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Migranten in Europa – und das historisch gestörte Verhältnis Polens zu Flüchtlingen

Von Peter Haisenko 

Allenthalben herrscht Empörung darüber, dass Polen keine Flüchtlinge aufnehmen will. Wer sich aber mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts einigermaßen auskennt, erlebt diesbezüglich ein dejà vu. Ist es doch eine historische Tatsache, dass Polen schon in den Jahren zwischen den großen Kriegen sein Territorium „rasserein“ polnisch halten wollte und dementsprechend „unfreundlich“ mit allen Nichtpolen umgegangen ist. 

In den Verträgen von Versailles wurde das Staatsgebiet Polens neu bestimmt. Die Siegermächte – und hier allen voran das British Empire – haben Warschau ein Territorium zugeteilt, das eine Vielfalt an Ethnien beherbergte: Deutsche, Juden, Balten, Weißrussen und Ukrainer, um nur die größten zu nennen. In denselben Verträgen verpflichtete sich Polen, für diese einen Minderheitenschutz zu garantieren. Daran hat sich Polen nie gehalten. Im Gegenteil wurde alles unternommen, um nicht-polnische Ethnien zu vertreiben oder sogar auszulöschen, zumindest deren Kultur.

Bevor hier irgendjemand auf die Idee kommt, ich würde anti-polnische Propaganda betreiben, zitiere ich Lord Noel-Buxton, der am 15. Juni 1932 seinen Bericht dazu dem britischen Oberhaus präsentierte: ( Auszug aus dem Buch: „England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“)

Erschütternder Zustandsbericht aus Polen von einem englischen Lord

In den letzten Tagen sind auf den Tagungen des Rats des Völkerbundes wichtige Fragen, die die nationalen Minderheiten betreffen, behandelt worden. Vor allem wurde auf der Januartagung ein Bericht verhandelt, der sich mit der sogenannten Terrorisierung beschäftigte, die im Herbst 1930 in der Ukraine stattgefunden hat. ... Assimilierung durch Zerstörung der Kultur ist an der Tagesordnung. ... Aus dem Korridor und aus Posen sind bereits nicht weniger als eine Million Deutsche seit der Annexion abgewandert, weil sie die Bedingungen dort unerträglich finden. ... Im polnischen Teil Ostgaliziens wurden vom Ende des Krieges bis 1929 die Volksschulen um zwei Drittel vermindert. In den Universitäten, in denen die Ukrainer unter österreichischer Herrschaft elf Lehrstühle innehatten, besitzen sie jetzt keinen, obwohl ihnen 1922 von der polnischen Regierung eine eigene Universität versprochen worden war.

In dem Teil der polnischen Ukraine, der früher zu Russland gehörte, in Wohlhynien, sind die Bedingungen noch härter: Hier gibt es ein umfangreiches System der Kolonisierung durch frühere Soldaten, und diese Leute verfolgen ihre Nachbarn in einer aüßerst bedauernswerten Weise. ... In der ganzen Ukraine gibt es überdies das System der polizeilichen Verfolgung. ... Wir können in diesem Zusammenhang eine besonders beklagenswerte Tatsache nicht beiseite lassen, nämlich die Folterung von Gefangenen in Gefängnissen und von Verdächtigen, die sich die Ungnade der polnischen Behörden zugezogen haben. Überzeugende Beweise dafür, dass in solchen Fällen mittelalterliche Foltern angewandt werden, liegen zu meinem Bedauern vor.

Diese Darstellungen wurden im Völkerbund durch Lord Cecil als Delegiertem der britischen Regierung als das Gewissen der Menschheit erschütternd bezeichnet. Sie sind vom Rat nicht untersucht worden, wie das hätte erfolgen müssen. ... Ich möchte eure Lordschaften an ihre Not erinnern durch Verlesung der Worte eines ausgezeichneten Rechtsgelehrten, ... Sir Walter Napier, der folgendes schrieb: „Die Führer des Dorfes wurden umringt, in eine Scheune getrieben, entkleidet, niedergeschlagen und mit dicken Stöcken, die zum Dreschen gebraucht werden, geschlagen. Ärzten war es verboten, von den Städten in die Dörfer zu gehen. Und die Bauern, die den Versuch machten, sich zur Behandlung in die Städte zu begeben, wurden durch die Polizei zur Umkehr gezwungen.“ ... Wir dürfen nicht vergessen, dass Polen ganz besonders Ursache hat, diese Verträge zu beachten, denn die ihm zugestandenen Annexionen wurden ihm unter der Bedingung zugestanden, dass es diesen Gebieten Autonomie gewährt. Diese Bestimmung wurde von der Botschafterkonferenz 1923, in der unser Land führendes Mitglied war, aufgestellt. ... “

Polnisch-ukrainische Freundschaft hat es nie gegeben

Der Umgang der polnischen Regierung mit (polnischen) Juden bedarf einer eigenen Würdigung. Marschall Pilsudski stand Hitler in Nichts nach, was seine Pläne mit diesen anbelangte. Er wollte alle ausweisen und das betraf immerhin 2,5 Millionen Menschen. Juden wurden in Polen derart schlecht behandelt, dass bis 1939 557.000 ihr Heil in der Flucht nach Nazi-Deutschland suchten. Wer ausführlicheres und weitere Belege über diesen skandalösen Vorgang erfahren möchte, dem sei das Buch “England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert” empfohlen.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs erreichte die Feindschaft zwischen Polen und Ukrainern einen neuerlichen Höhepunkt. Nicht nur, dass sich polnische und ukrainische Partisanen aufs Blut bekämpften, sondern die West(!)-Ukrainer, dieselben, die heute Krieg gegen die russischstämmigen Landsleute im Osten Krieg führen, haben die Gelegenheit wahrgenommen, nach Abzug der Wehrmacht 60.000 Polen umzubringen. Wenn ich also im Zuge der Ukraine-Krise Polen oder Ukrainer von einer polnisch-ukrainischen Freundschaft sprechen höre, kann ich nur den Kopf schütteln. Eine polnisch-ukrainische Freundschaft hat es nie gegeben, das Wort an sich ist ein Oxymoron.

