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Die Ukraine, der erfundene Staat

Von Peter Haisenko 

Unvoreingenommen betrachtet, hätten Juden auf dem Gebiet der heutigen Ukraine ein größeres Anrecht auf einen eigenen Staat (Heimatrecht) als in Palästina. Aschkenasische, chassidische Juden jedenfalls – und diese stellen die Mehrheit der Menschen jüdischen Glaubens. Sie sind keine Semiten. Tatsächlich finden sich in der Kiewer Führungselite der Ukraine unverhältnismäßig viele Juden. Der Premierminister Jazenjuk zum Beispiel und die Mehrzahl der Oligarchen. Um diese Gegebenheiten verstehen zu können, muss man sich mit der Geschichte der gesamten Region befassen, die wir heute „Ukraine“ nennen.

Dazu ein Auszug aus dem Buch „England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“, im Original zu finden in dem Lexikon „The Jewish Encyclopedia“:

Blick zurück auf eine bewegende Geschichte

"Die Khasaren sind ein Volk türkischer Abstammung, deren Leben und Geschichte mit dem Entstehen der jüdischen Geschichte in Russland verflochten ist. Aus der Türkei kommend waren die Khasaren eine Gruppe von Steppennomaden, deren Leben aus Plünderungen und Rachefeldzügen bestand. In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts zogen die Khasaren in Richtung Westen und ließen sich im gesamten Süden Russlands nieder, lange vor dem Entstehen der russischen Monarchie der Waräger (855 n. Chr.). Zu diesem Zeitpunkt stand das khasarische Königreich auf dem Höhepunkt seiner Geschichte und befand sich ständig im Krieg. Es gab eigentlich keinen Zeitpunkt seit dem Entstehen der Khasaren, an dem sie nicht im Krieg standen. Das Reich der Khasaren beherrschte weite Gebiete vom schwarzen bis zum kaspischen Meer und vom Kaukasus bis zur Wolga.

Ende des 8. Jahrhunderts traten der Chagan, der König der Khasaren, seine Herren und ein großer Teil seines Volkes der jüdischen Religion bei. Der Grund dafür war eine prekäre Lage zwischen dem oströmischen Reich und den siegreichen Anhängern Mohammeds. Beide verlangten von den Khasaren, ihrer Religion (Christen oder Islam) beizutreten, doch die Khasaren wählten, beides ablehnend, den Judaismus. In den folgenden zwei Jahrhunderten trat nicht nur ein großer Teil des khasarischen Volkes der jüdischen Religion bei, sondern bis Mitte des 9. Jahrhunderts hatten sogar alle Khasaren die jüdische Religion angenommen.

Quelle für alle Bilder: Wikipedia, durch Anklicken vergrößern

Es war ein Thronfolger von Bulan, namens Obadiah, der das Königreich auffrischte und die jüdische Religion verstärkte. Er lud jüdische Gelehrte dazu ein, sich in seinem Königreich niederzulassen und gründete Synagogen und Schulen. Das Volk wurde in die Bibel, in die Mischna und in den Talmud eingeführt und die Khasaren verwendeten die hebräische Schrift. In der Sprache behielt jedoch die Muttersprache der Khasaren die Oberhand.

Obadiah gab seinen Thron an seinen Sohn Hezekiah weiter, dieser seinen wiederum an seinen Sohn Manasseh, und Manasseh an Hanukkah, einen weiteren Sohn von Obadiah. Hannukah übergab seinen Thron an seinen Sohn Isaak, Isaak an seinen Sohn Moses (oder Manasseh II.), der wiederum an seinen Sohn Nisi und Nisi an seinen Sohn Aaron II.. König Joseph selbst war der Sohn von Aaron und bestieg den Thron nach dem Thronfolgerecht der Khasaren.

Die russischen Waräger etablierten sich in Kiew, bis zur letzten Schlacht gegen die Khasaren. Nach einer harten Schlacht besiegten die Russen die Khasaren und vier Jahre später eroberten die Russen das komplette khasarische Reich östlich des Asov.

Viele Mitglieder der khasarischen Königsfamilie sind nach Spanien ausgewandert, einige gingen nach Ungarn, doch der Großteil des Volkes blieb in seinem Reich." (Jewish Encyclopedia, Volume IV, article on Chazars, Seite1-5).

Es ist also gerade mal gute tausend Jahre her, dass die russischen Waräger die jüdisch/chasarische Herrschaft im Gebiet der heutigen Ukraine beendeten (vergleiche Palästina). Hier liegt denn auch die andauernde Feinschaft zwischen Russen und Juden begründet. Die Waräger wiederum sind Abkömmlinge der Wikinger und wurden etwas später die ”Rus” genannt. Was sich also später zum russischen Reich entwickeln sollte, nahm seinen Anfang im Gebiet der heutigen Ost-Ukraine, mit Kiew als Hauptstadt.

Einen eigenständigen Staat Ukraine hat es bis 1991 nicht gegeben.

