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Donald Trump zwingt Schäuble & Co. zum Nachdenken

Von Peter Haisenko 

Deutschland ist an einem ähnlichen Punkt angelangt wie 1914: Die Leistungskraft der Wirtschaft und die Qualität der Produkte sind nahezu konkurrenzlos. Der Unterschied ist allerdings, dass sich vor hundert Jahren der Wohlstand auf die Arbeiterschichten auszubreiten begann, während heute dieselben Schichten zunehmend verarmen. Gleichgeblieben ist hingegen, dass die Kraft der deutschen Wirtschaft rundherum Neid, Missgunst und Ängste befördert, was vor gut hundert Jahren die Briten veranlasst hat, den großen Krieg gegen das Deutsche Reich anzuzetteln.

„Wenn Deutschland in den nächsten 50 Jahren wieder Handel zu treiben beginnt, ist dieser Krieg umsonst geführt worden.“ (Die London Times, 1919)

Der Erste Weltkrieg war ein Wirtschaftskrieg mit dem Ziel der Briten, die wirtschaftliche Dominanz des Deutschen Reichs zu brechen. Betrachtet man die milliardenschweren „Strafzahlungen“, die von US-Gerichten gegen deutsche Unternehmen und Banken verhängt worden sind und werden, dann befinden wir uns bereits seit geraumer Zeit wieder in einem Wirtschaftskrieg. Donald Trump ist aber der Erste, der dem Kind einen Namen gegeben hat: Der deutsche Außenhandelsüberschuss. Obwohl Trump mit Rücksicht auf seine Wähler die Situation nicht ganz korrekt beschreibt, hat er im Kern Recht. Das musste jetzt sogar unser Finanzminister Schäuble auf der letzten Wirtschaftskonferenz zugeben, wenn auch verklausuliert.

Noch bis vor wenigen Monaten ist uns der stetig anwachsende Handelsüberschuss als großartig dargestellt und gefeiert worden. Es ist der Verdienst von Donald Trump, dass jetzt unsere „Wirtschaftsweisen“ kleinlaut zugeben müssen, dass das Gegenteil die Wahrheit ist. Sowohl innereuropäisch als auch global. Allerdings ist man sich nach wie vor uneins darüber, worin die Ursachen liegen und was zu tun ist. Das war nicht anders zu erwarten, denn diese selbsternannten „Fachleute“ müssten zugeben, dass sie uns über Jahrzehnte flagranten Unsinn erzählt haben.
Sie müssten zugeben, dass die Analysen der Mahner und Aufklärer wie Sahra Wagenknecht oder ich selbst in jeder Hinsicht richtig sind: Die unteren Lohngruppen in Deutschland müssen drastisch angehoben werden! Bereits im Sommer 2012 habe ich darüber eine ausführliche Analyse erstellt, die allerdings damals auf Griechenland fokussiert war, aber dennoch genau die Aspekte beinhaltet, die die USA betreffen und die Donald Trump heute anmahnt und damit unsere Wirtschaftstrottel aufschreckt:
http://www.anderweltonline.com/wirtschaft/wirtschaft-2013/deutschland-kann-und-muss-den-euro-retten/

Einen realistischen Dollarkurs können sich die USA derzeit gar nicht leisten

In diesem Zusammenhang flechte ich eine Lebensweisheit aus meiner aktiven Fliegerzeit ein – ohne dem amerikanischen Präsidenten damit zu nahe treten zu wollen: Wenn ein Copilot die weisesten Dinge zum Besten gibt, dann hört niemand zu. Wenn aber ein Kapitän den größten Unsinn verzapft, dann lauschen alle andächtig. Das gilt leider für alle hierarchischen Systeme und es ist eine der Ursachen, warum so viel daneben geht in der heutigen Zeit.

Doch zurück zum Problem der Außenhandelsdifferenzen: Die Währungskurse. Groß war der Aufschrei, als Trump über Importsteuern in Höhe von 35 Prozent sprach. Es ist nur wenige Jahre her, dass der US-Dollar bei einem Wechselkurs von 1,55 zum Euro stand. Seit etwa einem Jahr steht er knapp über einem Euro. Da haben wir die 35 Prozent, die Trump als Problem für den US-Export identifiziert hat. Allerdings sagt Trump – wohl mit Rücksicht auf das amerikanische Ego seiner Wähler – hier nur die halbe Wahrheit. Wie ich bereits in oben angeführtem Artikel von 2012 ausführlich erkläre, könnten sich die USA den realistischen Dollarkurs von 1,80 zum Euro zur Zeit gar nicht leisten. Die Exportschwäche der USA würde zwar langsam, zu langsam, reduziert. Zunächst aber würde das Außenhandelsdefizit der USA explodieren, weil die anhaltend hohen Importmengen durch inländische Produktion nicht in kurzer Zeit kompensiert werden können. Dies einfach deswegen, weil Produktionsfähigkeiten komplett aus dem Land ausgelagert wurden (Bekleidung, Elektronik, Gebrauchsgüter).

