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Kreditkarten – der heimliche Mega-Gewinn

Von Peter Haisenko 

Es ist so einfach: Man zückt die Kreditkarte, und der Einkauf ist bezahlt. Für den Einkäufer gibt es keine Mehrkosten. Wirklich? Eben doch! Der Verkäufer muss etwa 2 bis 3 Prozent seiner Rechnung an die Kreditkartenbetreiber abführen. Das schlägt er vorab auf seinen Verkaufspreis auf, und der Kunde muss es bezahlen. 2 Prozent? Klingt wenig. Das muss man genauer betrachten.

Zunächst ist dabei zu beachten, dass Deutsche/Europäer anders mit Kreditkarten umgehen als Amerikaner. In den USA ist es üblich, dass die Einkäufer ihre Rechnung bei dem Kreditkartenbetreiber nicht sofort begleichen. Sie bezahlen meist 10 Prozent und lassen den Rest als Kredit stehen. Gegen Zinsen, die meist über 10 Prozent liegen.

Weil die meisten Amerikaner zehn und mehr Kreditkarten haben, und diese jeweils für etwa 1.000,- US-Dollar garantieren, hat sich hierdurch in den USA ein Kreditvolumen aufgebaut, das etwa 1.000 Milliarden Dollar in der Summe beträgt. Wohlgemerkt werden diese Kredite ohne Bonitätsprüfung vergeben. Die Kreditkartenbetreiber haben so in den USA jährliche Einnahmen von etwa 100 Millionen Dollar aus Zinsen plus die 2 bis 3 Prozent am Gesamtumsatz. Allerdings müssen sie in den USA dieses Geld vorstrecken.

Dagegen Deutschland: Der gute Deutsche bezahlt seine Rechnung beim Kreditkartenbetreiber in der Regel sofort. Sofort heißt, zwischen einem und 30 Tagen nach Einkauf, weil die Abrechnung monatlich kommt. Meistens wird durch Einzugsermächtigung bezahlt. Hier sieht die Gewinnrechnung für die Kreditkartenbetreiber ganz anders aus.

Wegen der monatlichen Abrechnung „leiht“ der Kreditkartenbetreiber dem Kunden Geld für die Ware durchschnittlich für einen Zeitraum von etwa 15 Tagen. Dafür kassiert er von der Kaufsumme 2 bis 3 Prozent. Klingt harmlos, ist es aber nicht. Man muss sehen, dass 2 bis 3 Prozent über einen Zeitraum von 15 Tagen eingenommen werden. Das Jahr hat 365 Tage. Geteilt durch 15 Tage ergibt das etwa 25. Das ist die Zahl, mit der die 2 bis 3 Prozent Marge der Kreditkartenbetreiber multipliziert werden muss, damit man die ganze Rendite erkennen kann. Aufs Jahr hochgerechnet kassieren die Kreditkartenbetreiber eine Kapitalrendite von 50 bis 75 Prozent. Aber es kommt noch besser.

Die Kreditkartenbetreiber müssen dieses Geld nicht einmal vorhalten. Bestenfalls einen Teil davon. Die Abrechnung mit dem Kreditkartenbesitzer erfolgt meist zuerst. Erst wenn das Geld von ihm eingegangen ist, wird es weitergereicht an den Verkäufer. Das heißt, dass das Geschäft der Kreditkartenbetreiber auf Vertrauen aufgebaut ist. Er verspricht dem Verkäufer, das Geld beim Käufer einzutreiben und an ihn weiterzureichen. Im Moment des Kaufs muss er das Geld nicht besitzen. Der Kreditkartenbetreiber erzielt also eine Rendite von 50 bis 75 Prozent aus Kapital, das er gar nicht hat.

Weil Vertrauen die Basis für das Geschäft der Kreditkarteninstitute ist, gibt es meist keine Probleme für den Karteninhaber, wenn mit seiner Karte Missbrauch getrieben worden ist. Die Rückerstattung unrechtmäßiger Abbuchungen erfolgt schnell und formlos. Beim Kunden soll auf keinen Fall Zweifel an der Sicherheit und Nützlichkeit seiner Kreditkarte geweckt werden. Die Gewinne sind sowieso so hoch, dass diese kleinen Einbußen für die Kreditkartenfirmen aus der „Portokasse“ bezahlt werden können.

Abgesehen davon, dass dieses Geschäftsmodell reine Geldschöpfung ohne Wertschöpfung ist, kann es auch als eine Art Mehrwertsteuer betrachtet werden, die von einem privaten Unternehmen eingezogen wird. Tatsächlich ziehen Visa und Co. 2 bis 3 Prozent des gesamten Umsatzes ein, der mit Kreditkarten getätigt wird. Eine Art „Bequemlichkeitssteuer“. Hier ist auch noch zu bedenken, dass der Einkauf mit Kreditkarte den Betreibern ein wertvolles Käuferprofil liefert. Man sollte sich also gut überlegen, ob es nicht besser wäre, auf den Einsatz von Kreditkarten möglichst ganz zu verzichten. Im Übrigen kann man so auch Geld sparen: Die meisten Händler geben bei Barzahlung einen Nachlass, wenn man danach fragt.

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Wie wirken sich die unkontrollierten Kredite der Kreditkartenbetreiber auf die volkswirtschaftlich wichtige Kennzahl (Geld-)Menge M 3 aus? Besonders in den USA? Sind diese Kredite Teil der Ursachen für die Finanzkrise? Lesen Sie dazu: Die verschwiegenen Ursachen der Jahrhundertkrise.

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