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Fehlende Argumente führen zur Flucht in stereotype Dichotomie

Von Peter Haisenko 

Entweder man heißt Migranten willkommen oder man ist ein Fremdenhasser. Man ist Transatlantiker oder Putinversteher. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns, ist unser Feind. Konsensorientierte Diskussion ist Dichotomie gewichen, einer stereotypen Spaltung in Schwarz oder Weiß. Diese Aufteilung wird vornehmlich von einer Seite betrieben, nämlich der, der echte Argumente fehlen und die sich deswegen vor einer ernsthaften Diskussion fürchtet.

Zwischen Hass und Liebe gibt es ein breites Spektrum an Emotionslagen. Die beiden Extreme können selbstzerstörerisch sein und nicht nur deswegen ist ihre Erscheinung in Reinform kein normaler Zustand. Warum also erleben wir heutzutage einen inflationären Umgang mit Hasszuweisungen, insbesondere im Zusammenhang mit Migrationsproblemen? Dazu will ich zuerst auf die Zwischentöne eingehen, die weit entfernt von reiner Liebe oder Hass sind.

Kritische Abwägung wird nicht akzeptiert

Ich mag Frau Merkel nicht. Muss ich sie deswegen hassen? Sicher nicht. Eine derart heftige Emotion hat sie sich noch nicht verdient. Erst wenn sie Deutschland in einen Krieg mit Russland geführt und damit unser Leben zerstört hat, könnte Hass gerechtfertigt sein. Hillary Clinton? Angesichts ihrer Lügen und friedenszerstörerischen Aktionen ist sie sicherlich zu verachten, aber muss man sie deswegen hassen? Ich mag die Vielfalt an kulturellen Bereicherungen wie Restaurants, die Fremde in unser Land gebracht haben. Leben in einer Umgebung, die nahezu vollständig aus einer Parallelgesellschaft besteht und meine kulturelle Identität negiert, will ich jedoch nicht. Bin ich deswegen fremdenfeindlich oder müsste ich mich nun zwischen Hass oder Willkommenskultur entscheiden? Diese Entscheidung wird mir von den Gutmenschen abgenommen. Jeder, der sich auch nur ansatzweise kritisch mit dem Thema Migration auseinandersetzt, wird als fremdenhassender Nazi, mindestens als rechtsradikaler Populist oder Hassprediger diffamiert.

Russland ist aggressiv und Putin die Inkarnation des Bösen. Die Krim wurde annektiert und Russland ist in die Ukraine eingefallen. MH 17 ist von grundbösen Ostukrainern mit einer BUK-Rakete abgeschossen worden, mit Unterstützung aus Russland. – Das ist das Narrativ, dem man sich beugen muss, wenn man sich nicht als Putinversteher diffamieren lassen will. Assad ist ein Schlächter und er hat Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Wer dem widerspricht, wird aus Talkrunden aussortiert oder verliert seinen Arbeitsplatz, wenn er Journalist ist. Wer nicht der Massenpropaganda unserer Leitmedien sein eigenes Denken geopfert hat, weiß, dass nichts vom oben gesagten der Wahrheit entspricht und das ist solide belegbar. In dieser Belegbarkeit liegt das Problem für die Gutmenschen. Sie können sich keiner offenen Diskussion stellen.

Wie sinnvoll ist die Diskussion mit einem Plattenspieler?

Mehrfach habe ich den Versuch unternommen, über diese Themen zu diskutieren. Meist reicht es aus, einfache Fragen zu stellen, um irritierte Sprachlosigkeit zu erzeugen. Wann ist Russland in die Ukraine eingefallen? Inwiefern ist Russland aggressiv? Warum hat niemand Klage vor dem Gerichtshof in Den Haag erhoben wegen der angeblichen Annexion der Krim? Warum haben die USA und die Ukraine die Herausgabe von angeblichen Beweisen zum Abschuss der MH 17 verweigert? Was hat Putin getan, das es rechtfertigen könnte, ihn zum neuen Hitler zu erklären? – Wer im offiziellen Narrativ verfangen ist, wird auf diese Fragen keine vernünftigen Antworten, geschweige denn belegbare Argumente haben. Er wird auf kein Argument eingehen (können) und lediglich seinen unbeweisbaren Standpunkt wiederholen. So wird die Auseinandersetzung mit ihm zu einer ähnlich sinnvollen Beschäftigung wie die Diskussion mit einem Plattenspieler.

Wer keine Beweise oder schlüssige Argumente für seine Position hat, der kann sich nur in Dichotomie flüchten. Er kann nur von Anfang an alle Gegenpositionen diffamieren, indem er diese lautstark als populistisch, rechtsradikal oder antiamerikanisch bezeichnet. Das entlastet ihn von der Aufgabe, seine Position verteidigen zu müssen, von der er irgendwo tief im Innern weiß, dass sie unhaltbar ist. Diese Methode ist mir noch in Erinnerung von den Achtundsechzigern, die jeden, der nicht zu 100 Prozent ihrer Meinung war, als Reaktionär beschimpften und aus ihren Zirkeln ausschlossen. Bereits damals war es so, dass sie einer ernsthaften Diskussion nicht standgehalten hätten.

Fakten stören das zurechtgezimmerte Weltbild

Diese Taktik schließt auch die selektive Amnesie ein. Unwiderlegbare Fakten werden einfach ignoriert. In keiner Talkrunde wird zugelassen, auf die Ursachen der Migrationskrise zu verweisen. Eben deswegen, weil sie wohlbekannt und unwiderlegbar sind und somit das verquere Weltbild der Transatlantiker zum Einsturz brächten. Niemand kann der Tatsache widersprechen, dass wir keine Probleme hätten mit Afghanistan, Irak, Libyen oder Syrien, wenn die USA diese Länder nicht völkerrechtswidrig angegriffen und zerstört hätten. Genau aus diesem Grund wird eine Diskussion darüber nicht zugelassen und der, der es trotzdem wagt, wird als antiamerikanisch verunglimpft, obwohl er nichts anderes tut, als Fakten in Erinnerung zu rufen. Diese Fakten aber wären es, die die Transatlantiker zwingen würden, ihre Position zumindest infrage zu stellen und das wollen sie mit allen Mitteln vermeiden.

Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass es sinnlos ist, mit Leuten zu diskutieren, die ihre Position dadurch definieren, indem sie Gegenpositionen diffamieren oder nicht über hinreichendes Wissen verfügen, das ihre Position belegen könnte. Sie können nur auf der sturen Wiederholung ihrer faktenfreien und ideologischen Behauptungen beharren. Wer also von vorneherein jede Gegenposition in die dunkelste Ecke verbannt, von dem darf einigermaßen gesichert angenommen werden, dass er seine eigene Position nicht mit Fakten unterlegen kann. Er kann sich nur in Dichotomie flüchten und dann ist eine Diskussion mit ihm eben genauso sinnvoll und ergiebig wie die mit einem Plattenspieler. Aber: Wir schaffen das!

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