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USA: Vodafone und die anderen Ratten verlassen das sinkende Schiff

Von Peter Haisenko 

Die Meldung erscheint unspektakulär: Vodafone trennt sich komplett von seinem US-Geschäft und verkauft seine Anteile an Verizon. Für den Erlös soll die Mehrheit an Kabel Deutschland übernommen werden. Alles ganz normal? Nur solange man diese Meldung isoliert betrachtet. Auch die deutsche Telekom zieht sich aus dem US-Geschäft zurück. Und nicht nur die.

Wie in amerikanischen Fachpublikationen berichtet wird, verkaufen die reichsten Investoren unauffällig ihre Aktien von US-Firmen und sogar US-Banken. Es werden genannt: Warren Buffet, John Paulson und George Soros, die sich bereits nahezu vollständig dieser Werte entledigt haben sollen. Aber damit nicht genug. Potente Akteure wetten auf drastisch sinkende Börsenkurse in den USA. Mit erheblichen Einsätzen. Wie kann das sein, wo doch im letzten halben Jahr die amerikanischen Börsenwerte gut 6 Prozent zulegen konnten?

Die Börsengurus sind pessimistisch

In den USA selbst sagen Börsengurus, dass sie einen Verfall der US-Börsenkurse um bis zu 90 Prozent nicht nur nicht ausschließen wollen, sondern ihn mit großer Wahrscheinlichkeit kommen sehen. Worauf stützen sich diese Prognosen? Zum einen ist die Struktur der US-Wirtschaft maßgeblich. Gut 70 Prozent fallen in den Sektor Dienstleistung und nur 11 Prozent können der zivilen Produktion zugeordnet werden. Hinzu kommt die Angst vor steigenden Zinsen und Inflation. Sollten die Zinsen nur ein wenig steigen, werden die Bilanzen vor allem der mittelständischen Firmen unverhältnismäßig hoch durch Zins- und Kreditzahlungen belastet, weil diese in Zeiten der Niedrigzinsen zu sorglos mit der Kapitaldeckung umgegangen sind.

Die Angst vor Inflation ganz allgemein: Weil seit geraumer Zeit die US-Wirtschaft und besonders der Konsum mit frisch gedrucktem Geld der FED am Laufen gehalten wird, macht man sich in den USA ernste Gedanken über Inflationsraten von 10 bis 20 Prozent. Was das bedeutet, sei kurz erläutert: Wenn die Inflationsrate 10 Prozent beträgt, ist der Wert von Pfandbriefen oder Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren halbiert. Bei 20 Prozent geht er gegen Null. Nun, das wäre auch ein Weg, die überschüssigen und damit gefährlichen Massen an vagabundierenden Geldmengen zu dezimieren. Aber diese Geldmengen werden dann der US-Wirtschaft und dem Konsum fehlen. Das trifft besonders hart, weil die US-Wirtschaft mehr auf Dienstleistung als auf Produktion aufgebaut ist. 10 Prozent Inflation? Gibt’s nicht? Man sollte sich der 70er Jahre erinnern, als sich sogar in Deutschland die Inflationsrate in dieser Gegend bewegte.

Importe müssen bezahlt werden

Das nächste Problem mit einem inflationären Dollar wird der US-Import sein. Wo heute schon ein jährliches Defizit von mehr als 1.000 Milliarden Dollar pro Jahr ein Problem ist, wird dieses drastisch anwachsen, sobald der Dollar gegenüber den anderen Währungen an Wert verliert. Ein ausgleichender Anstieg des US-Exports ist nicht zu erwarten, denn in den USA werden zu wenige (zivile) Güter produziert, die im internationalen Handel wettbewerbsfähig sein könnten – ganz gleich, was sie kosten.

Die USA sind Schuldenweltmeister, und einen weiteren Titel dieser Art halten sie für ihr Außenhandelsdefizit – nicht nur in absoluten Zahlen. Die aufgeblähten Kurse der amerikanischen Aktien beruhen darauf, dass mit billigem Geld der FED Aktien gekauft werden, zum Teil auf Pump, die dann doch noch soviel Rendite bringen, dass diese die Kapitalkosten deutlich übertreffen. Auch hier setzt die Angst vor steigenden Zinsen an. Im Übrigen resultiert auch der über der Rendite liegende Stand des DAX aus dem billigen, ja fast geschenkten Geld der FED. Man bedenke, mehr als 80 Prozent der Eigner der DAX-Werte sind im nordamerikanischen Raum zu finden.

Rette sich wer kann!

Wie kann also Kapital gerettet werden, das bislang in US-Aktien gelagert war? Ganz einfach. US-Aktien verkaufen und in den Euro, Renmimbi (China) oder sogar den Rubel reinvestieren. Das ist genau das, was Vodafone jetzt macht: Eintausch der US-Firma Verizon gegen Kabel Deutschland. Für Kapitaltransfers dieser Art ist Deutschland das begehrte Ziel. Hier herrscht noch ein gesundes Verhältnis zwischen Dienstleistung und Produktion. Gut 26 Prozent der deutschen Arbeit ist produktiv, und damit liegt Deutschland nicht nur in Europa mit weitem Abstand in der Spitze.

