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Die Inflationspolitik der EZB kann nur scheitern

Von Peter Haisenko 

Mario Draghi verzweifelt. Seine Politik der Flutung der Kapitalmärkte mit billigem Geld führt nicht zum gewünschten Ergebnis, nämlich einer Inflationsrate von etwa zwei Prozent. Der historisch niedrige Leitzins von Null-Prozent wird allenthalben kritisiert und es werden sogar Negativzinsen angewendet, aber auch das kann nicht zielführend sein. Den direkten Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation gibt es nicht mehr. Auch die Angst vor Deflation ist nicht zeitgemäß.

Betrachten wir zunächst in Kurzform, wie Inflation entsteht – nach der klassischen Lehre. Hierzu ein Ausschnitt aus dem Buch „Die Humane Marktwirtschaft“ von Hubert von Brunn und Peter Haisenko:

Inflation

(…) Um das Scheitern des (auf Zins und Zinseszins basierten Geldsystems) hinauszuzögern, hat man (…) einen schrecklichen Mechanismus zugefügt: die Inflation. Wie funktioniert das? Wenn die Zinszahlungen fällig sind, leiht man sich etwas mehr aus, als dafür notwendig wäre. Dieses zusätzliche Geld wird in den Umlauf eingespeist und so ist plötzlich mehr Geld unterwegs, als es Waren zu kaufen gibt. In der Erwartung – und das ist die Grundannahme der falschen Lehre –, dass zusätzliches Geld Nachfrage erzeugt, die nicht befriedigt werden kann, weil es für das zusätzliche Geld keine Waren gibt, werden die Preise ansteigen. Das geschieht – wiederum nach der klassisch falschen Lehre – solange, bis die Preise ein Niveau erreicht haben, dass die Geldmenge wieder den verfügbaren Waren entspricht. Mit den nächsten Zinszahlungen an die Zentralbank wiederholt sich der Vorgang immer wieder.

Ein weiterer Ausschnitt aus demselben Werk erklärt, warum Geldmengenregulierung nicht mehr zu Inflation führen kann, zumindest nicht in den Bereichen des „normalen Lebens“:

Turbokapitalismus und Globalisierung

Spätestens zu dieser Zeit (1970-er Jahre) ist eine wesentliche Grundlage der ökonomischen Lehre entfallen: Der permanente Mangel. Der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation ist nur dann gegeben, wenn grundlegender Mangel herrscht. Nur dann wird eine größere Geldmenge zu größerer Nachfrage führen und Inflation auslösen. In den 1970-er Jahren verhielt es sich in den hoch entwickelten Industriestaaten bereits so, dass die Bedürfnisse elitärer Bevölkerungsteile weitestgehend gesättigt waren. Gab man diesen gesättigten Schichten – also den oberen etwa 30 Prozent – mehr Geld in die Hand, haben sie ihren Konsum dennoch nicht erhöht. Schon damals ist die Bevölkerung geteilt in relativ wenige Reiche, die im Überfluss leben, und eine klare Mehrheit der Ärmeren.

Die Schere der sozialen Ungleichheit hat sich seitdem immer weiter geöffnet, so dass wir heute eine zweigeteilte Gesellschaft haben. Ein sehr kleiner Teil lebt im aberwitzigem Überfluss, der andere, weitaus größere Teil wird gezielt knapp gehalten. Aber genau dieser größere, ärmere Teil ist derjenige, der zusätzliches Einkommen ausgäbe, wenn er es hätte. Weil er aber nicht mehr Geld bekommt, wirkt sich die Geldmenge nicht mehr auf die Inflation aus und gleichzeitig konnten und können sich enorme Geldmengen entwickeln, die für den einfachen Warenaustausch keinerlei Funktion mehr haben. Sie dienen allein dem Zweck, sich selbst zu vermehren und die Machtzentren von der Politik in die Bankhäuser zu verlagern. Der ehemalige Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, hat diesen Zustand ebenso lapidar wie treffend beschrieben: „Die Märkte funktionieren nicht mehr.“

Wie konnte es gelingen, die überflüssigen Geldmengen von den unteren Schichten fernzuhalten und so die eigentlich zwangsläufige Inflation durch Geldmengenerhöhung auszuschalten? Der Vorgang ist so einfach wie undemokratisch. Schon in den 1980-er Jahren, haben die Gewerkschaften ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr wahrgenommen, nämlich die Interessen der Arbeiter zu vertreten. Sie haben sich dem Primat des Geldes und der diesem Primat gehorchenden Politik unterworfen und ihre Forderungen streng begrenzt. So verhindern sie, dass denjenigen, die inflationsauslösend handeln würden, das nötige Geld in die Hand gegeben wird. In der Welt der überflüssigen freien Geldmengen wird Inflation also nicht mehr verhindert durch die strenge Regulierung der Geldmengen, sondern durch Tarifverträge.

