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Donald Trumps „obsolete“ NATO und der Fluch des Denglisch

Von Peter Haisenko 

Im Interview hat Donald Trump die NATO als „obsolete“ bezeichnet. Im nächsten Absatz spricht er über eine Stärkung der NATO und schon werfen ihm seine zwanghaften Kritiker widersprüchliche Aussagen vor. Das Problem sind jedoch nicht die Aussagen von Trump, sondern die mangelhaften Englischkenntnisse seiner Kritiker, die sich darüber hinaus in diesem Fall auch nicht durch besonders fundierte Kenntnisse der deutschen Sprache hervortun.

Nehmen wir den guten alten Langenscheidt zur Hand: Dort findet sich als Übersetzung für „obsolete“ 1. veraltet, überholt, altmodisch; 2. abgenutzt, verbraucht; 3.(biologisch) zurückgeblieben, rudimentär. Die Möglichkeit, das englische „obsolete“ mit „überflüssig“ zu übersetzen gibt es nicht. Greifen wir als nächstes zum Fremdwörterbuch des Duden, dann finden wir dort unter „obsolet“ – man beachte ohne „e“ am Ende – ungebräuchlich, veraltet. Wenn also die deutsche Sprache richtig angewendet wird, kann nicht einmal hier ein „überflüssig“ herauskommen, obwohl es der falsche Gebrauch dieses Fremdworts richtig erscheinen lässt. Hätte Trump tatsächlich „überflüssig“ gemeint, hätte er „useless“, „superfluous“ oder „unnecessary“ gesagt.

Die originäre „Vertragsgrundlage“ für die NATO ist weggefallen

Donald Trump hat die NATO nicht als überflüssig bezeichnet. Er hat sie als veraltet klassifiziert, als ein Relikt aus der kommunistischen Ära. Würden seine Aussagen so korrekt übersetzt kommuniziert, dann würde er sicher breite Zustimmung erfahren. Die NATO ist als Bollwerk gegen den expansiven Sowjetkommunismus gegründet worden und nachdem es die Sowjetunion nicht mehr gibt, könnte man juristisch gesprochen eine „Vertragsauflösung wegen Wegfalls der Vertragsgrundlage“ einfordern, was Anfang der 1990er Jahre durchaus angedacht worden ist – sehr zum Schrecken des Militärisch-Industriellen-Komplex`. Was macht es so einfach, den Deutschen diese falschen Übersetzungen/Interpretationen zu vermitteln?

Obwohl Englisch bereits in der Grundschule gelehrt wird, gibt es nur wenige, die die Englische Sprache wirklich beherrschen, ihre Feinheiten verstehen. Nicht nur durch die pausenlose Berieselung mit anglophoner Musik, sondern auch durch den anschwellenden Gebrauch anglophoner Begriffe hat sich das Gefühl breit gemacht, man wäre vertraut mit der englischen Sprache. Das Gegenteil ist der Fall. Wer versteht denn schon den Text anglophoner Musik wirklich? Wäre dem so, dann würde mancher „Hit“ als das eingestuft, was er ist: Eine schreckliche, oft weinerliche Schnulze, die auf Deutsch kaum ein Hit werden könnte. Auch der Gebrauch anglophoner Worte wäre ein anderer, wenn diese in ihrer landesüblichen Bedeutung richtig erkannt würden. So aber hat man sich daran gewöhnt, Anglizismen einzudeutschen und mit einem abweichenden Sinn zu gebrauchen, sie zu einem „Denglisch“ zu machen.

Verharmlosende Unschärfe im Gebrauch vieler Anglizismen

Donald Trump will Amerika wieder „great“ machen. Das nur mit „groß“ zu übersetzen, trifft den Sinn nicht. Langenscheidt gibt für diesen englischen Begriff eine Vielzahl an Bedeutungen. Sie alle laufen in Richtung großartig, wunderbar (have a great time!), bedeutend, vorzüglich, wertvoll. Was kann es an diesem Ziel auszusetzen geben? Aber die Mehrzahl der Deutschen ist eben nicht mit diesem Wort in seiner ursprünglichen Bedeutungsvielfalt vertraut und so kann ein völlig falscher Eindruck vermittelt werden.

