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Der Vergleich Kosovo-Krim geht fehl

Von Peter Haisenko

Auch im Westen werden die Vorgänge auf der Krim mahnend mit dem Vorgehen des Westens im Kosovo verglichen. Allerdings werden auch hierbei wesentliche Aspekte vernachlässigt, die den Vergleich unzulässig machen.

Die Krim ist seit 240 Jahren Teil Russlands und wird spätestens seit dieser Zeit mehrheitlich von Russen bewohnt. Seit 240 Jahren sind russische Truppen auf der Krim stationiert und die russische Flotte betreibt dort ihre Stützpunkte. 1954 schenkte Chruschtschow die Krim an die Ukraine, was damals jedoch rein formal war: Auch die Ukraine gehörte zur Sowjetunion, zu Russland. Nur während der letzten 24 Jahre gehörte die Krim nicht zu Russland, aber Russland hatte auch während dieser Zeit das vertraglich gesicherte Recht, 25.000 Soldaten auf der Krim zu stationieren. Bis heute ist dieses Kontingent nicht ausgeschöpft.

Kosovo war Teil des serbischen Königreichs, dann Teil Jugoslawiens. Das Amselfeld, so der ehemalige Name des Kosovo, wird von unterschiedlichen Ethnien bewohnt, klare Mehrheiten sind bis heute umstritten. Nach der Zerschlagung Jugoslawiens durch die NATO wurde Kosovo von der NATO gewaltsam von Serbien abgetrennt. Die serbischen Donaubrücken sind in einer „Strafaktion“ von NATO-Bomben zerstört worden. Bis heute müssen NATO-Truppen vor Ort sein, um gewaltsame Ausschreitungen gegen die Abtrennung von Serbien in Grenzen zu halten. Der Konflikt ist nicht beendet und fordert weiterhin Opfer.

Amerikanische Militärbasen nehmen Russland in die Zange

Nachdem die NATO die Kontrolle über Kosovo an sich genommen hatte, haben die USA 1999 dort sofort ihre Militärbasis „Camp Bondsteel“ errichtet – den größten amerikanischen Stützpunkt außerhalb der USA. Nach dem derzeitigen US-Stationierungskonzept handelt es sich um eine Forward Operating Site. Der US-Armee wurde 2005 vorgeworfen, im Camp Bondsteel eine „Black Site“ zu betreiben, in der als Terroristen bezeichnete Personen unrechtmäßig gefangen gehalten worden seien. Der Menschenrechtskommissar des Europarates, Álvaro Gil-Robles, sprach im Zusammenhang mit einer 2002 erfolgten Inspektion des Lagers von „schockierenden Zuständen“. (Man vergleiche Guantanamo auf Kuba.) Die US-Armee bestritt den Vorwurf: Das Gefangenenlager in Bondsteel sei legitim und der KFOR zugehörig. In Camp Bondsteel wurden Kämpfer ausgebildet für den Einsatz in Syrien gegen Assad.

Man vergleiche Armenien. Einst Sowjetrepublik an der Südflanke, haben auch dort die USA einen riesigen Militärstützpunkt errichtet, getarnt als Botschaftsgelände von etwa zwei Quadratkilometer Größe. Ein weiterer Baustein zur militärischen Einkreisung Russlands.

Militärisch-kommerzielle Interessen oder Volkswille?

Während sich auf der Krim nach der friedlichen Volksabstimmung eigentlich nichts verändert hat, außer der formalen politischen Zugehörigkeit, sieht das im Kosovo ganz anders aus. Auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien – eher dem Ostblock zugeneigt, stehen seit 1999 US-amerikanische Soldaten, die von dieser vorgeschobenen Operationsbasis aus die expansionistischen Ziele der USA betreiben, und das selbstverständlich unter strengster Geheimhaltung.

Selbst die eifrigsten Putin-Hasser geben zu, dass die NATO im Kosovo gegen Völkerrecht verstoßen hat. Sie verschweigen aber geflissentlich, dass das eigentliche Ziel dieser Völkerrechtsverletzung die Errichtung einer US-Basis war. Über den Zugriff auf die reichen Bodenschätze des Kosovo wird auch geschwiegen. Die Übernahme der Kontrolle der NATO über den Kosovo hatte also zwei Ziele: Errichtung einer amerikanischen Militärbasis und Kontrolle über die kommerzielle Ausbeutung der Bodenschätze. Ob das den Menschen dort recht ist, erscheint nebensächlich. Noch weniger wird darauf Rücksicht genommen, dass die Serben zutiefst verletzt sind, weil man ihnen ihr „Herzland“ geraubt hat. Nicht annähernd Ähnliches trifft auf die Krim zu.

Die Krim ist seit 240 Jahren russisch. Ukrainisch war sie eigentlich nie. Eine demokratische Volksabstimmung hat korrigiert, was Chruschtschow, der Ukrainer, 1954 unbedacht angerichtet hat. Der Vergleich mit Kosovo geht fehl.

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