Die europäischen Krisenländer haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Griechenland zum Beispiel hat einen mehr als ausgeglichenen Haushalt, wenn die Belastungen für Zins- und Kapitaldienste nicht gerechnet werden. Ähnliches gilt für Irland, Spanien und Portugal. Selbst Großbritannien ist in dieser Hinsicht auf einem guten Weg, obwohl darüber in Deutschland nicht berichtet wird. Sobald also drastische Maßnahmen ergriffen werden, die irrsinnigen Schuldenstände der europäischen Staaten gemeinsam zu bekämpfen, dann wird ganz Europa ausgeglichene Haushalte vorweisen können. Das könnte zum Beispiel mit einem Schuldenmoratorium gemeistert werden, oder dem Zugriff auf privates Kapital – siehe Zypern. Einzig die USA tun nichts, aber rein gar nichts, um zu einem ausgeglichenen Haushalt zu finden. Warum sie sich das (noch!) leisten können, lesen Sie hier.

Ein Schuldenmoratorium allein hilft den USA nicht

Sollte sich also Europa aus der Schuldenfalle befreien, und das ist unumgänglich, dann wird Europa aufblühen. Ganz anders die USA. Hier kann nicht auf privates Kapital zurückgegriffen werden, denn die Verschuldung der Privathaushalte liegt in etwa derselben Höhe wie die öffentliche, muss also nochmals auf der negativen Seite addiert werden.

Ein schuldenbefreites Europa und die anderen Länder der Welt werden das alte System der beliebig gedruckten US-Dollar nicht mehr akzeptieren. Selbst wenn sich auch die USA durch ein Schuldenmoratorium vom Zinsjoch befreien sollten, hat diese Nation das Problem ihres Außenhandelsdefizits nicht gelöst. Im Gegenteil werden dann die Einnahmen aus dem Finanzsektor ausbleiben, und die machen in den USA (und Großbritannien) immerhin etwa 30 Prozent des BIP aus. So wird der Dollar seinen Wert im internationalen Handel nahezu vollständig einbüßen. Er wird gerade noch den Heizwert des Papiers betragen.

Leben von frisch gedrucktem Geld

Ganz aktuell geht es wieder einmal um die Höhe des Leitzinses der FED, der noch (!) bei Null liegt. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang auch die Meldung, dass die FED monatlich 85 Milliarden Dollar in die US-Wirtschaft pumpt, damit der Konsum nicht zusammenbricht. Wohlgemerkt, bislang zinsfrei. (Warum sie das tun muss, lesen Sie bitte auch hier.) Es sei angemerkt, dass diese monatliche Emission der FED der Höhe des US-Außenhandelsdefizits entspricht. Mit anderen Worten: Importe in die USA in Höhe von 1.000 Milliarden US-Dollar jährlich werden ausschließlich mit frisch gedrucktem Geld der FED bezahlt. Sie sind nicht mit entsprechenden Exporten gedeckt. Nebenbei muss auch noch die Schuldengrenze der US-Regierung aufgestockt werden, wenn die USA in diesem Oktober noch zahlungsfähig bleiben wollen. Alles auf Pump und noch zu Null Zinsen.

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

Ist es Angesichts all dessen ein Wunder, dass selbst die größten Profiteure dieses Systems ihr Vertrauen in die US-Wirtschaft verloren haben und ihr Kapital aus dem System nehmen? Renditen aus europäischen oder anderen nicht-amerikanischen Anlagen werden bei fallendem Dollarkurs erheblich an Wert für US-Investoren gewinnen. Es spricht für sich, dass bereits über 80 Prozent der DAX-Aktien im Besitz nordamerikanischer „Investoren“ sind. Viel ist nicht mehr übrig, was mit Fiat-Money mehr oder weniger unrechtmäßig aus deutschem Besitz gerissen werden kann. Vodafone hatte bereits vor Jahren mit seinem großzügig geschmierten Helfer Esser den ersten Coup gelandet, mit der Übernahme von Mannesmann. Vodafone war vor dieser Übernahme ein substanzloser Hoffnungskonzern. Danach konnte Vodafone mit dem Immobilienvermögen der Mannesmann protzen und hat jetzt Substanz. In Deutschland, natürlich. Und jetzt Kabel Deutschland.

Ich denke, jetzt wird deutlich, was das Ziel der angelsächsischen Investoren ist: Raus aus dem unsicheren, auf den Zusammenbruch wartenden Dollarraum und noch schnell die soliden Firmen Deutschlands und anderer Länder aufkaufen, solange der beliebig gedruckte Dollar noch als Zahlungsmittel anerkannt wird. So wird wenigstens die US-Finanzelite nach dem Dollar-Crash ihr Luxusleben weiterführen können, finanziert in Euro-Renditen mit der Arbeit anderer Länder. Frankreich hat diesem Treiben übrigens bereits vor Jahren einen Riegel vorgeschoben, als Sarkosy den Zugriff ausländischer Investoren auf französische Konzerne reguliert und limitiert hatte.

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