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Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst geriert sich wie ein Renaissancefürst – vor 600 Jahren hätte es geklappt

Von Hubert von Brunn

Die Wurzeln der von Brunn’schen Sippe, der ich entstamme, reichen zurück bis in das frühe 12. Jahrhundert. Von ihrem Stammsitz, der Wasenburg im Elsass, aus betrieben sie das einträgliche Geschäft der Raubritter. So kamen sie zu Reichtum und Ansehen und konnten es sich leisten, einigen männlichen Nachkommen klösterliche Erziehung und damit Bildung angedeihen zu lassen. Manch einem gelang es dann sogar, mit politischem Geschick, Geld und der nötigen Portion Rücksichtslosigkeit in die oberen Etagen der Macht vorzudringen. So der Fürstbischof Johann II. von Brunn, der von 1411 bis 1440 auf der Marienfeste in Würzburg residierte und dort sein Unwesen trieb. Und was hat der Limburger Bischof des 21. Jahrhunderts Franz-Peter Tebartz-van Elst mit dem seligen Johann von Würzburg zu tun? Schau ma mal.

Eines sei vorneweg gesagt: Johann war alles andere als ein gottesfürchtiger, frommer Mann. Er war im Gegenteil ein gnadenloser, raffgieriger Despot, dem jedes Mittel recht war, um seine Feinde auf Distanz zu halten (wie sonst konnte er es schaffen, 29 Jahre als Fürstbischof zu regieren?), seine Macht zu festigen und seinen Reichtum zu mehren. Während er auf seiner Burg ein luxuriöses Leben in Völlerei und Hurerei pflegte, scherte er sich einen Dreck darum, wie es den braven Bürgern unten in der Stadt erging, und erst recht, wie die armen Bauern, die seine weitläufigen Ländereien bewirtschafteten, über die Runden kamen. Sie hatten ihren Zehnten abzugeben (wenn in Johanns Schatulle wieder einmal Ebbe herrschte, auch noch mehr) – alles andere war ihm schlicht egal.

600 Jahre – und kein Bisschen weise?

Na, schon gewisse Parallelen entdeckt? – Man darf diese beiden Gottesmänner im Dienste der Katholischen Kirche natürlich nicht 1 : 1 vergleichen. Das verbietet sich und wäre ungerecht. Johann muss man auch als Kind seiner Zeit (ausgehendes Spätmittelalter – beginnende Renaissance) verstehen. Dort gab es nur ein brutales Unten und Oben, und wer es geschafft hat, nach oben zu kommen, hat sich genommen, was er brauchte. (Der Borgia-Papst Alexander VI. hat diese wenig menschenfreundliche Vorgehensweise knapp hundert Jahre nach Johann bis zum Exzess durchgezogen.)

Die Gläubigen damals hatten keine Wahl: Entweder als devoter Katholik einigermaßen überleben, oder als Ketzer auf dem Scheiterhaufen enden. Die Konkurrenzlosigkeit in Glaubensfragen (die Protestanten gab es noch nicht), inklusive der Inquisition mit ihren schmerzhaften Konsequenzen für alle Abweichler, bedeutete für die Hüter des Glaubens im Lande natürlich einen außerordentlichen Vorteil. Umgekehrt konnten die Kirchenfürsten wie Johann weder auf Kirchensteuern zurückgreifen, noch auf üppige Monatsgehälter und sonstige Privilegien, die von der Öffentlichen Hand, also von der Gesamtheit der Bevölkerung in ihrem Bistum, finanziert wurden. Für ihr prunkvolles, üppiges Leben mussten sie schon selbst sorgen. Dabei hatte Johann bei allem Despotismus sogar noch eine gewisse soziale Ader. In einem so genannten „Mädelshaus“ in der Nähe von Würzburg hat er 13 (überliefert) von ihm geschwängerte Frauen und deren Nachkommen unterbringen und versorgen lassen.