Polen in den Grenzen von 1660

Im Laufe der Jahrhunderte zogen immer wieder fremde Horden auch aus Asien durch diese Gegend. Eine Zeitlang waren muslimische Osmanen die Herrscher (“Krim Khanat”), bis sie von den Rus vertrieben wurden. Danach war die Ost-Ukraine einigermassen stabil unter russischer Herrschaft. Ganz anders der Westteil. Hier machten sich Polen, Litauer, Magyaren, Weißruthenen (Weißrussen) und Slowaken die Vorherrschaft streitig, bis schließlich eine Blütezeit unter der Herrschaft der österreichischen K&K-Monarchie folgte (Wohlhynien), die bis zum Ersten Weltkrieg andauerte. Über die Gegend um Lemberg herrschten vor den Österreichern mal Magyaren, Polen, Litauer oder Russen. Die Ukrainer selbst konnten niemals einen eigenen Staat etablieren. Das einzige staatsähnliche Gebilde befand sich vorübergehend im Osten, wo heute die “Aufständischen” ihre Autonomie einfordern. Das aber war traditionell ein Kosaken-Staat, kein ukrainischer.

Speziell gegenüber Polen empfanden Ukrainer einen tiefen Hass. Dieser war noch verstärkt worden durch die ethnischen Säuberungen, die die Polen durchgeführt hatten, nachdem ihnen von Ukrainern bewohntes Gebiet von den Engländern nach dem Ersten Weltkrieg zugeteilt worden ist. Dieselben Engländer hatten auch das Gebiet südlich Lembergs dem Kunstgebilde Tschechoslowakei zugeschlagen, das sogenannte “Karpatenrussland”. Der Hass der Ukrainer auf Polen entlud sich dann auch im Jahr 1945, als nationalistische Ukrainer weit mehr als 100.000 Polen gemeuchelt haben. So ist schwer zu verstehen, warum sich Polen heute so für die Ukrainer einsetzt.

Vielfältige Ethnie im gegenseitigen Hass vereint

Die Herrschaft der Sowjetunion ab 1945 definiert erstmals die heutigen Staatsgrenzen der Ukraine. Allerdings gab es 1917 bereits einen Anlauf des Deutschen Reichs, einen ukrainischen Staat zu etablieren. Interessanterweise – im Vergleich zu heute – ist dieser erste kurze Versuch mit dem Ziel angestrengt worden, diese “Ukraine” gegen Russland zu instrumentalisieren, was sich aber spätestens mit dem Ende des Ersten Weltkriegs erledigt hatte. Zwischen den Kriegen gab es wieder keinen ukrainischen Staat, aber zunehmend radikal nationalistische Bewegungen, die sich durchaus den Nationalsozialisten angebiedert hatten. Es darf denn auch nicht verwundern, dass (West!-) Ukrainer sehr tatkräftig an Judenmorden nicht nur teilgenommen, sondern diese auch in Eigenregie durchgeführt haben. In und um Kiew fielen geschätzte 100.000 Juden den ukrainischen Nationalisten in Zusammenarbeit mit der SS zum Opfer. Auch Roma und Sinti sind von Ukrainern ermordet worden.

Die Verteilung der ukrainischen Dialekte

Innerhalb der heutigen Staatsgrenzen finden wir also eine Vielzahl an Ethnien, die sich keineswegs nur freundlich gesonnen sind. Im Gegenteil hat der Hass der Westukrainer auf die russophile Ost-Bevölkerung Tradition. Verstärkt wurde diese tiefe Abneigung noch durch den Umstand, dass der Lebensstandard nicht erst nach 1991 in der Ost-Ukraine doppelt so hoch war wie im armen Westen. Die Kohle- und Industrie-Standorte sind im Donez-Becken. Ähnlich wie in dem Vielvölkerstaat Jugoslawien unter Tito sorgte der “Deckel” der Gewaltherrschaft der Sowjets für Ruhe und Frieden. Wer die Befindlichkeiten der unterschiedlichen Ethnien im Gebiet der Ukraine kennt, muss sich folglich eher wundern, dass der Hass erst 20 Jahre nach der Unabhängigkeit und nicht sofort ausgebrochen ist. Eines muss jedoch festgestellt werden: Es waren immer die West-Ukrainer, die in ihrem übersteigerten Nationalismus andere Ethnien mit Hass, Gewalt und Tod bekämpft haben. Hierin waren sie den Polen ebenbürtig und die beiden bezeichneten sich gegenseitig als “Erbfeinde”.

