuaufbau unserer Mannschaft entbehrlich ist. Bleibt für alle deutschen Fußballfans nur zu hoffen, dass die Führung und sportliche Leitung des DFB auch so denkt und genügend Selbstachtung besitzt, um angesichts der von Teilen des Auslands und insbesondere der türkischen Staatsführung Özil gegenüber bekundeten Sympathie und der absurden Rassismus- Vorwürfe nicht nachträglich einzuknicken und den Abtrünnigen demütig zu bitten, in den Kreis der Nationalspieler zurückzukehren.

Mit dem Verstand Deutschen, mit dem Herzen Türke 

Auch was ihre politische Dimension angeht ist die „Causa Özil“ für Deutschland ein Glücks-fall, weil sie den Menschen in unserem Lande und vor allem den politisch Verantwortlichen wieder schlagartig vor Augen geführt hat, wie dringlich die Fortsetzung der viel zu früh für beendet erklärten Debatte über den Stand, die Möglichkeiten und Grenzen der Integration von vor allem muslimischen Einwanderern in unserem Land ist. Auch wenn es die Befür-worter (um das Wort Fanatiker zu vermeiden) einer multikulturellen Gesellschaft in Deutsch-land nicht wahrhaben wollen, Özils Reaktion und seine schriftliche Antwort (wer auch immer sie verfasst haben mag – er selbst, dessen intellektuelle Tätigkeit laut gut informierter Kreise hauptsächlich in der Beschäftigung mit seiner Playstation besteht, sicher nicht) auf die Kritik an seinem Treffen nebst Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zeigt, dass er zwar in Deutschland geboren ist und viele Jahre in diesem Land gelebt hat, dass er aber tief in seinem Inneren Türke geblieben ist. 

So wie ihm geht es Millionen anderen türkischen Einwanderern und sie machen daraus auch kein Hehl: mit dem Kopf (sprich: Verstand) haben sich die meisten bereits vor vielen Jahren für Deutschland entschieden, weil sie den deutschen Rechts- und Sozialstaat schätzen, seine Errungenschaften gern in Anspruch nehmen und seine Wohltaten genießen – mit dem Herzen sind sie aber niemals in Deutschland angekommen. Das gilt für den Fußballmillionär ebenso, wie für den Gemüsehändler an der Ecke oder den Empfänger staatlicher Transfer-leistungen. Alle, die vorurteilsfrei und ohne ideologische Scheuklappen durch unser Land gehen, können für diese Feststellung tagtäglich unzählige Beweise finden. Wer bei jeder sich bietenden Gelegenheit türkische Fahnen schwingt, nicht Herrn Steinmeier sondern Herrn Erdogan als „seinen“ Präsidenten bezeichnet und stets betont, wie stolz er auf seine türki-schen Wurzeln ist, der zeigt dadurch, dass das Land, in dem und von dem er seit vielen Jah-ren lebt und dessen Staatsbürgerschaft er besitzt, nicht seine eigentliche Heimat geworden ist und für ihn in emotionaler Hinsicht keine Bedeutung hat. Anderslautende Aussagen – zumal vor laufenden Fernsehkameras – sind als reine Lippenbekenntnisse zu werten. 

Seit Jahrzehnten verfehlte Migrationspolitik unserer Regierung 

Dass von einer „echten“ Integration, also der vollständigen Verschmelzung mit den gesell-schaftlichen und sozialen Strukturen unseres Landes selbst bei den meisten der hier schon seit mehreren Generationen lebenden türkischen Einwanderer bis heute keine Rede sein kann, liegt zu einem erheblichen Teil auch an uns, den Einheimischen (oder sollte man inzwischen besser sagen, den Ureinwohnern). Durch eine seit Jahrzehnten verfehlte Migra-tions- und Ausländerpolitik haben es die verantwortlichen deutschen Politiker zugelassen, dass sich in unserem Land vielerorts Parallelgesellschaften entwickelt haben und man in manchen Vierteln unserer Großstätte den Eindruck hat, man befinde sich in Istanbul oder Ankara. Ein Türke, der nach Deutschland auswandert, kommt – wenn er will – in diesen „türkischen Enklaven auf deutschem Boden“ ohne deutsche Sprachkenntnisse und ohne den geringsten Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, zu unserer Kultur und Lebensart bestens zu Recht, d.h. die Notwendigkeit, sich unseren Sitten und Gebräuchen anzupassen und in die Mehrheitsgesellschaft einzufügen, also sich zu integrieren, besteht für ihn gar nicht. 

