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Nordkorea – Aggression oder Verteidigung?

Von Peter Haisenko 

Mit einer Reichweite von 700 Kilometern hat der letzte Raketentest Nordkoreas nicht einmal das Niveau von Hitlers V2 erreicht. Es ist fraglich, ob mit dieser Rakete ein Atomsprengkopf transportiert werden kann. Dennoch konstruieren die USA daraus ein Bedrohungsszenario für ihr Land, indem sie annehmen, dass in absehbarer Zeit eine US-Militärbasis im Westpazifik getroffen werden könnte. Um echtes US-Gebiet inklusive Hawaii angreifen zu können, müsste Nordkorea eine Interkontinentalrakete haben.

Der Atomwaffensperrvertrag wird allgemein als gut und richtig wahrgenommen. Die Wahrheit aber ist, dass sich ein Land nur dann gegen eine US-Aggression wehren kann, wenn es Atomwaffen hat. Dabei geht es gar nicht darum, die USA direkt mit Interkontinentalkapazität zu bedrohen. Allerdings kann mit einer atomar bestückten Mittelstreckenwaffe ein ganzer Flugzeugträgerverband vernichtet werden, ohne Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Darum geht es, denn die amerikanischen Flugzeugträger sind es, die an vorderster Front zur Zerstörung missliebiger Staaten stehen. Wer diese also abwehren, zerstören kann, ist einigermaßen gegen US-Aggression geschützt. Der Atomwaffensperrvertrag dient folglich in erster Linie dem Ziel, die absolute Dominanz und Aggressionskapazität der USA zu sichern.

Nordkorea – ein von Sanktionen gebeuteltes Land

Grundsätzlich stellt sich die Frage, welche Ziele eine „Aggression“ Nordkoreas haben könnte. Südkorea erobern? Wäre vielleicht noch denkbar. Aber wäre es irgendwie sinnvoll, ein Land, das man erobern, besitzen und bewohnen will, zuerst atomar zu verseuchen? Die anderen Nachbarn, China und Russland, müssen wohl kaum befürchten, dass Nordkorea sie angreift und schon gar nicht die USA. Nordkorea leidet seit Jahrzehnten unter Sanktionen. Mit welcher Begründung eigentlich? Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es sozusagen einen Freibrief zu verhindern, dass ein weiteres Land ein kommunistisches Experiment durchführt. So ist es zum Koreakrieg gekommen und er war extrem blutig und hat Millionen das Leben gekostet. Tatsächlich ging es aber darum, eine stabile Basis für die USA im Osten der Sowjetunion und natürlich auch neben Maos China zu sichern.

In den frühen 1950-er Jahren konnte China Nordkorea noch konventionellen Beistand leisten, was beinahe zu einer vernichtenden Niederlage der USA geführt hätte. China hatte noch keine Atomwaffen und es gab noch keine Interkontinentalraketen. Die USA haben die nordkoreanische Hauptstadt schlimmer als Tokyo nahezu vollständig eingeäschert. Wie sieht es aber heute aus? Würde China wie in den 1950-er Jahren uneingeschränkte Unterstützung für Nordkorea garantieren, wäre ein atomarer Schlagabtausch zwischen China und den USA durchaus im Bereich des Möglichen – und das will China auf keinen Fall. In diesem Sinn ist Nordkorea zur Verteidigung auf sich selbst gestellt. Wie aber soll sich das sanktionsgeschundene Land wehren können, wenn die USA entscheiden, dass es eine andere Regierung „braucht“? Vergessen wir hierzu nicht, dass Nordkorea über eine große Menge an wertvollsten Bodenschätzen verfügt – siehe Afghanistan.

Um das unmissverständlich klarzustellen: Ich bin kein Freund von Kim, egal in welcher Generation, und dem Kommunismus in keiner Weise zugeneigt. Dennoch halte ich die Politik generell für falsch, Ländern Entwicklungsmöglichkeiten durch Embargos zu versagen, nur weil sie nicht nach der Pfeife der Kapitalisten tanzen. Das vorgeschobene Argument einer Bedrohung kann nur als lächerlich bezeichnet werden, wenn man zum Beispiel Kuba betrachtet. Wo würde Kuba heute stehen, wenn ihm nicht der Handel verboten worden wäre oder die Teilhabe an technischen Entwicklungen? Wie das Beispiel China zeigt, besteht eben die Gefahr darin, dass sich Länder in unglaublicher Geschwindigkeit zu Konkurrenten entwickeln können, wenn sie freien Zugang zu Technologien und Welthandel haben. Und das Gegenbeispiel sieht man in Libyen und im Irak. Die alten Regierungen mögen noch so schlimm gewesen sein, aber sie hätten niemals so viele ihrer eigenen Bürger umbringen können, wie nach den Interventionen der USA den Tod erleiden mussten. Dass Sanktionen sowieso immer die einfache Bevölkerung treffen, ist bei den Gutmenschen, die diesen applaudieren, wohl noch nicht angekommen.