Grenzen, die es eigentlich nicht gibt

Die Entwicklung der ukrainischen Grenzen im 20. Jahrhundert

So völkerrechtswidrig die Zerschlagung Jugoslawiens gewesen ist, so unverständlich ist das Beharren auf der Unverletzlichkeit der heutigen ukrainischen Staatsgrenzen, die erst durch die Sowjetherrschaft entstanden sind. Den Sowjets wiederum waren die “Grenzen” der Ukraine auf östlicher Seite gleichgültig, weil diese in der Realität völlig bedeutungslos waren. So erklärt sich auch, dass Chruschtschow 1954 die Krim an die Ukraine “schenkte”, was nicht mehr als ein symbolischer Akt gewesen ist, der allerdings heute instrumentalisiert wird. Die schwache, nicht wirklich handlungsfähige Regierung Jelzin hatte 1991 keine Chance, nach der Auflösung der Sowjetunion von Anfang an vernünftige Grenzen für einen eigenständigen Staat Ukraine einzufordern oder gar zu bestimmen. In gewisser Weise hätte das Recht dazu bestanden, denn die heutigen “Grenzen” müssen realistischerweise als Willkürakt der Sowjetunion gesehen werden, die nach deren Auflösung einer vernünftigen Revision bedurft hätten. Die bestehenden Grenzen folgen weder einer geomorphologischen Logik noch einer ethnischen.

Die Geschichte der letzten zwanzig Jahre hat gezeigt, dass die Ukraine in dieser Form nicht entwicklungsfähig ist. Allein wirtschaftlich ist es seit 1991 nur bergab gegangen; die Wirtschaftsleitung zu Zeiten der Sowjetunion ist nie mehr erreicht worden. Selbst drei der erst letzte Woche ernannten Minister sind keine Ukrainer: Ein Georgier (Alexander Kvitashvili, der in USA geschult schon in Georgien als Minister versagt hat), eine ukrainisch-stämmige Amerikanerin, Natalie Jaresko, die sich als Angestellte des US-Statedepartements, US-Diplomatin und Hedgefond-Managerin durch zweifelhafte Aktionen ausgezeichnet hat und ein Litauer, Aivaras Abromavicius, dessen Provenienz der amero-ukrainischen Kollegin ähnlich ist. Auch der Premier selbst, Jazenjuk, hat seine “Ausbildung” in den USA erfahren. Die Energiewirtschaft ist fest in Händen amerikanischer Kaufleute.

Ein Kunstgebilde, zum Scheitern verurteilt

Die Wahlergebnisse von 2004 zeigen, wie zerrissen die Ukraine ist und wie sie aufgeteilt werden müsste.

Wer die Ukrainer selbst als Volk anerkennen und wirklich das Beste für die Einwohner innerhalb der ukrainischen Grenzen erreichen will, darf die Grenzen dieses Kunstgebildes Ukraine nicht als sakrosankt bezeichnen. Jugoslawien ist zerschlagen worden, die Tschechoslowakei – ebenfalls ein Kunstgebilde – hat sich friedlich aufgeteilt. Dauerhafter Frieden auf dem Gebiet der Ukraine wird nur erreichbar sein, wenn aus diesem Wahnsinn mindestens zwei eigenständige Staaten neu geformt werden. Vergessen wir nicht, es gab schon einmal einen Kosaken-Staat und der befand sich in etwa dort, wo die Menschen heute Autonomie fordern. Wer also keinen ewigen Krisenherd wünscht, der immer wieder gegen Russland instrumentalisiert werden kann, muss sich ernsthaft dafür einsetzen, zum ersten Mal in der Geschichte einen ukrainischen Staat zu definieren, der nicht von Beginn an durch ethnische Unvereinbarkeiten zum Scheitern verurteilt ist. Aber vielleicht ist ja genau das Gegenteil das eigentliche Ziel: Ein Stachel an den Grenzen Russlands, der jederzeit gegen Russland revitalisiert werden kann.

Den Haag und die Krim

Noch ein kurzes Wort zur Krim: Russland muss unbedingt vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag angeklagt werden, wegen der Vorgänge auf der Krim. Es muss von einem unabhängigen Gericht festgestellt werden, ob die Volksabstimmung und deren Weiterungen tatsächlich völkerrechtswidrig waren. Im Fall Kosovo hat sich der Westen auf diese Weise seine Absolution erteilen lassen. Angesichts dieses Urteils ist es mehr als zweifelhaft, dass das Gericht in Den Haag auf eine Verurteilung Russlands wegen der Krim entscheiden wird. Das dürfte denn auch der Grund sein, warum der Westen den Gang nach Den Haag nicht beschritten hat. Sollte aber gegen Russland entschieden werden, dann, und nur dann, wären Sanktionsdrohungen gegen Russland angebracht mit dem Ziel, das Urteil von Den Haag durchzusetzen.



Wer die komplizierte Geschichte der Ukraine ausführlicher betrachten will, dem empfehle ich die Ausführungen in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Ukraine

Wie eine – vernünftige, nachhaltige - Lösung der Ukraine-Krise aussehen könnte, habe ich in diesem Artikel beschrieben: Kann die Tschechoslowakei das Modell zur Lösung der Ukraine-Krise sein?

Ausführlich informiert der autobiographische Roman “Der Weg vom Don zur Isar” über die Zustände in der Ukraine vor und während des Zweiten Weltkriegs. Aus eigenem Erleben wird der unverständliche Hass der ukrainischen Nationalisten gegen Russen und vor allem Polen beschrieben. Zu bestellen hier oder im Buchhandel.

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