Insofern liegen zwischen dem Limburger Bischof Franz-Peter und dem Würzburger Fürstbischof Johann II. natürlich Welten – genau genommen 600 Jahre. Der Franz-Peter hat ein gesichertes Monatseinkommen von mindestens 8.000 € (plus Dienstwagen mit Chauffeur und noch ein paar andere Vergünstigungen), wohnt mietfrei, bekommt für bestimmte Ausgaben rd. 200 Mio. €/jährlich Kirchensteuern, und der Bischofsstuhl von Limburg verfügt über ein Vermögen von rd. 100 Mio. €. Mit dieser Ausstattung sollte es einem Single (ohne Kinder, soweit bekannt) schon möglich sein, ein auskömmliches und durchaus angenehmes Leben zu führen.

Aber Franz-Peter reichte das nicht, er wollte mehr. Er wollte seinem Amt den prunkvollen Rahmen geben, den er meinte, der ihm gebührt. Er wollte, dass seine „Schäfchen“ bewundernd zu ihm empor blicken und voller Ehrfurcht zu Boden sinken, wenn er das Wort erhebt. Diese egoistische, überhebliche, prunksüchtige Haltung ist es, die Franz-Peter mit Johann verbindet. In seinem Denken, Fühlen und Agieren ist er einem klerikalen Renaissancefürsten sehr viel näher als einem Armut, Bescheidenheit und Menschenliebe predigenden (und diese Vorgaben selbst lebenden) Papst Franziskus in Rom. Wäre Franz-Peter vor 600 Jahren in Amt und Würden gekommen, hätte er sich vermutlich kaum anders verhalten als Johann II. – und das war ein wirklich schlimmer Finger.

Vermögensverwaltungsrat und Medien – Versagen auf der ganzen Linie

Ganz allein verantwortlich ist Franz-Peter für das Desaster, das er angerichtet hat, natürlich auch nicht. Wo war denn der Vermögensverwaltungsrat in Limburg, der doch darüber wachen sollte, dass die Kosten für den Um- und Ausbau der bischöflichen Residenz nicht ins uferlose wachsen? Inzwischen 40 statt der ursprünglich veranschlagten 2,5 Mio. € – das ist doch skandalös. Selbst wenn der Bischof die Mitglieder dieses Aufsichtsgremiums mit falschen Informationen gefüttert und manche angeblich sogar bedroht haben sollte – diese Leute haben Augen im Kopf (und die Inquisition ist abgeschafft). Also hätten sie doch spätestens als 10 Mio. € Baukosten im Raum standen, die Reißleine ziehen müssen und sagen: So nicht! Nicht mit uns! Genau das aber haben sie nicht getan, und damit tragen sie eine Mitschuld an dem Schaden, den Franz-Peter der Katholischen Kirche (nicht nur) in Deutschland zugefügt hat.

Und wo waren die lokalen/regionalen Medien? „Frankfurter Neue Presse“, „Nassauische Neue Presse“, „Nassauer Tageblatt“ und gewiss noch etliche andere Prints, plus Radio und TV? Da gehen doch täglich Reporter durch die Stadt auf der Such nach interessanten Stories – aber was sich da um den prunksüchtigen Bischof abspielte, haben sie übersehen? Oder nicht sehen wollen? Oder nicht sehen dürfen? – Diese Fragen müssen auch einmal gestellt werden, denn wozu ist die lokale Presse denn da? Hätten all diese lokalen/regionalen Medien rechtzeitig Alarm geschlagen, hätte Franz-Peter keine 40 Mio. € verpulvern und der Vermögensverwaltungsrat davor seine Augen nicht verschließen können.

Armes Limburg, armer Papst

Jetzt haben die Limburger eine Bischofsresidenz mit eigener Kapelle, Lichthof und Marien-Garten, mit Doppeldusche, Designerbadewanne, Sauna, Bidet (!) und jeder Menge Einbauschränke in den Privatgemächern – und womöglich bald keinen Bischof mehr, der das Erbe von Franz-Peter in diesem Ambiente antreten möchte. Denn dass sich dieser dort nicht mehr lange wird aufhalten können, liegt auf der Hand. Papst Franziskus muss reagieren und seinem Limburger Untergebenen den Rücktritt nahelegen, wenn er nicht will, dass die Portale des Limburger Doms bald verschlossen werden, weil es keine Katholiken mehr gibt, die zum Gottesdienst kommen.

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Ciao Papa

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