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Ist Bioethanol eine Schnapsidee?

Von Wilfried Schuler 

Die alkoholische Gärung liefert in einer anaeroben enzymatisch katalysierten Reaktion, aus einem Molekül Glukose zwei Moleküle Ethanol und 2 Moleküle Kohlendioxid. C6H12O6 wird verwandelt in 2 C2H5OH + 2 CO2

Aus dieser Gleichung wird ersichtlich, dass von den 6 organischen Kohlenstoffatomen der Glukose, zwei in das anorganische Kohlendioxid umgewandelt werden. 1/3 der Biosynthese des grünen Blattes wird also durch die Gärung wieder zunichte gemacht. Das sollten alle Organo Freaks als grundlegende Tatsache verinnerlichen. Die CO2-Bilanz der Bioalkoholsynthese ist nämlich gar nicht so positiv wie gemeinhin dargestellt.

Die theoretische Alkoholausbeute bezogen auf die eingesetzte Glucose beträgt 51%. Die praktische Ausbeute liegt bei ca. 47%. Man erhält aus 100 kg Glucose lediglich 47 kg Ethanol, aber 49 kg Kohlendioxid und 4 kg Abfall. Die Gärung produziert also mehr Kohlendioxid als Biosprit. Wird als Rohstoff Stärke eingesetzt, so muss diese vorher mit Amylase in vergärbare Glukose umgewandelt werden. Die hierbei auftretenden Verluste senken die Ethanol Ausbeute auf nur noch ca. 42% bezogen auf den Einsatz an Stärke.

Hat man z. B. 5 kg Bioethanol in Form von Biotreibstoffmischung im Tank, so sind bereits 5,2 kg CO2 in die Atmosphäre emittiert worden, bevor man überhaupt den Zündschlüssel umgedreht hat. Diese 5,2 kg sind unabhängig von allen Energieeinträgen die für den Prozess selbst benötigt werden zwangsweise entstanden. Ein systemimmanenter Ablauf, unvermeidbar. Es liegt auf der Hand, dass zur Kultivierung der Stärke/Saccharose/Glukose liefernden Pflanzen und zur Gewinnung der Glukose und zur anschließenden Vergärung, Destillation usw. bedeutende Energiemengen benötigt werden. Das kann in vielen Fällen dazu führen, dass die zur Erzeugung von Bioethanol aufgewandte Energie größer ist als die bei der Verbrennung freiwerdende Wärme. Der Energieinhalt von Ethanol ist wesentlich geringer als der von Benzin. Als Richtwert kann dienen, dass 1 l Ethanol den Brennwert von 0,67 l Benzin aufweist.

Zweifelhafte Berechnungsmethoden

Die Berechnung der Energiebilanzen Bioethanol versus Benzin bedarf hoch komplexer, schwieriger Verfahren. Es ist unvermeidlich hier Annahmen zu treffen die natürlich der Willkür der Operateure unterliegen. Ein Umstand von dem auch reichlich Gebrauch gemacht wird. Mit den entsprechenden Konsequenzen für die Resultate. In einigen Fällen sind die Resultate für Bioethanol negativ. In anderen schwach positiv. Keinesfalls gibt es ein eindeutig positives Resultat zu Gunsten des Bioethanols. Es ist unstrittig, dass der Schwerpunkt des Energieverbrauchs nicht auf der Seite der landwirtschaftlichen Erzeugung liegt.

Der Löwenanteil der Energie wird verbraucht wenn die stärke- oder zuckerhaltigen Produkte der Vergärung unterworfen werden. Die Destillatoren z.B. benötigen große Energiemengen. Die pro Bioethanol tätige Lobby wird nicht müde, die noch ausstehenden Verbesserungen als Fata Morgana an den Horizont zu projizieren. Natürlich wird nur auf positive Auswirkungen in einer fernen Zukunft spekuliert. Diese Vorgehensweise ähnelt der, die bezüglich Endlagerung/Entsorgung bei der Nukleartechnologie üblich ist. Die Akteure sind sich dabei vollkommen bewusst, dass weder sie noch die meisten ihrer Zuhörer den Eintritt dieser Ereignisse noch erleben werden. Das Gesamtbild der Bioethanol Synthese könnte man am treffendsten zwischen gerade ausreichend und hoffnungsvoll beschreiben.

Abfallverwertung ausgenommen

Selbstverständlich sind alle Verfahren die minderwertige Naturstoffe vergären, von dieser Aussage ausgenommen. Hier ist jede Anstrengung sinnvoll und willkommen. Es ist aber mehr als fragwürdig, hochwertige Nutzpflanzen wie Zuckerrüben oder Mais mit erheblichem Energieeinsatz zu Biosprit zu verarbeiten. Im Falle von Mais, werden aus 100 kg wertvoller Stärke lediglich 42 kg Ethanol. Kein Ingenieur in der chemischen Industrie würde sich wagen, seinem Chef einen Prozess vorzuschlagen, der 58% Abfall produziert. In diesem Fall sogar exakt den Abfallstoff, dessen Vermeidung man dem gläubig lauschenden Publikum als das eigentliche Ziel der ganzen Übung suggeriert hat.

