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Kriminelle Machenschaften zwischen Pharma-Industrie und Ärzten

Von Hubert von Brunn 

„Anwendungsbeobachtung“ – was für ein kurioses Wortgebilde? Ähnlich wie damals „Abwrackprämie“, nur um ein Vielfaches verlogener. Da verschreiben hauptsächlich niedergelassene Ärzte – eine Berufsgruppe also, die per se nicht gerade zu der einkommensschwächsten in unserem Lande zählt – sündhaft teure Medikamente, deren wissenschaftlicher bzw. therapeutischer Nutzen höchst fragwürdig ist oder, noch schlimmer, deren Unwirksamkeit längst bewiesen ist. Aus reiner Profitgier brechen diese „Götter in Weiß“ den Eid des Hippokrates, missbrauchen ihre Patienten und betrügen die Krankenkassen – und damit uns alle.

Rund 100 Millionen Euro jährlich lässt sich die mächtige Pharma-Industrie – verteilt auf rd. 17.000 Medizinern – diesen staatlich sanktionierten Betrug kosten. Die Zahlen kommen aus seriöser Quelle, nämlich der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, wo die umstrittenen „Anwendungsbeobachtungen“ gemeldet werden müssen, ebenso wie bei den Krankenkassen. Alle, die etwas von der Materie verstehen und Einblick in diese dubiosen Geschäfte haben, plädieren entschieden dafür, dass diesem Betrug am Patienten und an den Krankenkassen ein Ende gesetzt wird. Jürgen Windeler beispielsweise, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), konstatiert, dass Anwendungsbeobachtungen „keinerlei Informationen über den Nutzen und die Wirksamkeit eines Medikaments“ brächten. Und Transparency International fordert seit langem, diese „legalisierte Korruption“ zu verbieten. Was passiert? Nichts!

Pseudostudien für Ärzte, die den Hals nicht voll bekommen

Nicht selten entdecken Medizinprüfer wie Windeler pseudowissenschaftlichen Unsinn, etwa wenn ein Pharma-Unternehmen 2009 und 2010 die Wirksamkeit eines Vitamin-C-Präparats „bei Patienten mit viralen Infektionskrankheiten“ hat beobachten lassen. Das Ergebnis dieser Studie könnten sogar Nichtmediziner einigermaßen gesichert voraussagen. Dass der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) die Kritik an den Anwendungsbeobachtungen entschieden zurückweist, verwundert nicht. Ebenso klar ist, dass diese Pseudostudien bei den Ärzten, die den Hals nicht voll bekommen können, natürlich weiterhin sehr beliebt sind. Hinter diesen mafiösen Strukturen steckt die außerordentlich potente und einflussreiche Pharma-Lobby, offensichtlich mächtig genug, dass staatliche Stellen keine Notwendigkeit erkennen, diesem kriminellen Treiben ein Ende zu setzen.

Wenn man das Beispiel mit dem Vitamin-C-Präparat noch als lächerliche Farce abtun könnte, gibt es andere Fälle, die jedem Versicherten – und das sind wir alle, egal ob gesetzlich oder privat – die Zornesröte ins Gesicht treiben. So wurde berichtet (Berliner Morgenpost vom 11. März 2016), dass mithilfe von Anwendungsbeobachtungen vor allem Medikamente in den Markt gedrückt werden sollen, die im Verdacht stehen „Scheininnovationen“ zu sein. Weiter heißt es dort, dass im Zeitraum von 2009 bis 2014 mehr als 20.000 Patienten im Rahmen einer Anwendungsbeobachtung das (teure) Antidepressivum „Valdoxan“ nehmen sollten. Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen dafür im Jahr 2013: 44,5 Millionen Euro. Die wesentlich günstigere Alternative wäre das gleichwertige „Venlafaxin AbZ“ gewesen. Hätten die beobachtungswilligen Ärzte dieses Mittel verordnet, hätten die Krankenkassen 35,9 Millionen Euro einsparen können. – Aber dann hätten unsere notleidenden Docs an der Stelle auf ihre lukrativen Nebeneinkünfte verzichten müssen. Und wer will das schon? – Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bringt es auf den Punkt: „Der Patient bekommt nicht das Produkt, das besser für ihn wäre, sondern das, an dem der Arzt besser verdient.“ Wie kann da noch von einem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient die Rede sein?