Ein weiteres von der deutschen Politik zu verantwortendes Integrationshindernis ist die vielen Ausländern zugestandene doppelte Staatsbürgerschaft. Der Doppelpass mag im Fußball zielführend sein, in der Ausländer- und Migrationspolitik ist er es nicht. Im Gegenteil. Wer die Integration von auf Dauer hier lebenden Einwanderern fördern will, der muss sie auffordern, sich ohne Wenn und Aber zu ihrer selbst gewählten neuen Heimat zu bekennen. Ebenso wie niemand zugleich Christ und Moslem, Protestant und Katholik oder Mitglied verschiedener politischer Parteien sein kann, kann auch niemand zugleich Deutscher und Türke sein. Diejenigen, die Migranten aus falsch verstandener Toleranz ersparen wollen, sich klar zu entscheiden, tragen eine Mitschuld an ihrer häufig zu bemerkenden inneren Zer-rissenheit und dem von Zuwanderern selbst oft beklagten Gefühl, weder in ihrem Her-kunftsland noch in ihrer Wahlheimat richtig dazuzugehören. Aus diesen Gründen ist auch das Gerede von Herrn Özil und allen anderen fälschlicherweise als Deutschtürken bezeichneten Einwanderern über die zwei Herzen, die angeblich in ihrer Brust schlagen, nichts weiter als ein frommer Selbstbetrug und das Gejammer vieler Ausländer über den angeblich in Deutschland weit verbreiteten Rassismus nichts als ein Ablenkungsmanöver mit dem sie jegliche Kritik an ihrem oft inakzeptablen Verhalten und ihrer selbstgewählten Isolation im Keim ersticken wollen. 

Leichtfertig wird die Rassismus-Keule gezogen, um Schuldgefühle zu wecken 

Dabei fällt der Rassismus Vorwurf speziell bei linken Politikern und ihren Unterstützern aufgrund unserer nationalsozialistischen Vergangenheit hier stets auf fruchtbaren Boden. Das haben vor allem die türkischen Zuwanderer und ihre vielfältigen Organisationen längst erkannt und bedienen sich – ebenso wie die türkische Staatsführung – gern der Rassismus-Keule, um Schuldgefühle in den Deutschen zu wecken und uns einzuschüchtern. Wie auch der Fall Özil zeigt, klappt das immer wieder prima. Selbst wenn, wie im Fall des DFB, der Vorwurf so absurd ist, wie er nur sein kann, melden sich sofort namhafte Vertreter aus Politik und Verbänden zu Wort und erklären, man müsse diese sicher berechtigten Vorwürfe sehr ernst nehmen und unverzüglich geeignete Maßnahmen treffen, um unsere bedauerns-werten Landsleute mit Migrationshintergrund vor rassistischer Verfolgung und Benachteili-gung zu schützen.

Bei dieser Einstellung in einem zwar kleinen, aber wortgewaltigen Teil unserer Bevölkerung darf es nicht verwundern, wenn das Wort „Rassismus“ schon vielen Kindern im Vorschulalter geläufig ist und sie ebenso wie ihre älteren Schulkameraden bei Demonstrationen gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus fleißig ihre selbstgemalten Plakate schwingen, obwohl sie gar nicht wissen, was diese Begriffe eigentlich bedeuten und in welchen Zusammen-hängen sie zu Recht gebraucht werden sollten.

Daher sei es an dieser Stelle noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt: Rassismus ist in Deutschland nicht weiter verbreitet, als in jedem anderen Land dieser Erde auch und die zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallenden Neonazis, die Ausländer und Einwanderer tatsächlich aus rassistischen Gründen bedrängen und verfolgen, sind mit polizeilichen und juristischen Maßnahmen leicht unter Kontrolle zu halten. Die wahre Ursache für verbale wie physische Angriffe, denen Migranten wie Einheimische in zunehmendem Maße tagtäglich ausgesetzt sind, liegt nicht in einer rassistischen Gesinnung der Angreifer, sondern ist auf deren charakterliche Defizite und fehlende Erziehung im Elternhaus zurückzuführen. Würde daher Özils Attacke auch eine vorurteilsfreie und sachliche Grundsatzdiskussion über das Thema „Rassismus in Deutschland“ noch einmal neu beleben, so hätte er mit seinem verbalen Rundumschlag am Ende doch noch viel Gutes bewirkt.

Nach oben