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Prokon pleite – wen wundert das?

Von Peter Haisenko 

Man erinnere sich an die so genannte Volks-Aktie der Telekom vor etlichen Jahren: Manfred Krug hat mit Werbung zur besten und teuersten Sendezeit auf allen Kanälen genervt. Die Telekom-Aktie wurde von Hinz und Kunz gezeichnet, und – abgesehen von den Banken – haben alle richtig viel Geld verloren. Auch Prokon hat eine teure Werbekampagne gefahren, wiederum omnipräsent zur teuersten Sendezeit. Die Verluste mit Prokon werden höher sein als damals mit der Telekom-Aktie, weil Prokon keine reale Substanz hat.

Für mich als Anleger gilt eine einfache Rechnung: Die Werbung für eine Aktie wird von mir selbst bezahlt, sobald ich diese Aktie zeichne. Das schmälert meinen möglichen Gewinn. Eine wirklich gute Anlage bedarf keiner aufwändigen Werbung, sie ist ein Selbstläufer. Größte Vorsicht ist grundsätzlich geboten, sobald feste Renditeversprechen zugesagt werden. In diesem Fall muss sofort der Verdacht aufkommen, dass es sich um ein Schneeballsystem handeln könnte, wie die Erfahrung gezeigt hat.

Bis zu 8 Prozent Rendite hat Prokon versprochen – mindestens 6 garantiert. Wegen der Subventionen aus dem EEG-Gesetz erschien das nicht einmal völlig utopisch. Der kleine Stromverbraucher hat´s ja bezahlt. Allerdings mussten die 1.300 Angestellten bezahlt werden und fette Vorstandsgehälter. Und natürlich die teure Werbung. Da bleibt für den Investor nicht viel übrig, wie in den meisten Fällen, wenn Kleinanleger in geschlossene Fonds gelockt werden.

Im Fall Prokon darf man gespannt sein, wer zu welchem Preis die Restsubstanz von Prokon, nämlich die Windräder, die das Unternehmen eventuell tatsächlich bereits erworben hat, übernehmen wird. Dieser Investor wird es sein, der den Gewinn macht – auf Kosten der durch Werbung angelockten Kleinanleger. Die potenziell interessante Frage, ob Prokon womöglich von Anfang an mit diesem betrügerischen Ziel geplant worden ist, wird wohl nie beantwortet werden.

Mein Rat an alle Anleger: Sobald eine Aktie oder eine andere „Rendite-Anlage“ wie Sauerbier aufwändig beworben wird – Finger weg! Man bedenke: Selbst wenn ein einzelner Anleger 100.000,- € „investiert“, dann ist mit diesem Geld noch nicht einmal ein Bruchteil der Werbekampagne bezahlt. Wie soll da noch Rendite herauskommen? Das gilt im Übrigen auch für „ganz normale“ Werbung. Der Kunde bezahlt. Wer also solche Produkte kauft, kann sich gleich für eine Mitgliedschaft im Förderverein für Manfred Krug, Thomas Gottschalk und Konsorten bewerben.

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