Die USA als Vorbild für echte Transparenz

Mir fallen nicht allzu viele Beispiele ein, in denen ich den USA eine Vorbildfunktion zubilligen könnte. Hier ist eines: Ein Teil der von Barack Obama angeschobenen Gesundheitsreform ist der so genannte „Sunshine Act“. Dieser schreibt zwingend vor, dass jeder Pharma-Konzern jährlich aufzulisten hat, welchem Arzt er wie viel Geld für welche Studien zahlt. Gleichzeitig kann jeder Patient auf der Website des US-Recherchebüros ProPublica den Namen seines Arztes eingeben und überprüfen, auf wessen Gehaltsliste er steht. Das nenne ich einmal Transparenz im Interesse des Bürgers. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt. Die Mitglieder des vfa haben angesichts der immer lauter werdenden Kritik an ihrem verwerflichen Tun jetzt angekündigt, noch in diesem Jahr ihre Zuwendungen offenzulegen. Sollte sich in den Köpfen deren, die diese Schweinereien zu verantworten haben, doch noch so etwas wie Skrupel oder gar Verantwortungsbewusstsein für Kassenpatienten eingeschlichen haben?

Schön wär’s, aber diese Ankündigung ist ein schlechter Witz. Die Namen der an „Anwendungsbeobachtungen“ mitwirkenden Ärzte sollen nämlich nur mit deren Zustimmung veröffentlicht werden. – Aber ja doch, die werden natürlich reihenweise aufstehen, reumütig ihre Sünden beichten und ein Poster in ihr Wartezimmer hängen, auf dem dann steht: „Ich bekenne, ich bin ein Betrüger, aber ich kann nicht anders, denn ich brauche die Kohle für meine neue Segeljacht“. Die Patienten werden Verständnis dafür haben. – Außerdem will der vfa einzelne Zahlungen an „Forscher“ nicht sichtbar machen, sondern nur Gesamtposten angeben. Ja was ist das denn wieder für eine verlogene Nummer? Unter dem Deckmäntelchen der Forschung wird gelogen und betrogen und niemand an maßgeblicher Stelle schlägt einmal mit der Faust auf den Tisch.

Der Dumme ist der vertrauensselige Patient

Wozu auch? Der Pharma-Industrie geht es blendend, den korrupten Ärzten auch. Der Dumme ist, wieder einmal, der arglose Bürger, der vertrauensselige Patient und der rechtschaffene Arzt, der seinen hippokratischen Eid noch ernst nimmt. Gerade haben die gesetzlichen Krankenkassen ihren Jahresbericht 2015 vorgelegt, der ein Defizit von 1,14 Milliarden Euro ausweist. Im Jahr 2015, heißt es dort, stiegen die Ausgaben der Kassen je Versicherten um 3,7 Prozent. Wesentlichen Anteil daran hatten Arzneimittel mit einem Plus von 1,7 Milliarden Euro (4,6 Prozent). – Ist doch alles kein Problem. Mit einer angemessenen Beitragserhöhung lässt sich das mühelos ausgleichen. Die Kassenpflichtigen können dem nicht entkommen und dafür, dass sie betrogen werden, dürfen sie dann auch noch tiefer in die Tasche greifen. Wunderbar! So geht Demokratie. Wie weit sind wir eigentlich noch von einer Bananenrepublik entfernt?

 


Korruption, Bestechlichkeit und die unbeschränkte Macht des Geldes – all das wird nahezu unmöglich sein, wenn die Humane Marktwirtschaft nach Haisenko/von Brunn das alte System ersetzt hat. So erstaunlich es erscheinen mag, bedeutet das nicht mehr Kontrolle oder Überwachung, sondern Transparenz und größere Freiheit gerade für den „kleinen Mann“. Die Humane Marktwirtschaft wird den Menschen eine Freiheit schenken, die bislang unerreichbar schien. Lesen Sie selbst und entscheiden Sie selbst, ob auch Sie in einer Welt mit der Humanen Marktwirtschaft leben wollen. Im Buchhandel oder direkt vom Verlag hier.

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