Deutschland betrügt mit einem schändlich niedrigen Lohnniveau

Reflexartig haben unsere Politiker Gegenmaßnahmen, Gegensteuern/Zölle als Antwort auf Trumps Importsteuer-Androhung gefordert. Das kann nur kontraproduktiv sein, denn auch unser Ziel muss lauten: Wir, die Welt, braucht eine ausgeglichene Handelsbilanz mit den USA. Solange die US-Wirtschaft in zu vielen Bereichen nicht konkurrenzfähig ist, unter anderem auch wegen des zu hohen Dollarkurses, muss eben die US-Wirtschaft gestützt werden: mit Zöllen oder folgend mit einem realistischen Dollarkurs. Und ja, natürlich müssen die Importe aus Deutschland/der EU in die USA reduziert werden, ebenso wie die aus Asien. Anders geht es nun mal nicht. Und ja, natürlich gibt es einen Weg, der verhindert, dass die deutsche Produktion dadurch zurückgefahren werden müsste. Man muss nur die Löhne und die Währungswechselkurse in den und für die Länder der „Dritten Welt“ auf ein anständiges Niveau anheben, dann können sie auch mehr von unseren Produkten einkaufen und bezahlen. Aber, siehe oben, da können die USA (noch) nicht mitmachen ohne unterzugehen.

Donald Trump behauptet, die USA würden betrogen. Das ist falsch und richtig zugleich. Die USA betrügen die Welt mit frei gedruckten Dollars und deren zu hohem Wechselkurs – und konsumieren so auf Kosten der übrigen Welt. Die Kehrseite ist der Niedergang der US-Wirtschaft und die Probleme potenzieren sich. Speziell Deutschland betrügt nicht nur die USA, sondern vor allem seine eigenen Bürger und den Rest der EU mit einem schändlich niedrigen Lohnniveau. Ja, es waren Schröder/Fischer, die nicht nur Deutschland in völkerrechtswidrige Kriege gezogen haben, sondern vor allem mit der Agenda 2010 und der Freigabe der Zeitarbeit in Deutschland einen konkurrenzlosen Niedriglohnsektor geschaffen haben. Darin liegt die Ursache nicht nur für die jetzt als fatal erkannten Außenhandelsüberschüsse, sondern auch für die internen Probleme der Rentenversicherung sowie für die zu niedrigen Steuereinnahmen.

Zu viel Wohlstand in Deutschland provoziert Neid und Missgunst

Quelle: Berliner Morgenpost

Donald Trump hat unsere „Wirtschaftsweisen“ kalt erwischt. Sie stehen vor den Trümmern ihrer falschen Doktrinen und wissen offensichtlich nicht, wie sie die Rolle Rückwärts vollziehen können, wenn sie denn überhaupt ansatzweise erkennen können, wo ihre Grundfehler liegen. So veröffentlicht das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) eine halbherzige Studie, die für eine 15-prozentige Lohnsteigerung einen Rückgang der Exportüberschüsse um rund 35 Milliarden schätzt – wenn diese in den letzten 15 Jahren vollzogen worden wäre. Dass das viel zu wenig ist, erklärt sich bei aktuellen 250 Milliarden Außenhandelsüberschuss von selbst.

Dem widerspricht natürlich Achim Dercks von der DIHK. Er sieht die Hauptursache im niedrigen Wechselkurs des Euro, auf den Deutschland nach seinen Worten keinen Einfluss hat. Wie unbedacht seine Position ist, mag man daran erkennen, dass der Hauptteil der deutschen Überschüsse innerhalb des Euroraums entsteht. Dennoch haben beide etwas Recht. Richtig ist auf jeden Fall, dass es die Finanzmacht der Wallstreet und der City of London ist, die über die Wechselkurse bestimmt. Aber London und New York müssen politisch handeln und sowohl Großbritannien als auch die USA können sich derzeit keine niedrigeren Wechselkurse leisten. Siehe oben.

