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VW-Manager: Mit der Habgier geht jegliches Schamgefühl verloren

Von Hubert von Brunn 

Im Kanon der katholischen Kirche gilt die Habgier (lat. avaritia) als eine der Sieben Todsünden. Aber man muss kein gläubiger Katholik sein, um den VW-Vorständen, die trotz der durch den Abgas-Skandal im Raum stehenden Strafen und Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe den Hals nicht voll bekommen, ein herzliches „fahrt zur Hölle“ mit auf den Weg zu geben.

Der Ruf des größten deutschen Automobilbauers, eines Unternehmens, das über viele Jahrzehnte Synonym war für das Qualitäts-Siegel „Made in Germany“, ist durch die betrügerischen Manipulationen an Diesel-Motoren weltweit in Verruf geraten. Der Absatz von Fahrzeugen der Marke Volkswagen ist deutlich zurückgegangen, der Kurs der VW-Aktie ist eingebrochen, Entlassungen stehen an, Sonderzahlungen an „normale“ Mitarbeiter werden gekürzt oder gestrichen – und wenn am 28. April die Bilanz für 2015 öffentlich gemacht wird, dürften die darin vorgestellten Zahlungen wenig Anlass zur Freude geben.

Zähes Ringen um 30 % der Bonuszahlungen

Das alles ficht die Gierschlünde im VW-Vorstand jedoch nicht im mindesten an. Schamlos und frei von jeglichen moralischen Bedenken feilschen sie um millionenschwere Bonuszahlungen. Sie pochen auf ihr Recht, denn schließlich sind die Zahlungen von „Erfolgs“-Prämien bereits vor Arbeitsantritt ausgehandelt und entsprechend in ihrem Anstellungsvertrag festgeschrieben worden. Menschen, die schon Millionen auf die Seite geschafft haben – das Wort „verdient“ zu benutzen, widerstrebt mir an der Stelle –, sind selbst in einer extremen Krisensituation nicht bereit, ihren persönlichen Reichtum ein wenig zu schmälern zugunsten der Stärkung des Unternehmens als Ganzes. Die zentrale Aufgabe eines Managers, sollte, nein muss es sein, durch eine kluge Unternehmensführung dafür zu sorgen, dass gute Produkte hergestellt werden, die sich gewinnbringend verkaufen lassen, damit Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden können. Der gesamtwirtschaftliche Nutzen sollte im Fokus seines Denkens und Handelns stehen – zumal bei einem Großkonzern wie VW mit mehr als 600.000 Beschäftigten – und nicht das Streben nach noch mehr Millionen, um das ohnehin schon satte persönliche Portfolio noch weiter aufzublasen.

Nach zähem Ringen, so war jetzt zu lesen, seien nun auch die bockbeinigen Raffkes im Vorstand bereit, dem Vorschlag von VW-Boss Matthias Müller zu folgen und auf 30 % ihrer Boni zu verzichten. Was für eine großartig selbstlose, geradezu aufopfernde Geste! Der kleine Schrauber am Band wird begeistert sein über so viel Solidarität. Mit Blick auf die nackten Zahlen indes kann man bei diesem Angebot nur verständnislos den Kopf schütteln. 2014 hat der Konzern rund 70 Millionen € (Gehalt und Boni) an seine neun Vorstände ausbezahlt. Legt man diese Zahl zugrunde, darf VW für 2015 also immer noch rund 49 Millionen € an seine „fähigen“ Manager ausschütten. Aller Voraussicht nach wird diese Summe aber höher sein, da bei den Bonus-Zahlungen mitunter auch mehrere Jahre zusammengefasst werden.

Allein die Vorstellung, dass der im Zuge des Abgas-Skandals zurückgetretene Vorstandsvorsitzende Winterkorn 2014 knapp 16 Millionen € kassiert hat und auch weiterhin noch finanzielle Ansprüche aus einem gültigen Vertrag an VW hat, ohne einen Finger dafür zu rühren, lässt jedem anständigen Menschen, der für das, was er verdient, wirklich arbeiten muss, die Zornesröte ins Gesicht steigen. Dass Geld korrumpiert, ist hinreichend bekannt, und dass mit der Habgier jegliches Schamgefühl verloren geht, führen uns die VW-Manager gerade eindrucksvoll vor. Wobei – das muss an der Stelle deutlich gesagt werden – unmoralische Raffkes in Nadelstreifen keineswegs ein singuläres Phänomen des Volkswagen-Konzerns sind. Das ist im Gegenteil bei allen großen Unternehmen gängige Praxis, von den Banken ganz zu schweigen.

