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Arbeitskampf bei der Lufthansa: Es geht um „shareholder value“!

Von Peter Haisenko 

Allmählich kommt auch hier die Wahrheit ans Licht: Beim Lufthansa-Arbeitskampf geht es letztendlich darum, kurzfristig Gewinne an die Aktionäre auszuschütten. Das Geld für die großzügigen Geschenke an die Anteilseigner besorgt sich das Unternehmen, indem es die firmeninterne Pensionsrückstellung drastisch reduziert. Man spricht von einer Milliarde Euro.

Das Programm begann in den 1990er Jahren mit dem Einstieg in den Turbokapitalismus. Damals wurde die Betriebsrente der Lufthansa umgestellt – von einer beamtenähnlichen Altersversorgung (VBL) auf eine kapitalgestützte interne Finanzierung. Das brachte sofortige Entlastung, denn die Lufthansa musste fortan nicht mehr direkt fortlaufend die Versorgungsanteile an die VBL abführen. Stattdessen konnte das Unternehmen jetzt seine Kapitalrückstellungen hierfür selbst verwalten und sich so selbst aus Umbuchungen Kredite geben – entnommen aus eben diesen Rückstellungen. Man darf sich wundern, warum die Begehrlichkeiten der Anleger nicht schon früher einen Angriff auf dieses Modell gefahren haben.

Kurzfristige Gewinne zulasten nachhaltiger Planung

Nach den Plänen der Lufthansa zur Umstellung der Altersversorgung könnten die gesetzlich vorgeschriebenen Rückstellungen um etwa eine Milliarde reduziert werden. Dies deswegen, weil eben in Zukunft, wenn die jüngeren Kollegen zur Übergangsversorgung anstehen werden, deren Versorgung deutlich niedriger ausfallen soll, als es der bisherige Tarifvertrag vorsieht. Das wirkt sich sofort aus, denn angesammelte Rückstellungen könnten aufgelöst werden und, wer hätte das gedacht, an die Aktionäre verteilt werden. Die höhere Dividende, der „shareholder value“ bedingt natürlich auch höhere Boni für das Management. Die bösen Piloten wollen also mit ihren Streiks verhindern, dass höhere Boni ausgezahlt werden, obwohl sie selbst auch daran beteiligt sind, wenn auch nur in geringem Umfang.

Wie schon bei der Umstellung von VBL auf betriebsinterne Finanzierung schickt sich das LH-Management jetzt wieder an, Nachhaltigkeit und zukunftsorientierte Planung zugunsten einer kurzfristigen Gewinnausschüttung an die Aktionäre aufzugeben. Langfristig wird die Lufthansa dadurch instabiler werden. Aber diese Richtung passt in das immer hektischere Streben nach kurzfristigen Gewinnen, das die Amerikanisierung der deutschen Wirtschaftslandschaft zwangsläufig für alle börsennotierten Unternehmen verursacht. Allerdings ist die Lage bei der Lufthansa anders als bei allen anderen Unternehmen. Tausende Piloten zählen auch zur geistigen Elite der Airline und durchschauen als tragende Säulen der Firma sehr wohl, wenn das LH-Management an den Grundfesten ihrer aller Zukunft rüttelt. Wir sollten den Piloten dankbar sein, dass sie für die langfristige Gesundheit „ihrer“ und natürlich auch unser aller Lufthansa sogar in den Streik treten.

Die Lufthansa-Piloten kämpfen für den Erhalt einer Sozialstruktur, die nicht nur seit 60 Jahren bestens funktioniert, sondern auch entscheidend zum Erfolg gegenüber anderen Luftverkehrsgesellschaften beigetragen hat. Weitere Informationen darüber, finden Sie in diesem Artikel, den ich bereits im April veröffentlicht habe: 

Streik der Lufthansa-Piloten – und was dahinter steckt

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