Nahrungsmittel oder Treibstoff?

1000 kg Maismehl könnte man in 3000 Portionen a 1/3 kg aufteilen. Damit könnten 100 Personen einen Monat lang eine solide Grundlage für ihre Ernährung erhalten.

420 kg Bioethanol, würden unter Berücksichtigung der Minderleistung im Vergleich zu Benzin, in einem 15 l/100 km Jeep etwa 2300 km Fahrstrecke ermöglichen. Das wäre in einem vom Automobil dominierten Land von 1-2 Personen in einem Monat leicht zu schaffen. Das krasse Missverhältnis dieser Betrachtungsweise liegt auf der Hand. Es beträgt zwischen 1/100 und 1/50. Einer fährt, hundert kucken ins Rohr des Auspuffs.

Kann es Sinn einer Technologie sein, dass von 6 durch die Chlorophyll Synthese geschaffenen organischen Kohlenstoffatomen, zwei sofort wieder zu CO2 vernichtet werden, während die anderen 4 von wenigen tausend Autofahrern, ebenfalls verbrannt werden, während Millionen das so fehlende Maismehl entbehren?

Dieser Prozess ist bei Wertung aller Umstände eine grün angepinselte Umverteilung von unten nach oben, der seinen dreisten Zynismus aus eben dieser giftgrünen Farbe bezieht. Die als Überschrift gewählte Frage ist mit einem ja zu beantworten. Es ist noch viel mehr und schlimmer als nur eine Schnapsidee.

Kunststoff aus Bioethanol

Eine Frechheit noch höherer Ordnung ist es, aus Bioethanol gewonnenes Poly-ethylen mit einer Aura der Ökologie zu versehen und dieses Produkt arglosen Verbrauchern anzudrehen.

Zur Herstellung von nachwachsendem PE wird durch intramolekulare Wasserabspaltung aus Ethanol Ethylen gewonnen und dieses anschließend polymerisiert. Aus einem Molekül Ethanol mit der Molmasse 46 wird so Ethylen mit der Molmasse 28. 39 % des Alkoholmoleküls gehen dabei verloren. Unter Einbeziehung der unvermeidlichen Verluste hat man fast die Hälfte des Alkohols quasi vernichtet. Bei der Reaktion handelt es sich um einen ganz gewöhnlichen chemischen Prozess, der mit hohem Druck, hoher Temperatur und einem dem entsprechenden erheblichen Energieeinsatz gefahren werden muss. Jegliche gedankliche Assoziation an „sanfte, grüne und natürliche Chemie“ ist absurd und stellt nichts anderes als eine böswillige Täuschung des gutgläubigen Verbrauchers dar.

Naturprodukte“, die nicht verrotten 

Geht man den gesamten Prozess bis zu Stufe der Maisstärke zurück, so wird ersichtlich, dass man im besten Fall aus 100 kg Stärke etwa 23 kg Polyethylen erzeugen kann. Als Abfall entstehen jedoch16 kg Schmutzwasser und ca. 12 kg sonstige organischen Abfälle die der Müllverbrennung zugeführt werden müssen. Vor allem aber fallen 49 kg Kohlendioxid an, deren Vermeidung bei der Bewerbung für das sogenannte „Eco PE“ ja als Ziel und Werbeaussage herausgestellt wird. Per Saldo werden aus 100 kg eines hochwertigen Lebensmittels

23 kg Zielprodukt und 77 kg Müll produziert. Eine geradezu abenteuerliche Verschwendung wertvoller Ressourcen, die sich kein Betrieb der chemischen Industrie erlauben könnte. Ein Verfahren der klassischen Chemie, mit einer derart verheerenden Materialbilanz würde wahrscheinlich nicht konzessioniert.

Obgleich selbstverständlich, sei noch erwähnt, dass das so erzeugte Polyethylen sich durch nichts gegenüber normal hergestelltem PE auszeichnet. Es verrottet in der Natur nicht, man kann es zwar genau wie synthetisches PE verbrennen, aber unkontrolliert entsorgt unterscheidet es sich in nichts von Standard PE. Es ist hoch-gradig unseriös und grob wahrheitswidrig es mit einer Öko-Legende zu bewerben und den Konsumenten damit zu übervorteilen.

Es ist unverständlich, dass in der sonst so regulierwütigen EU solche Machenschaften, die arglistig den wohlmeinenden Verbraucher täuschen, geduldet oder gar subventioniert werden.

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Über den Autor: Wilfried Schuler