Die Polen haben gewählt – jetzt müssen sie damit klarkommen

Ja, es ist sehr wichtig, auch über Teile der Geschichte informiert zu sein, die in der deutschen Geschichtsschreibung keine Erwähnung finden. Polen hat während der letzten einhundert Jahre immer eine zweifelhafte Rolle gespielt. Angesichts der oben angerissenen Fakten empfinde ich es immer als besonders ekelhaft, wenn sich polnische Politiker als Moralapostel gegenüber Deutschland aufspielen. Auch im Hinblick darauf, dass nach 1945 während der von den Alliierten angeordneten Vertreibung allein durch polnische Hand mindestens drei Millionen Deutsche grausam ermordet worden sind. Auch dazu können Sie in oben genanntem Buch weitere Einzelheiten erfahren.

Wer sich also heute darüber wundert oder gar echauffiert, dass Polen kategorisch jede Zuwanderung von Flüchtlingen verweigert, der hat eben keine Ahnung von der Geschichte dieses Landes und seiner ultra-nationalistischen Grundeinstellung. Die letzten Wahlergebnisse spiegeln das deutlich wieder. So wenig ich den ehemaligen und neuerlichen Staatschef Kaczyński und dessen politische Richtung mag, so sehr lehne ich es ab, dass sich Brüssel jetzt aufregt über die demokratische Entscheidung der polnischen Bürger. Ja, auch das gehört zur Demokratie, dass Entscheidungen gefällt werden, die anderen Staaten nicht genehm sind. Gerade als Demokrat muss man das hinnehmen, ohne revisionistische Massnahmen anzudrohen. Schließlich hat das Volk – demokratisch – seinen Willen kundgetan. Dass jetzt dort viele auf die Straße gehen und gegen bestimmte Entscheidungen der mit großer Mehrheit gewählten Regierung demonstrieren, ist auch demokratisch und es ist allein Sache der Polen, mit dem von ihnen herbeigeführten Wahlergebnis zurechtzukommen.

Welcher Migrant will freiwillig nach Polen?

Millionen polnischer Bürger haben ihr Land verlassen, vorübergehend oder dauerhaft, auf der Suche nach einem besseren Leben. Begeben wir uns nun in die Gedankenwelt der Migranten aus dem Nahen und Mittleren Osten auf dem Weg nach Europa, dann können wir nicht umhin festzustellen, dass bei diesen eine ähnliche Motivation existiert, wie bei denjenigen Polen, die selbst ihrem Land den Rücken gekehrt haben. Wie sinnvoll kann es also sein, diese nach Polen senden zu wollen? Wie erfolgversprechend kann der Versuch bewertet werden, Migranten in Polen zu integrieren? Welchen Sinn kann ein Migrant darin sehen, die (nicht einfache) polnische Sprache zu erlernen, mit der er nirgendwo außerhalb Polens etwas anfangen kann? Ist es nicht mehr als wahrscheinlich, dass ein kontingentmäßig nach Polen expedierter Migrant die europäische Freizügigkeit nutzen und dieses Land sofort wieder verlassen wird – sehr wahrscheinlich Richtung Deutschland?

Welche Realitätsverweigerung muss dem Denken von Politikern zugrundeliegen, die Staaten zwingen wollen, Flüchtlinge oder Migranten aufzunehmen, gegen deren erklärten Willen? Und zwar von beiden Seiten. Merkels “Willkommenskultur” wird nicht nur dort, sondern auch in Deutschland selbst kaum mehr von einer Mehrheit getragen – und die Befürworter werden Tag für Tag weniger. Es kann also keinesfalls sinnvoll sein, Staaten zur Aufnahme von Zuwanderern zwingen zu wollen. Damit wird niemandem geholfen. Die Totalverweigerung Polens (und anderer osteuropäischer Staaten), sich in irgendeiner Weise für eine Lösung des Migranten-Problems mit einzubringen, dabei aber weiterhin Gelder aus der EU-Kasse kassieren zu wollen, steht auf einem anderen Blatt. Ein Indiz mehr für die Feststellung, dass die immer wieder gebetsmühlenartig wiederholte Floskel einer gesamteuropäischen Lösung nur eine die Wahrheit verschleiernde Chimäre ist. Gerade im Fall Polens wird der Irrsinn am deutlichsten sichtbar. Zumindest für jene, die auch die Teile der Geschichte des 20. Jahrhunderts kennen, die bei uns eben nicht in der Schule gelehrt werden dürfen.

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England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert 

Seit dem Jahr 2015 darf offen über Verbrechen der Alliierten gegen Deutschland gesprochen werden. Über Millionen Tote auf den Rheinwiesen genauso wie über Vergewaltigungen durch amerikanische Soldaten. Immer noch tabuisiert ist dagegen die Tatsache, dass in Polen und der Tschechoslowakei (ohne die Slowakei!) nach dem 8. Mai 1945 mindestens sechs Millionen Deutsche umgebracht worden sind. Das Buch “England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert” hat nicht nur diese Tabus gebrochen, es belegt auch, dass es keinesfalls das Deutsche Reich gewesen sein kann, das den Ersten Weltkrieg wollte oder angezettelt hat. Im Buchhandel oder direkt zu bestellen beim Verlag hier.

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