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Das dritte Geheimnis von Fatima – Düstere Vorhersage für unsere Zeit?

Von Peter Orzechowski

Die Geschichte beginnt am 13. Mai 1917. An diesem Tag und noch bis zum 13.Oktober 1917 erscheint einmal im Monat den drei Hirtenkindern Jacinta, Francisco Marto und Lucia dos Santos in der Nähe des portugiesischen Dorfes Fatima eine weiße Frau. Die Kinder glauben, sie sei die Mutter Gottes. Hundert Jahre später sind zwei der Prophezeiungen von Fatima veröffentlicht – die dritte war bis heute ein Geheimnis. Doch jetzt könne sich der Schleier lüften.

Während Jacinta und Francisco nur ein bzw. drei Jahre später an Infektionskrankheiten sterben, tritt Lucia als erwachsene Frau in das Kloster der Karmeliterinnen ein. Dort erklärt sie Jahrzehnte später ihrem Bischof, die Madonna habe den Kindern seinerzeit drei Geheimnisse anvertraut. Die ersten beiden legt sie sofort in einem Brief dar. Sie prophezeien das Ende des Ersten und den Beginn des Zweiten Weltkrieges, die danach erfolgende Teilung der Welt in zwei Machtblöcke, den Kalten Krieg sowie den späteren Zusammenbruch des Kommunismus und die damit verbundene Auflösung der Machtblöcke. Das dritte, so sagt Lucia damals, dürfe sie nur dem Papst persönlich anvertrauen. Dieses dritte Geheimnis wandert 1957 in das geheime Vatikan-Archiv und wird danach jedem neu gewählten Papst vorgelegt.

Am 13. Februar 2005 stirbt Lucia dos Santos in ihrer Klosterzelle in Coimbra in Portugal. Sofort nach ihrem Tod werden alle Dokumente, zum Beispiel ihr ausführlicher Schriftwechsel mit Papst Johannes Paul II., alle Tagebücher, in denen sie nach Auskunft des Bischofs von Coimbra weitere Visionen festgehalten haben soll, und alle sonstigen schriftlichen Unterlagen in das Geheimarchiv des Vatikan gebracht. Und dort hinter den meterdicken Mauern ist es nun verborgen, das vielleicht vierte oder fünfte Geheimnis von Fatima.

Das Dritte Geheimnis – die Vatikan-Version

13.Mai 1981, 17.00 Uhr. Johannes Paul II fährt in einem offenen Toyota-Jeep durch jubelnde Menschenmassen auf dem Petersplatz. Um 17.17 Uhr zieht der vermutlich vom bulgarischen Geheimdienst im Auftrag des sowjetischen KGB gedungene Extremist Mehmet Ali Agca eine Pistole und schießt. Der Papst entgeht einem Kopfschuss, weil er sich zur vierjährigen Sara Bartoli herunterbeugt, die ihm ein Bild der Madonna von Fatima entgegenhält. Der zweite Schuss geht daneben, der dritte verletzt den Papst lebensgefährlich. Karol Wojtyla überlebt wie durch ein Wunder.

Bereits wenige Monate nach dem Attentat stellt der Vorgänger Ratzingers als Glaubenspräfekt, Franjo Kardinal Seper, einen Zusammenhang zwischen dem Dritten Geheimnis und dem Anschlag her. Das Attentat war am 13. Mai, am Tag von Fatima verübt worden. Es sei der Papst, auf den sich das dritte Geheimnis bezieht: Der „in Weiß gekleidete Bischof“, auf den geschossen wird, wie es in der Prophezeiung heißt.

Der damalige Leiter der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, hat diese Deutung im Juni 2000 auf einer Pressekonferenz erläutert. Der Papst selbst hatte Ratzinger die Erlaubnis gegeben, nachdem er am 13.Mai 2000 zum dritten Mal (nach dem 13.Mai 1982 und dem 13. Mai 1991) in Fatima war. In der Schauung, die den Hirtenkindern durch die Gottesmutter gewährt wurde – so Ratzinger in der Pressekonferenz –, sahen sie, wie der weißgekleidete Bischof von Soldaten getötet wird.

