------------------------------------

-------------------------------------

---------------------------------------

Gute Touristen – schlechte Touristen

Von Peter Haisenko

Wenn Deutsche ins Ausland reisen, leisten sie für die Balance der Weltwirtschaft einen wichtigen Beitrag. Es ist dabei gleichgültig, ob sie zum Vergnügen reisen oder als Geschäftsleute – Hauptsache, sie tragen Geld aus Deutschland in Länder, die es dringend benötigen. Sie helfen dabei, wenigstens einen kleinen Teil der deutschen Außenhandelsüberschüsse abzubauen. Es ist zwar nur ein kleiner Teil der 200 Milliarden des letzten Jahres, aber immerhin.

Dasselbe gilt für Japaner, Chinesen und alle, die in Ländern leben, die mehr exportieren, als sie importieren. Würden sie diese Reisen nicht unternehmen, dann würden die Ungleichgewichte in den internationalen Handelsbilanzen noch krasser ausfallen. Ich mag die Touristen aus diesen Ländern, wenn sie Deutschland mit ihrem Besuch beehren.

Wie ist es aber mit Touristen, die aus Ländern nach Deutschland kommen, die ein chronisches Außenhandelsdefizit haben? Nun, man muss nicht lange überlegen und kommt zu dem einfachen Schluss, dass diese Touristen die Handelsbilanzen ihrer Heimatländer noch tiefer in die roten Zahlen bringen. Die nächste Implikation ist schon etwas komplizierter. Wenn ein Tourist aus einem Defizitland ins Ausland reist: Wer bezahlt dann eigentlich diese Reise?

Hoch verschuldet in den Urlaub

Wenn jemand sowieso schon verschuldet ist und trotzdem Urlaub machen will, dann muss er weitere Schulden aufnehmen oder die Rückzahlung der alten Schulden zu Gunsten seines Urlaubs weiter aufschieben. Er lässt also erst einmal seinen Urlaub von andern bezahlen, die mit ihrem Geld besser haushalten. Geht der verschuldete Reisende irgendwann einmal in die Insolvenz, soll heißen, er erklärt, dass er seine Schulden nicht begleichen kann und wird, dann hat er auch seine Urlaube auf Pump von seinen Gläubigern geschenkt bekommen.

Diese individuelle Betrachtung können wir auf alle Staaten erweitern. Nehmen wir beispielsweise Deutschland und die USA. Deutschlands Außenhandelsüberschuss beträgt 200 Milliarden Euro. Das Außenhandelsdefizit der USA liegt oberhalb 1.000 Milliarden US-Dollar. Jeweils pro Jahr! Wenn also Amerikaner als Touristen ins Ausland reisen, dann tragen sie Dollar ins Ausland, die den Amerikanern gar nicht gehören. Es handelt sich um Geld, das die Schulden der USA gegenüber dem Ausland nochmals vergrößert.

Auf den Punkt gebracht kann man sagen, dass amerikanische Touristen ihren Urlaub in Deutschland mit Geld bezahlen, dass eigentlich uns gehört. Und wenn man sich vergegenwärtigt, dass die USA ihre Schulden niemals zurückbezahlen können, werden und wollen, dann kann man nur zu dem Schluss kommen, dass wir Deutschen allen amerikanischen Touristen in Deutschland ihren nicht-verdienten Urlaub schon geschenkt haben.

Natürlich darf nicht übersehen werden, dass auch die amerikanischen Touristen in Deutschland Arbeitsplätze schaffen. Aber, und das ist das große Aber, in Deutschland herrscht sowieso eher Arbeitskräftemangel. Gerade in der Hotel- und Tourismusbranche sind wir auf Arbeitskräfte aus anderen Ländern angewiesen. Und, nicht zu vergessen, das Geld, das die US-Touristen hier ausgeben, ist sowieso unseres. Das heißt, dass auch in der deutschen Tourismusbranche in Bezug auf die Amerikaner Arbeit geleistet wird, die der deutschen Bevölkerung insgesamt keinen echten Ertrag bringt. Im Gegenteil trägt diese Arbeit dazu bei, den ungesunden Zustand des andauernden Außenhandelsüberschusses Deutschlands noch zu verschärfen.

Wenn ich dann noch erleben muss, wie Touristen aus dem angelsächsischen Raum in geradezu (sprach-)imperialistischer Weise nach Deutschland kommen und in der Regel kein Wort Deutsch können, sondern mit arroganter Selbstverständlichkeit erwarten, dass man in Deutschland ihre Sprache spricht, dann überkommt mich kalter Zorn.

Macht die Marktwirtschaft wieder sozial

Ich will in diesem Zusammenhang gar nicht weiter darauf eingehen, dass vor allem in der Hotel- und Tourismusbranche schändlich niedrige Löhne bezahlt werden. Auch das trägt dazu bei, noch mehr Amerikaner zu verleiten, mit unserem Geld unser Land zu bereisen. Es ist wieder einmal die Politik, die diesen Zustand nicht nur zulässt, sondern fördert. Ebenso, wie es die Politik ist, die die Deutschen andauernd hinters Licht führt, indem sie behauptet, der skandalös übergroße Außenhandelsüberschuss Deutschlands wäre nicht nur gut, sondern sogar wünschenswert und notwendig.

Das Gegenteil ist die Wahrheit. In Deutschland müssten die Löhne und damit die Preise der Exportgüter so lange steigen, bis „die Märkte“ die deutsche Außenhandelsbilanz zu einem ausgeglichenen Zustand gebracht haben. Alles andere ist auf Dauer schädlich, nicht nur für Deutschland. Dann allerdings müssten die Arbeitszeiten verkürzt werden und die allgemeinen Arbeitsbedingungen wieder dahin gesteuert werden, dass sie die Bezeichnung „Soziale Marktwirtschaft“ wieder verdienen.

Ja, und sobald Deutschland eine ausgeglichene Handelsbilanz hat, dann will ich auch amerikanische Touristen wieder herzlich willkommen heißen. Wenn, ja wenn sie es sich dann noch leisten können. Das gilt für Touristen aus allen Ländern, die bis dato eine negative Außenhandelsbilanz haben. Also Spanien, Irland, England und so weiter. Allen anderen entbiete ich auch heute nach wie vor ein herzliches Willkommen.

Nach oben