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Septemberkinder – eine Rezension

Von Peter Haisenko 

Manche Familiengeschichte zählt zur „großen Literatur“, wenn sie vom „richtigen“ Autor erzählt wird. Susanne Aernecke hat uns nun die Geschichte ihrer Familie geschenkt und wie sie das tut, hat das Zeug, auch zur großen Literatur gezählt zu werden.

Ein Vater, sechs Kinder und ebenso viele Mütter. Das allein sollte schon für spannende Unterhaltung sorgen. Aber es ist noch besser. Dieser Vater war Kapitän zur See. Susanne Aernecke folgt den Spuren ihres Vaters, lernt diesen erst im reiferen Alter überhaupt kennen und begibt sich mit ihm zusammen auf eine Reise nach Südamerika. Natürlich auf seinem Schiff.

Jahre später, der Vater ist bereits verstorben, macht sich Susanne zusammen mit ihrer älteren Schwester auf die zweite Seereise, wieder nach Südamerika. Geschickt und unterhaltsam verflicht sie die Gegenwart mit den Rückblicken auf die Schicksale ihrer Schwestern. Wen interessiert´s, könnte man fragen. Ja, es wäre vielleicht ein überflüssiges Buch, wenn uns Susanne nicht erhellende Einblicke in die Zeit nach dem Krieg gäbe. Was sie über die verworrenen Pfade der Nachkriegsgenerationen erzählt, geht irgendwie jeden von uns etwas an.

Mit viel Einfühlungsvermögen beschreibt sie, wie der Vater, traumatisiert vom Krieg, nicht in der Lage war, eine emotional stabile Familie zu leben. Der Kapitänsberuf hat verschleiert, dass er wahrscheinlich auch in einem anderen Beruf kein wirklich stabiles Leben hätte führen können. In diesem Sinn ist dieses Buch sehr hilfreich für Alt und Jung zu verstehen, warum ihre Eltern- und Großelterngeneration oftmals nicht in der Lage waren, ihren Kindern wirklich gute Eltern zu sein. Jedenfalls in dem Sinn, was wir heute darunter verstehen. Dieses Buch weckt Verständnis für eine traumatisierte Generation aus einer Zeit, als es noch keine „Kriseninterventionsteams“ gab. So ist es nicht nur für die ältere Generation ein wichtiges Buch, auch für Teens und Twens und berührt wohl jeden an manchen Stellen.

Nein, dieses Buch ist nicht schwermütig. Im Gegenteil gelingt es Susanne, mit einer gewissen Leichtigkeit in an sich traurigen Trennungen und Verlusten auch etwas Gutes zu sehen. Mit derselben Leichtigkeit erzählt sie vom Leben auf See, wie die aus vielen Nationen zusammengewürfelten Crews aus wochenlangen Reisen auf hoher See das Beste machen; wie ein guter Kapitän der „Vater“ für seine Männer sein kann. Der Leser darf erfahren, was sich auf den großen Schiffen abspielt, die uns fortlaufend mit wichtigen Gütern aus aller Welt versorgen. Allein diese Einblicke machen dieses Buch schon lesenswert.

Mit einer gewissen Zurückhaltung hatte ich mir dieses Buch vorgenommen. Eine Familiengeschichte? Was geht mich das an? Aber Susanne Aernecke versteht es, den Leser schon nach wenigen Seiten in die Geschichte hineinzuziehen und es wird wohl nicht nur mir so gehen, dass ich ihr Werk in zwei Tagen verschlungen habe. Man merkt an Stil und Aufbau, dass Aernecke vom Fach ist. Immerhin hat sie sich bereits einen Namen gemacht mit viel beachteten Dokumentarfilmen, aus der ganzen Welt. Septemberkinder ist nicht nur unterhaltsam. Wenn man es gelesen hat, versteht man die Welt besser und dann weiß man auch, warum alle Kinder des Kapitänsvaters im September zur Welt gekommen sind. Ich empfehle Septemberkinder vorbehaltlos.

Erschienen bei Dumont für € 11,99. Im Buchhandel oder direkt hier.

Infos

Susanne Aernecke
Septemberkinder
Eine Kapitänstochter auf den Spuren ihres Vaters
288 Seiten, E-Book Adobe DRM

EUR 11,99 [D] / 19,00 sFr.
Erstverkaufstag: 12.03.2015
ISBN 978-3-8321-8856-6