Angemessene Wechselkurse und drastisch angehobene Löhne im unteren Sektor in Deutschland könnten relativ schnell die Probleme der schiefen Außenhandelsbilanzen gerade rücken und auch die internen Probleme in Deutschland reparieren. Dann wird allerdings ein anderes Problem akut, nämlich das, welches vor hundert Jahren zum Ersten Weltkrieg geführt hat: Deutschland, der allgemeine Wohlstand hier, stünde dann so weit über dem Rest der Welt, dass es unausweichlich erscheint, dass Deutschland wieder isoliert dem Neid und der Missgunst ausgeliefert sein würde. Das wiederum birgt die Gefahr der Aggression – wie vor 120 Jahren, als der Begriff des deutschen „Kraftmeiers“ geprägt wurde, der die wirtschaftliche Stärke und Dominanz des Deutschen Reichs trefflich beschrieben hat.

Was also kann man tun? Die herrschenden Ökonomen wissen es offensichtlich nicht, wie ihre Zerstrittenheit belegt. Zu sehr sind sie in ihrer falschen Lehre verfangen und damit zu freiem, innovativem Denken unfähig. Donald Trump geht in die richtige Richtung, indem er mit „America first“ die amerikanische Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen will. Das allein wird jedoch nicht ausreichen. Die ganze Welt muss sich von den Irrlehren verabschieden, die nur einem Ziel dienen: Ausbeutung und Erhalt der Macht des Kapitals. Man bedenke: Hätte China seinen rasanten Aufstieg meistern können, wenn es sich an die Regeln der verkommenen Demokratien oder der falschen Wirtschaftslehren gehalten hätte? Wäre der ebenfalls rasante wirtschaftliche Fortschritt Russlands unter Putin möglich gewesen? Sicher nicht. Allein das belegt, dass an den Lehren etwas falsch sein muss, die immer mehr Länder in soziale Ungerechtigkeit und an den Bankrott geführt haben.

Weltwirtschafts- und Finanzsystem müssen komplett neu überdacht werden

Die „Lehren“ der Ökonomie begründen sich nicht auf Naturgesetzen. Die Natur kennt kein Geld. Die Lehren der Ökonomie bauen auf mehr oder weniger frei erfundenen Regeln auf und sind menschengemacht. Wie wir besonders in den letzten 25 Jahren sehen konnten, werden sie folglich andauernd wiederum mehr oder weniger willkürlich verändert – natürlich stets zum Vorteil des Kapitals. Selbst unser Finanzminister, der mit dem großspurigen Vorsatz nach Washington gereist ist, Donald Trump zu erklären, wie Wirtschaft funktioniert, musste kleinlaut einräumen, dass er letztlich am Ende seiner Weisheit ist. Nachdem die führenden Ökonomen vor den Ruinen ihrer Weisheit stehen und nicht weiter wissen, sollte man auf die kritischen Geister hören, die schon lange auf die Defizite hinweisen, aber mehr oder weniger verachtet oder sogar verspottet werden.

Das Weltwirtschafts- und Finanzsystem muss komplett neu überdacht werden. Die Voraussetzungen, die noch vor 50 Jahren existierten, gibt es nicht mehr. Allen voran den permanenten Mangel, der Angebot und Nachfrage durchaus eine Zeitlang regeln konnte. Die heutigen Umstände der „Industrie 5.0“ verlangen nach einer vollständig neuen Organisierung der wirtschaftlichen und sozialen Regeln.
Wir haben mit der Humanen Marktwirtschaft nach Haisenko/von Brunn ein solches Modell vorgestellt, das es in dieser umfassenden Vollständigkeit bislang noch nicht gegeben hat. Die Ratlosigkeit der arrivierten Ökonomen lässt es angebracht erscheinen, dass sich diese mit unserem Modell befassen, denn bessere Ideen habe ich von diesen noch nicht gehört. Wir wollen schließlich nicht, dass Deutschland wieder in den Fokus von Neid und Missgunst gerät, sondern dass es allen Menschen so gut wie möglich geht. Das ist Humanismus und das war auch die Grundlage unserer Überlegungen, die zu unserem Modell der Humanen Marktwirtschaft geführt haben. Das Buch dazu gibt es im Buchhandel oder man kann es direkt vom Verlag bestellen hier.  

Hier geht´s zum oben angeführten Artikel "Deutschland kann und muss den Euro retten"

Warum können sich die USA ein anhaltendes Außenhandelsdefizit leisten und welche Folgen hat das für die Weltwirtschaft? Die ausführliche Antwort finden Sie hier: "Die verschwiegenen Ursachen der Jahrhundertkrise"

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