Schon kurz nach der Pressekonferenz traten Zweifel auf, ob die Veröffentlichung vollständig war. Weitere Visionen würden nach wie vor geheim gehalten, kritisierten selbst Mitglieder des katholischen Klerus. Zweifel traten auch an der Auslegung auf. Unter anderen war es der österreichische Bischof Kurt Krenn von Sankt Pölten, der öffentlich berichtete, Joseph Ratzinger selbst sei nicht mit der veröffentlichten Version des Dritten Geheimnisses einverstanden. Der Glaubenspräfekt sei demnach der Meinung gewesen, dass die Prophezeiung sich nicht auf das Attentat bezog, sondern eine weit größere Dimension habe. Eine Dimension, die die gesamte Kirche betreffe, wie auch die in der Schauung gesehene Ermordung der anderen Bischöfe, Priester und katholischen Laien zeige. Das Dritte Geheimnis betreffe also künftige Ereignisse, die erst noch eintreten müssen. Am 13. Mai 2010 sagte Ratzinger, inzwischen schon Papst Benedikt XVI.: „Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet sei, der irrt sich.“

Was steht im dritten Geheimnis?

Welche Ereignisse könnten das sein? Vermutlich nicht nur der Mordversuch am Papst. Zwei Quellen deuten in eine andere Richtung: Einmal die Aufzeichnung eines Gesprächs, das 1963 zwischen dem Herausgeber der Zeitschrift „Neues Europa“, Louis Emrich, und einem Abgesandten des Vatikans stattfand, im Oktober des gleichen Jahres unter dem Titel „Die Zukunft der Menschheit“ veröffentlicht und nicht vom Vatikan dementiert wurde ( sie ist unter Fatima-Forschern als „Diplomatische Version“ des Vatikans anerkannt). Und zweitens ein Satz, den Papst Johannes Paul II während seiner Deutschlandreise 1980 in Fulda von sich gab.

Zunächst also die „Diplomatische Version“: „Ein großes Strafgericht wird über die ganze Menschheit ergehen... In keinem Erdteil herrscht Ordnung, und Satan regiert in den wichtigsten Amtsgeschäften und bestimmt den Verlauf der Ereignisse. Es wird ihm gelingen, sich in die höchsten Kirchenämter einzuschleichen. Er wird den Geist bedeutender Wissenschaftler zur Erfindung von Waffen verführen, mit denen die gesamte Menschheit in wenigen Minuten ausgelöscht werden kann. Die Politiker in den höchsten Machtpositionen werden dann für die Herstellung ungeheurer Mengen solcher Waffen sorgen...

Ein großer Krieg wird ausbrechen. Feuer und Rauch werden vom Himmel fallen. Das Wasser der Ozeane wird verdampfen und eine Gischt aufsteigen, die alles vernichten und bedecken wird. Millionen und Abermillionen von Menschen werden von Stunde zu Stunde umkommen, und die Überlebenden werden die Toten beneiden. Wohin man auch immer seinen Blick wendet, wird Angst und Elend herrschen, und in allen Ländern werden nur Trümmer zu sehen sein.

Diese Zeit ist nicht mehr fern und der Abgrund klafft immer unüberwindlicher. Die Guten werden zusammen mit den Bösen, die Großen und die Kleinen, die Kirchenfürsten mit ihren Gläubigen und Regierungsoberhäupter mit ihren Völkern ums Leben kommen. Überall werden Tod und Vernichtung aufgrund der Fehler sein, welche von den unbesonnenen Anhängern Satans begangen wurden, der dann tatsächlich über die ganze Welt herrschen wird.

Aber am Ende werden die Übriggebliebenen, denen die Geschehnisse nichts anhaben konnten, von neuem den Ruhm Gottes verkündigen und ihm wieder dienen, wie sie es einst taten, als die Welt nicht der Finsternis verfallen war.“

