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Femen – Inflation der nackten Titten

Von Hubert von Brunn

Blanke Brüste als politischer Protest. Was sollen wir davon halten. Sorry, ihr Femen- Mädels, ich halte gar nichts davon. Was ihr da veranstaltet, ist einfach nur lächerlich. Mag ja sein, dass das damals (2008) in der Ukraine, wo die ersten Titten-Aktivistinnen auf den Plan getreten sind, noch Eindruck gemacht hat. Und was bei solchen Busen-Attacken in Ländern wie Tunesien heraus kommt, haben die Hamburgerin Josephine und zwei wackere Mitstreiterinnen inzwischen erfahren: Knast! Aber hierzulande, wo sich an jeder Plakatwand mehr oder weniger nackte Frauenkörper für irgendein Produkt räkeln und damit so viel Aufsehen erregen, wie die Werbung für Hundefutter – was soll das?

In streng muslimischen Ländern (Tunesien ist diesbezüglich ja noch eher harmlos), in denen die Burka oder zumindest der Ganzkörper-Schleier in den Augen der Sittenwächter als die einzig angemessene Garderobe für Frauen gilt, würde so eine Busen-Show natürlich für Furore sorgen. Die Konsequenzen für die Aktivistinnen wären in Ländern wie Iran, Irak oder Saudi Arabien vermutlich äußerst harsch: Auspeitschung und Steinigung nicht ausgeschlossen. Aber dort trauen sie es sich ja nicht. Klara, eine der drei Femen-Aktivistinnen, die am 7. Juni vor dem Bundekanzleramt in Berlin blank gezogen haben mit dem Body-Painting „Merkel – free Femen“, hat denn auch freimütig bekannt: „Nach Tunesien werde ich nicht fahren, das wäre mir zu riskant.“ Na also, da haben wir’s.

In unserem freizügigen, toleranten Staat ist das etwas anderes: Ob auf der Hannover-Messe im April vor den Augen der Kanzlerin und Russlands Präsident Putin (er fand den Nackedei-Auftritt offensichtlich höchst amüsant), ob bei Heidi Klums „Topmodel“-Live-Sendung Ende Mai in Mannheim, ob vor dem Bundeskanzleramt oder wie jüngst beim Produzentenfest im Berliner Tiergarten – immer das gleiche Spiel: Die Mädels ziehen blank, Minuten später werden sie von Ordnungskräften abgeräumt, und die Veranstaltung nimmt ihren gewohnten Gang. Den Gästen ringt die Nummer bestenfalls ein müdes Lächeln ab. Also, was soll das? Abgesehen davon: Wenn irgendein Stilmittel des Protests inflationär eingesetzt wird, verliert es die Kraft des Besonderen und wirkt letztlich nur noch platt und abgedroschen. Mit den Femen-Brüsten verhält es sich nicht anders.

Wenn diese ach so mutigen Feministinnen wenigstens noch was zu bieten hätten. Aber mehr als mickrige Jungfern-Brüstchen habe ich da bisher noch nicht zu sehen bekommen. Diese sexistische Sichtweise – völlig klar – ist selbstverständlich überhaupt nicht politisch korrekt und höchst verachtenswert. Hat doch die jetzt in Tunesien zu vier Monaten Haft verurteilte deutsche Femen-Aktivistin Josephine klar und deutlich gesagt: „Es war ein politischer Akt, kein sexueller Akt.“ Aha, ich muss mir angesichts nackter Brüste künftig also zwei völlig konträre Sichtweisen aneignen: Eine sexuelle – das ist die mir vertraute, und eine politische – mit der ich mir einigermaßen schwer tue. Nackte Titten und Politik – den gedanklichen Spagat kriege ich wahrscheinlich nicht hin. Da bleibe ich bei meiner überkommenen Chauvi-Haltung und sage: Nackte Brüste sollen mich sexuell stimulieren – wenn sie das nicht tun, will ich sie nicht sehen 

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