------------------------------------

-------------------------------------

-------------------------------------

---------------------------------------

Sau-Radioaktivität – japanische!

Von Hans-Jörg Müllenmeister

Zunächst einmal: Der merkelhafte Wahlkampf soll unseren Quasseltempel in Berlin neu beleben. Über 600 Pups-Sessel sind mit Volksvertretern neu zu besetzen. Ginge es nach den Grünen, enthielte jedes der Gestühle zum Abfackeln der Körpergase einen eigenen CO2/Methangas-Anschluss − eine Furz-Idee zur regenerativen Energie des Plenarsaals. Unter den Neuen sah ich sogar einen Schwarz-Afrikaner. Ist doch gar nicht so abwegig. Schon Adenauer sagte “Wir Schwarze müssen zusammenhalten“. Aber sagen Sie, warum fehlten im Wahlkampf kontroverse Themen wie der Euro oder die Energiewende?

Stattdessen schufen die Medien banale Plattitüden. Es wurde abgelenkt mit der dreifarbigen Kette der Kanzlerin, mit dem Stinke-Finger von Steinbrück, und Flaschenpfand-Tret-ihn bekam eins mit der pädophilen Keule aus seiner Vergangenheit übergezogen. Wollte man das Stimmvieh bewusst nicht mit Problemen überfrachten? Oft liegt gerade in der Schlichtheit die Macht. Messerscharf erkannte das unsere ehemalige Agitatorin. Simple Redeformen der Politiker sind eben eingängig. Denken Sie an „Sie kennen mich ja“ oder Basta, Yes we can, aktueller Yes we scan. Das erklärt doch alles. Der Deutsche Michel hat ein Herz für Kinderreime. Da punktete einmal mehr Peer mit „Hätte, hätte, Fahrradkette“. Und Seppl-Horst sprach den Deutschen Autofahrern aus der Seele mit seiner Maut für Ausländer. Die ist durchaus verhandelbar mit der CDU, könnte man sie doch an ein Bonussystem koppeln: Wer zur Oktoberfestzeit ins Bayernland einfährt, bekommt einen Gutschein für eine Maß Bier.

Schon einmal hatten wir die Welt zu Gast in München. Erinnern Sie sich noch an die Olympiade von 1972? Was aus den anfangs heiteren Spielen wurde, wissen Sie ja. Jetzt richtet Japans Metropole Tokio im Sommer 2020 die Spiele der XXXII. Olympiade aus, mit garantiert strahlenden Siegern! Der besondere Gag: statt Goldmedaillen will man den Siegern erstmals goldfarbene Platscharis aus strahlendem Cäsium unter Glas statt Gold umhängen. Übrigens, das einzige Element, dass leicht gedopt mit andern Metallen, goldfarben ist. Das Isotop 137 Cs stammt frisch aus dem Inferno Fukushima. Welch ein beständig strahlendes Andenken der Olympioniken. Gewiss, jetzt sind Gold Bugs entsetzt. Warum keine Medaillen in Gold; hat denn das Edelmetall schon ausgedient? Soll es heißen: Gold gab ich für Cäsium! Jedenfalls ist der Goldpreis zuletzt stark verfallen, da lobt man sich ein Element mit großer Verfallszeit. Davon unbenommen, steht uns ein goldener Spätherbst bevor, der den Gold-Bären gehörig in die Eier greift.

Und diese Olympiade wird alles ökonomisch überstrahlen. Das olympische Schwimmbecken ist bereits zwangsgebaut. Die Schwimmer müssten allerdings ihre Wettkämpfe in der 240 km entfernten Atomruine Fukushima austragen. Und das in angenehm temperiertem Wasser. Leider lecken die Becken, denn die Tanks sind nicht ordentlich verschweißt, sondern nur vernietet. Klar, bei dem Überangebot an Nieten des Versorgers TEPCO und in der Politik, bietet sich das an. Wie gesagt, es verbleiben noch sieben Jahre bis zur Olympiade. Bis dahin dürfen die Fernöstler siegverheißende Mutanten des Supergaus hervorbringen, vielleicht Sumo-Ringer mit vier Armen.