Gewerkschaften als Handlanger

Die stillschweigend einvernehmliche Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit den Geldgewaltigen hat einen vollkommen neuen Mechanismus geschaffen, der die Zweiteilung der Gesellschaften weiter vorantreibt: Hier die knappgehaltenen Arbeiterschichten, dort die anderen Wenigen, die ihre Massen an Geld nicht mehr für Konsum ausgeben können, weil sie schon alles haben und übersättigt sind. Wie bereits gesagt, kann Inflation nur ausgelöst werden, wenn Schichten mit unerfüllten Bedürfnissen mehr Geld in die Hand gegeben wird.

So haben es heute die Gewerkschaften in der Hand, die Höhe der Inflationsrate zu lancieren. Sie sind es, die punktgenau bestimmen, wie viel Geld der einfache Arbeitnehmer zur Verfügung hat und ausgeben kann. Sie bestimmen darüber, inwieweit eine erhöhte Nachfrage inflationär wirken kann. Man darf in dieser Hinsicht durchaus von einer globalen Verschwörung des Kapitals mit den Gewerkschaften sprechen, die das Ziel hat, das bereits gescheiterte Geldsystem am Leben zu erhalten, indem der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation ausgeschaltet wird. Das gilt aber nur für die einfachen Bürger. Tatsächlich ist die Welt auch in der Hinsicht zweigeteilt, dass es „oben“ Inflation gibt, „unten“ jedoch nur in streng kontrolliertem Ausmaß. (Inflation „oben“ wird beispielsweise sichtbar bei den völlig überheizten Immobilienpreisen)

Ein weiteres Kapitel erklärt, dass es in einem nachhaltigen System keine Inflation geben darf und warum die Angst vor Deflation unbegründet ist. Vielmehr ist es so, dass ein deflationäres System zeitgemäß ist und der richtige Weg zu einer bedarfsorientierten und ressourcenschonenden Wirtschaftsordnung:

Die Zukunft wird planbar

Die einfache, aber sehr wesentliche Folge (eines Geldsystems ohne Inflation) ist, dass sich jeder darauf verlassen kann, welchen Wert sein Angespartes in Zukunft haben wird. Mehr noch. Die Zukunft wird planbar und Fortschritte in der Produktivität werden für jeden sofort erkennbar, indem die effizienter hergestellten Waren billiger werden. Nun werden die Verfechter der klassischen (und falschen) Lehren einwenden, dies käme dann einer Deflation gleich, was für jede Wirtschaft extrem schädlich wäre. Dieses Paradigma ist nicht nur schlicht falsch, sondern für jede Form der Nachhaltigkeit extrem untauglich, wie wir an wenigen Beispielen belegen werden.

Solange die Gesellschaften im Zustand des permanenten Mangels auf andauerndes Wachstum angewiesen waren (z.B. in der Lebensmittelversorgung), hatten sowohl die Wachstumsdoktrin als auch das auf Wachstum angewiesene Geldsystem eine gewisse Existenzberechtigung. Heute aber lebt die bei weitem überwiegende Mehrheit der Bevölkerung im Zustand des Überflusses. Weiteres quantitatives Wachstum ist demnach nicht nur unnötig, sondern auch schädlich für den Ressourcen-Haushalt. Die moderne westliche Gesellschaft braucht nur noch qualitatives Wachstum und muss zurückkehren zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung.

Betrachten wir kurz, wie Inflation und Preissteigerungen das Konsumverhalten beeinflussen: Der Annahme, dass auf der einen Seite das Geld immer weniger wert sein wird (Inflation), steht auf der anderen Seite gegenüber, dass die Waren teurer werden. Für den Konsumenten ist es folglich von Vorteil, Neuanschaffungen vorzeitig vorzunehmen und dafür sogar einen Kredit aufzunehmen. Man gibt Geld frühzeitiger aus, als es notwendig wäre und dem tatsächlichen Einkommen und Bedarf entspricht. Die negativen Folgen dieser Verschuldung haben wir bereits dargelegt.

Lebt man hingegen in einem tendenziell deflatorischen System, werden Neuanschaffungen vornehmlich nur noch nach Notwendigkeit und bei echtem Bedarf vorgenommen. Das ist eine Grundlage für jedes nachhaltige System.

Doch nun wollen wir auf die falsche Behauptung genauer eingehen, der zufolge sinkende Preise in einem deflatorischen System den Handel zum Erliegen brächten. In einigen Bereichen erleben wir nämlich schon jetzt genau das Gegenteil. Das sind die Branchen, die von rasant fortschreitender technischer Entwicklung geprägt sind, allen voran IT, Unterhaltungselektronik und Computerindustrie.

