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Multitasking – Wer angibt, hat’s nötig

Von Hubert von Brunn

In unserer überdrehten, atemlosen, am Rande des Kollaps‘ schlingernden Welt gibt es gibt es Worte und Begrifflichkeiten, die mich auf den ersten Blick stutzig machen. Bei genauerem Hinsehen und darüber Nachdenken, was denn der tatsächliche Sinn dahinter ist, finde ich diese Worte abscheulich, sie widern mich an. Einer dieser Begriffe ist „Multitasking“. In dem Falle ist es mir recht, dass es ein englischer Begriff ist, weil in der deutschen Sprache kein einzelnes Wort für diese Idiotie zur Verfügung steht. Im Deutschen muss man „Multitasking“ umschreiben: mehrere Dinge gleichzeitig tun. Fernsehen, essen, telefonieren… Weil wir ja alle so furchtbar beschäftigt sind und es uns nicht leisten können, nur eine Sache zu erledigen. Was für ein Schwachsinn!?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus meinem eigenen Erleben. Man hatte mich eingeladen zu einem Gespräch, weil man sich vorstellte, dass ich meine journalistische Kompetenz für ein bestimmtes Projekt einbringen könnte.

Ich bin pünktlich zum vereinbarten Termin erschienen. Als ich den Raum betrat, saß da ein Mann (wie sich später herausstellte, der Oberhäuptling für dieses Projekt) an einem großen Tisch mit dem Rücken zu mir und beschäftigte sich mit seinem Laptop. Sein Mitarbeiter begrüßte mich immerhin, wies aber sogleich darauf hin, dass es unheimlich viel zu tun gäbe, und man dieses Pensum nur schaffen könne, wenn man multitaskingmäßig unterwegs sei. Das sah dann in etwa so aus: Der Oberhäuptling ließ keine Sekunde von seinem Laptop ab, telefonierte gleichzeitig mit seinem Handy, biss dazwischen in die Käsestulle, um sich mit vollem Mund dann doch auch einmal an mich zu wenden, gab der herbeigerufenen Sekretärin Anweisungen, beauftragte den Mitarbeiter, für Tee-Nachschub zu sorgen und war dann wieder bei seinen E-Mails. Multitasking! Großartig?

Ganz und gar nicht. Ein solches Verhalten ist respektlos, arrogant und unproduktiv. Ich habe mich nach einer halben Stunde verabschiedet – so viel Multitasking ertrage ich nicht, und das und das großartige Projekt ist – soweit ich es bis heute nachvollziehen kann – kläglich gescheitert. Wundert mich nicht, denn der Oberhäuptling hat ein paar ganz wichtige Spielregeln nicht eingehalten, bei mir und ganz bestimmt auch bei anderen:

  1. Jeder Mensch, der dir gegenüber sitzt, ist in dem Moment der wichtigste. Ganz egal wie lange das Gespräch dauert und worum es geht. Erst recht, wenn du ihn eingeladen hast. Gegenseitiger Respekt und Wertschätzung sind unabdingbare Voraussetzung für jedes konstruktive Gespräch.

  2. Multitasking ist ein Ausdruck mangelnder Disziplin. Wenn du dein Zeitmanagement im Griff hast, musst du nicht fünf Dinge auf einmal tun.

  3. Multitasking provoziert Fehler. Konzentriere dich auf das, was du jetzt tust, und sei mit ganzem Herzen dabei. Nur dann wirst du wirklich begreifen, was dein Gegenüber zu sagen hat und angemessen darauf reagieren können. (Quidquid agis, prudenter agas et respice finem – Was immer du tust, tue sorgfältig und bedenke das Ende).

  4. Multitasking ist nichts als Imponiergehabe. Eine Seuche derer, die sich für furchtbar wichtig halten, letztendlich aber nichts zu bieten haben außer lauwarmer Luft. Menschen, die wirklich gut sind und etwas zu sagen haben, brauchen das nicht. Sie wissen das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden und schenken dem Wichtigen für eine bestimmte Zeit ihre volle Aufmerksamkeit.

Machen Sie diesen Irrsinn nicht mit. Bleiben Sie bei sich und tun Sie das, was Sie tun, stets mit voller Hingabe. Nur so werden Sie erfolgreich sein. Wie ich es in meinem Buch „Jenseits des Regenbogens“ beschrieben habe: Vision + Aktion x (lustvoller Hingabe) = Glück. Diese Formel stimmt, probieren Sie es aus!

Und lassen Sie sich von Mr. oder Mrs. Wichtig-Wichtig nicht degradieren. Wenn Sie in eine Situation geraten, wie oben beschrieben – gehen Sie! Das haben Sie nicht nötig. Multitasking ist der Tod der Wertschätzung, und ohne gegenseitige Wertschätzung geht gar nichts.

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