Die Bonus-Praxis ist pervers und sittenwidrig

Betrachten wir doch einmal, wofür „Bonus“ dem Wortsinne nach eigentlich steht. Bonus (lat.) heißt „gut“; das Gegenteil davon ist malus, also „schlecht“. Die Bonus-Zahlung sollte demnach eine über das normale Gehalt, das ein Arbeitnehmer für seine Arbeit bekommt, hinausgehende Sonderzahlung für besonders gute Leistungen sein. So, wie es in der Praxis gehandhabt wird, hat sich diese als Belohnung und zugleich Ansporn für außergewöhnlichen Einsatz gedachte Zuwendung längst als hochgradig pervers herausgestellt.

  1. Woher will ein Unternehmen zum Zeitpunkt der Einstellung wissen, ob der neue Mitarbeiter seine Arbeit gut, hervorragend, gerade so oder miserabel machen wird? Also ist die Festlegung von Sonderzahlungen an die Führungsriege im Vorhinein gegenüber allen anderen Mitarbeitern in den Etagen drunter, die keine Boni bekommen, ohne deren Leistung das ganze Unternehmen aber nicht funktionieren würde, ein sittenwidriger Vorgang. (Bei Bankern, die Millionen-Prämien dafür bekommen, dass sie ihre Kunden betrügen und ganze Existenzen vernichten, reicht „sittenwidrig“ nicht; hier ist es hochgradig kriminell.)

  2. In der mittleren und unteren Führungsebene von größeren Unternehmen wird üblicherweise am Jahresende eine Zielvereinbarung getroffen für das nächste Jahr. Die Auszahlung von Boni richtet sich dann, wenn überhaupt, danach, ob diese Ziele verfehlt, erreicht oder gar übertroffen wurden. Warum gilt diese immerhin logische Regelung nicht für das Top-Management?

Das „Kleine Latinum“ muss zur Pflicht werden

Wenn bei VW – wie wir heute wissen – vorsätzlich und mit Wissen des Vorstands betrogen und das Unternehmen dadurch über Jahre hinaus in ein sehr schweres Fahrwasser manövriert wurde, dann dürfte die Diskussion heute nicht um Prozente gehen, auf die die Multimillionäre an der Spitze sich schweren Herzens durchgerungen haben, einmalig zu verzichten. Nein, an der Stelle kann von „Bonus“ überhaupt keine Rede mehr sein – hier kommt der „Malus“ ins Spiel. Die Herren, die im Vorstand sitzend den Abgas-Skandal mit all seinen katastrophalen Folgen für das Unternehmen mit zu verantworten haben, müssten knallhart zur Rechenschaft gezogen und mit einem Großteil ihres Privatvermögens für ihr Versagen haftbar gemacht werden. Das wäre die einzig richtige und einzig gerechte Vorgehensweise. Aber da die eine Krähe der anderen kein Auge aushackt…

Dieses sittenwidrige Boni-Unwesen ist, wie bereits gesagt, keine „Spezialität“ von VW, sondern gängige Praxis. Ich schlage deshalb vor, dass Top-Manager und Banker nur noch dann in entsprechende Positionen berufen werden dürfen, wenn sie mindestens das „Kleine Latinum“ mitbringen. Das würde immerhin reichen, um zwischen „bonus“ und „malus“, also gut und schlecht unterscheiden zu können. Diese schlichte Erkenntnis könnte möglicherweise das Bewusstsein dafür schärfen, dass der Bonus am Jahresende nicht das Ergebnis einer besonderen göttlichen Gnade sein kann, die man als „Auserwählter“ selbstverständlich in Anspruch nimmt, sondern ausschließlich mit der erbrachten Leistung im Interesse der Belegschaft und des Unternehmens als Ganzes zu tun hat.

Die Humane Marktwirtschaft

Und wieder komme ich nicht umhin, den geneigten Leser auf das zukunftsweisende Werk „Die Humane Marktwirtschaft“ aufmerksam zu machen. In dem von Haisenko/von Brunn entwickelten Alternativmodell zum real existierenden Wirtschafts- und Finanzsystem sind sittenwidrige Ausbeutung und ungerechtfertigte Bereicherung durch Bonus-Zahlungen nicht mehr möglich. Tun Sie sich den Gefallen, lesen Sie dieses Buch und stellen Sie dann fest: Das, was da passiert, ist weder gottgegeben, noch folgt es einem Naturgesetz. Diese falschen „Spielregeln“ sind von Menschen gemacht und deshalb können sie auch wieder abgeschafft werden. Wir alle wünschen uns nichts anderes, als glücklich und zufrieden in einer gerechten Welt in Frieden und Freiheit zu leben. Das Konzept der „Humanen Marktwirtschaft“ bildet hierfür die tragfähige Basis. Überzeugen Sie sich selbst.

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