Kim muss poltern und Trump auch

Wie ist nun das Verhalten von Donald Trump gegenüber Nordkorea einzuschätzen? In gewohnter Weise hört man natürlich das übliche Drohgebaren und ein Flugzeugträgerverband hat vor Ort Stellung bezogen. Aber Trump ist der erste, der Kim Gespräche angeboten hat. Will man den Menschen in Nordkorea wirklich helfen, muss ein Verfahren entwickelt werden, das allen Seiten gestattet, das Gesicht zu wahren. Kim muss poltern und Trump auch. Sehr geschickt hat er die Nachricht gesandt, dass er mit einem Fingerschnippen seine Tomahawks nach Syrien abschießen kann, bei Kaffee und Kuchen mit dem chinesischen Präsident. Als nächstes hat er gezeigt, dass er wirklich etwas tun wird: Er hat „die Mutter aller Bomben“ auf die Kommandozentrale der Taliban werfen lassen, diese nicht nur zerstört, sondern auch eine große Anzahl der Führungsmannschaft der Taliban eliminiert. Während seine Vorgänger Bush und Obama immer nur große Worte abgesondert haben, hat er etwas Effektives getan. Die jetzt endlich getroffene Bunkeranlage ist einst mit Hilfe der CIA gebaut worden. Das heißt, das US-Militär wusste zentimetergenau wo sich diese befindet, wie sie empfindlich zu treffen ist und hat bislang nichts getan. Wie ehrlich kann da das Gerede über den Kampf gegen die Taliban jemals gewesen sein, die schließlich erst von der CIA geschaffen worden sind?

Hoffen auf einen vernünftigen Ausgleich

Donald Trump zeigt also seinen Wählern und Kritikern und natürlich den Nordkoreanern: Ich rede nicht nur, ich handele! Kim wiederum zeigt seinen Leuten, dass er sich nicht einschüchtern lässt, sondern die Verteidigungskapazität ausbaut. Geschickt hat Trump erst nach einem intimen Gespräch mit dem chinesischen Präsident gehandelt. So kam es, dass sowohl Russland als auch China Botschaften der Mäßigung an Kim gesandt haben. Und dann das Gesprächsangebot an Kim von Trump. Jetzt erst können Gespräche stattfinden, die allen Seiten eine Gesichtswahrung ermöglichen und das ist die Voraussetzung für einen Erfolg. Man vergesse nicht, dass Kim eine Ausbildung in der Schweiz genossen hat. Er kennt den „Westen“, er hat gesehen, was mit Ländern geschieht, die gewaltsam demokratisiert werden oder sich schutzlos dem Zugriff der Kapitalisten ausliefern – wie Russland unter Jelzin.

Der Geschäftsmann Trump will den Zugang zu den Bodenschätzen Nordkoreas. Kim will das postsowjetische Chaos und die folgende gnadenlose Ausbeutung für sein Land verhindern. Trump weiß, dass er die Bodenschätze billiger bekommt, wenn sie von den Nordkoreanern selbst gefördert werden und er diesen dazu amerikanisches Gerät verkaufen kann. Trump hat dem Interventionismus in seiner Antrittsrede abgeschworen. Das wahrscheinlich auch deswegen, weil er erkannt hat, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis auf diese Weise wesentlich günstiger ausfällt, ganz zu schweigen vom Imageverlust, der eine Folge der schändlichen Interventionen ist. Der Zustand ist folglich, dass beide Seiten für ihr eigenes Volk noch ein wenig poltern müssen, ehe ein vernünftiges Ergebnis zu erwarten ist. Bevor ein solches vorliegt, muss Kim allerdings seine Raketen und Bomben zur Abschreckung weiterentwickeln, denn er muss Trump unterstützen in der Argumentation gegen seine eigenen kriegsgeilen Militärs. Man kann nur hoffen, dass beide Seiten tatsächlich einen vernünftigen Ausgleich in Frieden und Prosperität suchen.

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