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Dogma oder Menschlichkeit?

Von Hubert von Brunn

Ein Kardinal (J. Meisner) entschuldigt sich bei einer Frau, der nach einer Vergewaltigung Aufnahme und medizinische Versorgung in zwei Kölner Krankenhäusern versagt worden war. So etwas dürfe sich auf keinen Fall mehr wiederholen, bekräftigte der 79-jährige Oberhirte im Erzbistum Köln seine Betroffenheit. Na toll, möchte man meinen, der Mann zeigt Größe.

Mitnichten! Was nützen diese salbungsvollen Worte, wenn der papstgetreue Kleriker im gleichen Atemzug die Verabreichung der sog. „Pille danach“, mit der eine Schwangerschaft – zumal eine gewaltsam herbeigeführte – verhindert werden könnte, weiterhin kategorisch ablehnt? Was weiß denn der alte Mann schon von den körperlichen und seelischen Qualen einer jungen Frau, die Opfer einer brutalen Vergewaltigung wurde? Was interessieren ihn die persönlichen und existenziellen Nöte, in die diese Frau durch die ungewollte Schwangerschaft geraten kann? Welche moralische und/oder finanzielle Unterstützung könnte ein Vergewaltigungsopfer von der katholischen Kirche erwarten? – Nichts, nichts, nichts!

Es ist ja viel leichter, sich hinter einem Dogma zu verschanzen, das den Geist des Mittelalters in sich trägt, als tätige Nächstenliebe an einem in Not geratenen Menschen zu praktizieren. Ich bin sicher, Jesus hätte das anders gesehen.

Dogma schlägt Menschlichkeit – das hat Tradition in der katholischen Kirche. Die vergewaltigte Frau hat schlicht Pech gehabt, und was geschah, war Gottes Wille (sonst wäre es nach katholischer Lesart ja nicht geschehen). Mit dieser Denkhaltung haben die Eiferer der Inquisition über Jahrhunderte hinweg zigtausende Unschuldige zu Tode gefoltert oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Mir geht dieser unmenschliche Dogmatismus der katholischen Amtskirche extrem gegen den Strich. Ich bin zu aufgeklärt und zu sehr dem Humanismus verpflichtet, als dass ich „Gottesurteile“ im 21. Jahrhundert akzeptieren oder gar gutheißen könnte.