Seit Jahrzehnten weiß jeder, dass Neuheiten auf diesem schnelllebigen Markt anfangs sehr teuer bezahlt werden müssen und man nur ein wenig Geduld haben muss, bis dasselbe Produkt für weniger als den halben Preis angeboten wird – und das dann oftmals mit einer ausgereifteren Technik und in nochmals verbesserter Qualität. Dennoch erleben wir, dass es zum Beispiel auf jedes neue Smartphone in den ersten Wochen einen kaum zu befriedigenden Ansturm gibt. Ähnliches gilt für neue Fernseher-Modelle oder die letzte Version eines Autos. Brutal gesagt liegt es also in der Natur des Menschen, zum einen das Neueste und Beste besonders zu begehren und zum anderen mit besonders ausgefallenen und teuren Statussymbolen zu protzen.

Auch in der Bekleidungsindustrie zeigt sich deutlich, dass die Aussicht auf fallende Preise keineswegs den Konsum bremst. Wäre dem so, dann würde jeder darauf warten, das Objekt seiner Begierde zum halben Preis im Schlussverkauf zu erwerben. Vor allem hier zeigt sich, dass Konsum an sich weniger von Notwendigkeiten abhängt, sondern eher emotionalen Regeln folgt, die eben nicht durch Inflation oder Deflation bestimmt sind. Auch die Güter des täglichen Lebens müssen eben nach Bedarf gekauft werden, unabhängig davon, ob nun eine Steigerung oder ein Verfall der Preise zu erwarten ist. Die Behauptung, florierende Wirtschaft sei in einem deflatorischen System unmöglich, ist nichts weiter, als eine Zwecklüge.

In einem System ohne Inflation wird es demnach so sein, dass Angespartes nicht nur seinen Wert behält, sondern durch technischen und/oder organisatorischen Fortschritt mehr wert sein wird als zu dem Zeitpunkt, zu dem es zurückgelegt worden ist. Sparen lohnt sich, auch wenn es keine Zinsen auf Erspartes gibt. Die Zukunft ist planbar.

Die Humane Marktwirtschaft – der Weg in eine glückliche und friedliche Zukunft

Soweit die Ausschnitte aus der „Humanen Marktwirtschaft“. Das Problem für die Goldmann-Sachs-Renegaten wie Mario Draghi ist, dass sie in ihrem Gelduniversum und dessen überholten Regeln gefangen sind, nicht fähig, falsche Paradigmen über Bord zu werfen. Andererseits müssen sie zur Kenntnis nehmen, dass ihre Methoden nicht funktionieren, diese nur dem Zweck dienen, den unausweichlichen Zusammenbruch des herrschenden Geldsystems zu verzögern. Wiederum fehlen ihnen Weitblick und Mut, die offensichtlichen Probleme mit zeitgemäßen Maßnahmen anzugehen. Sie heizen die Schuldenspirale weiter an, anstatt den notwendigen Weg zu wählen, der Weltwirtschaft mit einem globalen Insolvenzverfahren einen Neustart zu ermöglichen. Sie beugen sich denjenigen, die durch einen solchen radikalen Schnitt ihre ergaunerten Vermögen und damit ihre Macht über die Politik verlören.

Mit der Humanen Marktwirtschaft sind wir den Weg gegangen, ein komplett durchkonstruiertes und funktionsfähiges Finanz- und Wirtschaftssystem vorzuschlagen, das frei ist von allen Unzulänglichkeiten des existierenden Systems. Es nimmt keine Rücksicht auf die Macht derjenigen, die mit ihren irrsinnigen Kapitalmengen die Geschicke der Welt in den Abgrund steuern. Auf der anderen Seite werden aber die Besitzstände der Mittel- und Unterschichten gewahrt. Der tägliche Umgang mit Geld wird sich nur minimal verändern.

Wenn Sie sich mit unserem Konzept der „Humanen Marktwirtschaft“ vertraut machen, werden Sie feststellen, dass ein schmerzfreier Übergang zu einem wahrhaft humanen System durchaus realisierbar ist. Sie werden erkennen, wie verblüffend einfach es sein kann, wenn man sich von überholten „Regeln“ verabschiedet. Regeln, denen keinerlei Naturgesetze zugrunde liegen, sondern die nur einem Ziel dienen: Die Reichen immer reicher zu machen und deren undemokratische Macht zu erhalten. Die Humane Marktwirtschaft hat ganz und gar nichts mit Sozialismus gemein, sondern bewirkt vielmehr eine Revitalisierung der Marktwirtschaft, die es praktisch nicht mehr gibt.

"Die Humane Marktwirtschaft" ist erhältlich im Buchhandel oder direkt vom Verlag hier