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PID und der Wille Gottes

Philosophisches Feuilleton von Peter Haisenko

Als der Teufel noch ein kleiner Bub war und ich ein junger Mann, hat ein gehfauler Freund einen Ausspruch getan, der zwar scherzhaft gemeint war, aber mich in seiner Tiefe mein ganzes Leben begleitet hat: „Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass wir zu Fuß gehen, dann hätte er uns nicht den Motor gegeben.“ In diesem Satz ist alles enthalten: Der Glaube an einen Gott und die Möglichkeit, dass es einen Teufel gibt – und das macht alles schwierig.

Solange man davon ausgeht, dass es, wenn überhaupt, nur einen Gott gibt und dieser grundsätzlich unser Bestes will, muss man nicht groß nachdenken. Alles, jede Form der Technik und jedes Produkt menschlichen Geistes kann dann (immer auch? oder nur?) gut sein. Angesichts schrecklicher Waffen und des Elends auf dieser Welt muss man jedoch zweifeln. Oder nicht? Gibt es einen Teufel – das Böse – oder können wir nur nicht das Gute in Gottes unergründlicher Weisheit erkennen?

In der Annahme selbst, dass es einen Teufel gibt, steckt schon der Teufel: Wie und wer könnte oder wollte entscheiden, welches Werk des Teufels ist? Ist ein behindertes Kind eine teuflische Strafe oder eine Hilfe Gottes, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen? Oder ist es gar eine Strafe Gottes, die uns aber gleichzeitig in unserer Entwicklung unterstützen soll? Würde ein guter Gott überhaupt strafen? Ich fürchte, es gibt das Böse und bin damit mitten in dem großen Dilemma: Wie können wir erkennen, was wirklich gut oder böse ist?

Am Beispiel der Diskussion um die PID (Prä Implantations Diagnostik) kann man den billigsten und damit dümmsten aller möglichen Wege sehen. Ein klares Jein. Ein bisschen PID schon, aber nur nach strengen Regeln. Wie man weiß, werden diese Regeln wieder einmal nicht gelten können, sobald sie mit genügend Geld ausgehebelt werden. Und wo ist der Unterschied zwischen einer Fruchtwasseruntersuchung und PID? Ich denke, auch in diesem Fall setzt die Diskussion am falschen Zeitpunkt an.

Wenn man schon Implantationstechnologie überhaupt zulässt, ist die Frage von PID eigentlich schon geklärt. Der Mensch greift mit seiner Technik ein und macht etwas möglich, was die Natur von sich aus nicht vorgesehen hat. Dabei können Fehler gemacht werden und wenn die Möglichkeit existiert, fehlerhafte Exemplare menschlicher Kunst auszusortieren, dann muss konsequenterweise auch diese Möglichkeit genutzt werden. Das ist vergleichbar mit der Fertigkeit ein Feuer zu entzünden, dieses aber so zu kontrollieren, dass es nur wärmt und nicht das Haus entzündet.

Gerade bei der Entstehung neuen menschlichen Lebens oder der Verhinderung desselben sind die Standpunkte selten konsequent rational. Auch ohne PID wird hier andauernd massiv in die natürlichen Vorgaben eingegriffen. Auf der einen Seite werden gesunde Föten abgetrieben und auf der anderen werden Schwangerschaften mit größtem Aufwand künstlich hergestellt. Wie ist das nun mit dem Willen Gottes? Ist es sein Wille, wenn ein Kind abgetrieben wird, weil er uns die Fähigkeit dazu gegeben hat? Oder könnte es der Wille Gottes sein, dass „Supermenschen“ mit Hilfe von PID und Gentechnik kreiert werden, weil er uns auch dazu die Fähigkeit verliehen hat? Wo ist die Grenze zwischen Gut und Böse und wer will sich anmaßen, hier ein endgültiges Votum abzugeben?

Ich kann und will das nicht. Auch ein Plebiszit hilft hier nicht weiter, wie das tägliche Leben beweist. Die Menschen benutzen täglich den Motor, das Auto, obwohl dadurch täglich viele Menschen sterben. Vielen wird das Leben erhalten, weil wir Techniken der lebensrettenden Medizin erlernt haben. Was ist denn nun der Wille Gottes? Ist es die giftige Pflanze, die töten kann oder lebensrettende Medizin sein kann?

Ich denke, es ist am Menschen selbst, mit den Geschenken Gottes oder den Versuchungen des Teufels so umzugehen, dass er sich guten Gewissens am Abend zur Ruhe legen kann. Das muss jeder sorgfältig für sich selbst entscheiden, damit der Teufel nicht ein ausgewachsenes Monster wird.

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