Sehr bald ist Schluss mit lustig: Bei aller Liebe zum bösen Spiel, Japans Missmanagement in der Atomkrise ist unverantwortlich. Das darf die Weltgemeinschaft nicht weiter akzeptieren, denn es betrifft demnächst den ganzen Planeten. Im Atom-Geisterhaus jagt heute noch ein Vorfall den anderen. Auf den Exportschlager „Radioaktivität“ über die Wasserströme des Pazifischen Ozeans mit dem Rest der Welt können wir alle verzichten. Die Gesundheit des gesamten Planeten steht auf dem Spiel. Radioaktiv verseuchte Wasser-Inkontinenz ist das Übel; es quillt aus Tanks und Rohren. Sie sucht das Weite im Meer. Die Auswirkungen auf den Pazifischen Ozean reichen bis an die Küsten von Nord- und Südamerikas, vorbei an die langen Küsten und Inseln Asiens und an die Korallenriffe Australiens. Der wachsende Eintrag an verstrahltem Wasser in den Ozean ist besorgniserregend und alarmierend zugleich.

Fest steht, nach wie vor gerieten drei der vier Reaktoren wegen der hohen Strahlung außer Rand und Band. Der vierte enthält zehnmal mehr Radioaktivität, als Tschernobyl überhaupt freisetzte. Sollte einer der Reaktoren kollabieren, wäre die Katastrophe eine globale. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass weitere Erdbeben die Zerstörung an der Bausubstanz dramatisch erhöhen. Eigentlich müssten die Alarmglocken bei Japans Premierminister Abe schrillen, er müsste den japanischen Nationalstolz überwinden und die besten Experten auf der Welt um Hilfe bitten.

Die naiven Legobausteinspieler bei Electric-Tepco teilten mit, dass in Kürze der Versuch startet, mehr als 1.300 abgebrannte Brennelemente aus einem schwer beschädigten, leckenden Lagerbecken zu bergen. Diese sind mit einer Zirconium-Legierung ummantelt. Kommen sie mit Luft in Kontakt, entzünden sie sich spontan. Ein „nackter“ Brennstab strahlt so viel Radioaktivität ab, dass jeder, der sich in seiner Nähe aufhält, spontan „erkaltet“. Eine erneute Kernschmelze würde einen andauernden tödlichen Strom von Radioaktivität über Jahrhunderte über die ganze Erde ergießen.

Die rund 400 Tonnen schweren Brennelemente übertreffen die freigesetzte radioaktive Strahlung der Hiroshima-Bombe um das 15.000fache. Inzwischen wurden vor der Küste Kaliforniens bereits Thunfische der Gattung „Strahlemann“ gefangen.

Insgesamt sind mehr als 11.000 Brennelemente über die ganze Anlage in Fukushima drapiert. Sie könnte 85-mal so viel tödliches Cäsium freisetzen, wie bei der Katastrophe in Tschernobyl. Eine Feuersbrunst würde dem ganzen Bedienungspersonal schnelle Beine machen; es müsste aus dem Kernkraftwerk fliehen und die Todesanlage unkontrolliert sich selbst zu überlassen.

Es bahnt sich ein Ausbau der „globalen Vernetzung“ über den Kapital- und Warenverkehr hinaus an: Die atomare Katastrophe von Fukushima findet ihre heimtückische Fortsetzung über den ganzen Globus. Nach der Bundestagswahl können einige selbstverursachte Probleme unser Land heimsuchen. An zig-Billionen Schulden hat man sich weltweit gewöhnt, indes haben wir einer lebensbedrohlichen Bestrahlung nichts entgegenzusetzen. Wir stecken in der Bredouille. Da kann man nur sagen: Sau-Radioaktivität – japanische!

---------------

Anmerkung des Herausgebers: In München werden missliebige Menschen gern als „Sau-Preußen“ betitelt. In einem Witz wurde dieser Titel einem eindeutig japanisch-stämmigen Menschen zugedacht und dann mit dem Zusatz „Sau-Preuß, japanischer“ versehen.

Nach oben