Papst Johannes Paul II hielt im November 1980 auf dem Domplatz in Fulda bei strömendem Regen eine Ansprache vor Laien und Mitgliedern katholischer Verbände. Als ihm Pilger die Frage stellten: „Was geschah mit dem dritten Geheimnis von Fatima? Sollte es nicht 1960 veröffentlicht werden?“ antwortete der Papst: „Wegen des schweren Inhalts, um die kommunistische Weltmacht nicht zu gewissen Handlungen zu animieren, zogen meine Vorgänger im Petrusamt eine diplomatische Fassung vor. Außerdem sollte es ja jedem Christen genügen, wenn er folgendes weiß: Wenn zu lesen ist, dass Ozeane ganze Erdteile überschwemmen, dass Menschen von einer Minute auf die andere abberufen werden, und das zu Millionen, dann sollte man sich wirklich nicht mehr nach der Veröffentlichung dieses Geheimnisses sehnen... Es ist gefährlich, wenn jemand ... überzeugt ist, dass wir nichts tun können, um das vorhergesagte Unglück zu verhindern... Betet! Betet! und fragt nicht weiter.“

Die Zweifel bleiben

Inzwischen werden beide Quellen vom Vatikan diskreditiert: Emrichs Artikel sei nur Spekulation, heißt es vom päpstlichen Presseamt, und Papst Johannes Paul II habe die Aussage so in Fulda nicht gemacht.

Auch der jetzige Papst, Franziskus, scheint mit Fatima verwoben: Er wird am 13. März gewählt, ein Datum, das an die Marienerscheinungen von Fatima erinnert. Er zeigt wie Johannes Paul II. eine besondere Marienfrömmigkeit. Der Gottesmutter gilt seine erste „Flucht“ aus dem Vatikan am Tag nach seiner Wahl, als er kurzfristig das Gnadenbild in der päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore aufsucht und auch am Grab von Papst Pius V. betet. Bei seinem ersten Angelus auf dem Petersplatz erwähnt er Fatima.

Am 7. April 2013 teilt der Patriarch von Lissabon, José Kardinal Policarpo, der portugiesischen Bischofskonferenz, deren Vorsitzender er ist, mit, dass Papst Franziskus den Patriarchen gebeten hat, sein Pontifikat der Gottesmutter von Fatima zu weihen. Die Weihe wird am 13. Mai, dem 96. Jahrestag der Marienerscheinung, vollzogen.

Diese Hinweise zeigen, dass demnächst vielleicht doch noch Einzelheiten aus dem Dritten Geheimnis ans Licht der Öffentlichkeit kommen könnten. Diese Spekulationen wurden auch genährt durch den Besuch des 97 Jahre alten emeritierten Kurienerzbischofs Loris Capovilla beim Papst. Capovilla war von 1958 bis 1963 der Erste Sekretär von Papst Johannes XXIII. Er hatte zuvor in der Öffentlichkeit über ein Memorandum gesprochen, das Benedikt XVI. für seinen Nachfolger verfasst habe. Bei der Begegnung der beiden Päpste in Castel Gandolfo waren jedenfalls ein Karton voll Dokumente und ein großer, versiegelter Umschlag zu sehen.

Wird das Geheimnis zum 100. Jahrestag gelüftet?

Vatikan-Kenner rätselten: Warum will der Papst im ersten Monat seines Pontifikats ausgerechnet und unter Ausschluss der Öffentlichkeit den einstigen Sekretär von Papst Roncalli sehen? Was ist so dringend? Sprechen die beiden über das Dritte Geheimnis von Fatima? Die zeitliche Abfolge – erst Capovillas Besuch, dann die Bekanntgabe, sein Pontifikat der Gottesmutter von Fatima weihen zu lassen, – deuten darauf hin.

Das war 2013. Inzwischen weiß immer noch niemand, was der Papst denkt oder was er weiß im Zusammenhang mit der Prophezeiung und der Zukunft der Kirche. Doch zum 100. Jahrestag der Erscheinungen, der in wenigen Tagen begangen wird, wird der Vatikan möglichweise die Vorhersagen von Fatima selbst erleben.

Der profundeste Kenner der Erscheinungen von Fatima, Michael Hesemann, hat darüber ein höchst informatives Sachbuch geschrieben. Hesemann, der selbst Zutritt zum Geheimarchiv des Vatikans bekam, erklärt akribisch und mit Quellenangaben untermauert, was vermutlich im Dritten Geheimnis steht: Die Warnung der Gottesmutter vor dem Krieg des »Islamischen Staats« mit seiner internationalen Terrorarmee gegen die westliche Zivilisation, ganz speziell das Christentum und sein Zentrum Rom.

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