Der unbedachte Gebrauch von Anglizismen führt zu einer schleichenden Verrohung der Sprache. Weil man sich der richtigen und oft abscheulichen Bedeutung der Worte in der Originalsprache nicht bewusst ist, übernimmt man sie von irgendeinem „Vorbild“, ohne den wahren Sinn zu hinterfragen. Hat mich der inflationäre Gebrauch zum Beispiel des Wortes „fuck“ schon bei meinem ersten Aufenthalt in den USA abgestoßen, so musste ich mit Schrecken erleben, wie es in den deutschen Sprachgebrauch Einzug gehalten hat. Mal ehrlich, würde jemand ernsthaft auf Deutsch „fick“ oder „fickend“ als Kraftwort oder Attribut gebrauchen? Das findet eben nur deswegen statt, weil man sich über die tatsächliche Bedeutung dieses Begriffs keine Gedanken macht. Als „denglisches“ Wort aber erhält es eine verharmlosende Unschärfe und wird benutzt in dem untergründigen Bewusstsein, dass auch der Adressat denselben Interpretationsspielraum nutzen kann, letztlich genauso wenig die Härte erkennen kann, die das Original beinhaltet.

Man muss genau zuhören und richtig übersetzen

Man muss nicht nur Trump genau zuhören, um die Feinheiten seiner Aussagen in der Originalsprache verstehen können, um wirklich zu erfassen, wohin er zielt. Das trifft in gleichem Maße auf die Aussagen aller fremdsprachigen Politiker zu, denen schon zu oft durch (vorsätzlich?) mangelhafte Übersetzung ein abweichender Sinn gegeben wurde. Nach Trumps Interview wird gerade der Untergang der deutschen (Auto-)Industrie herbeigeredet, weil er, so wird es dargestellt, einen hohen Importzoll für Autos angekündigt hat. Hat er nicht. Trump hat hier differenziert. Er hat nur gesagt, dass er Importzölle erheben will, wenn amerikanische oder ausländische Firmen in Mexiko Autos produzieren lassen, die für den amerikanischen Markt bestimmt sind.

Kein Wort darüber, dass er Importe besteuern will, die in Deutschland oder Japan selbst hergestellt werden. Trump hat offensichtlich erkannt, dass es einfach nicht richtig und für den allgemeinen Wohlstand fatal ist, wenn ein Hersteller seine Produktion in ein Billiglohnland verlegt, um für den Verkauf in einem Drittland einen Preisvorteil gegenüber einer Produktion in diesem oder dem eigenen Land zu erzielen. Da liegen nämlich die Ursachen für den weltweiten Lohnwettbewerb nach unten, der letztendlich die Weltwirtschaft zum Erliegen und breite Schichten in Armut bringen wird.

Trump düpiert die mutlosen Kleingeister

Die NATO ist in ihrer jetzigen Form zweifellos „obsolet“, eben veraltet und überholt. Das gilt im Übrigen auch für die gesamte (Welt-)Wirtschaftsordnung. Wir erleben doch, dass zwar alles irgendwie (noch) funktioniert, aber die Probleme weiter und weiter anwachsen und die Menschen mehr und mehr verunsichert sind. Trump legt hier seinen Finger in die Wunde, wenn er die Überarbeitung der NATO-Verträge und von Handelsabkommen ankündigt. Andauernd wird an irgendwelchen Details herumgedoktert, „reformiert“, aber niemand traut sich, einen wirklich großen Wurf zu starten. Der neue amerikanische Präsident erweckt den Eindruck genau das anpacken zu wollen und düpiert damit all die Kleingeister, denen zu ehrlichen und nachhaltigen Reformen der Mut und die Weitsicht fehlen. „Es könnte ja schlechter werden, das haben wir ja noch nie so gemacht.“

Wie verunsichert müssen die Systemschranzen sein, dass sie versuchen, Donald Trump mit allen Mitteln der Fehlinterpretation und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten zu diskreditieren, bevor er überhaupt sein Amt angetreten hat? Letztlich nur, weil er neue Wege gehen will, weil er klug und richtig erkannt hat, dass ein fröhliches „Weiter so“ nicht zielführend sein kann. Welches Land außer den USA könnte in der Lage sein, wirkliche Reformen nicht nur anzustoßen, sondern auch durchzusetzen? Aber genau das dürfte die Angst der Etablierten erregen, weil auch sie dann gezwungen sind, ihre alten und verbissen verteidigten, aber falschen und überholten Doktrinen zu hinterfragen. Ob dazu der Intellekt reichen wird? Um Englisch sinngemäß richtig ins Deutsche zu übersetzen, dafür reicht er offensichtlich nicht.

 

 

Wer wirklich den Mut und Intellekt, die geistige Freiheit hat, sich mit gänzlich neuen Ideen zu befassen, dem sei hier nochmals die Beschäftigung mit der Humanen Marktwirtschaft nach Haisenko/von Brunn anempfohlen. Erhältlich im Buchhandel oder direkt zu bestellen beim Verlag hier. 

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