------------------------------------

-------------------------------------

---------------------------------------

Die kommerzialisierten und politisierten olympischen Spiele müssen grundrenoviert werden

Von Peter Haisenko 

Bei Olympischen Spielen gerät das, was der eigentliche Sinn der Veranstaltung sein sollte, immer mehr in den Hintergrund: Der friedliche sportliche Wettkampf. Ging es ursprünglich darum, dass sich Sportler aus aller Welt untereinander messen, kennen und schätzen lernen konnten, eben Völkerverständigung üben, beherrschen mittlerweile Kommerz und Politik die Aufmerksamkeit. Doping zählt zu beiden Kategorien. Die Auflagen des IOC für die Austragungsorte sind derart fordernd geworden, dass man sich fragen muss, warum sich das überhaupt noch ein Land antut.

Schon lange gibt es den Vorschlag, Olympische Spiele nur noch in Griechenland auszutragen. Das wäre zu unterstützen, denn dann wäre Schluss mit Bestechung und all den hässlichen Nebenerscheinungen, die mit dem Bau der Anlagen und der Vergabe des Austragungsorts verbunden sind. Das gilt auch für andere Großveranstaltungen wie Fußball-WM oder EM. Man denke hier nur an die Vergabe der WM an die „Fußball-Großmacht Katar“. Gerade an diesem Beispiel wird überdeutlich, wie irrsinnig es ist, für ein Großereignis Stadien zu bauen, die anschließend keinerlei Verwendung finden werden. Es sei denn, als Konzentrationslager.

Es geht nur noch ums Geld

Besonders im (Massen-)Sport ganz allgemein wird die Macht des Kommerz’ über den Sport sichtbar. Im Fußball ist die Grenze von 100 Millionen für den Transfer eines einzigen „Superstars“ bereits überschritten. Der pure Wahnsinn! Anders kann man es nicht nennen. Die Stadien heißen jetzt „Arena“ und werden nicht mehr nach Fußballhelden benannt, sondern nach Versicherungskonzernen. Die Mannschaften, die immer noch nach Städten benannt sind, haben oftmals kaum noch Spieler, die in dieser Stadt beheimatet sind. Es geht nur noch ums Geld.

Olympia. Dort sollten sich eigentlich nur Amateure messen. Wie kann es dann sein, dass hochbezahlte Profis in Sportarten wie Tennis oder Golf teilnehmen? Die deutschen Athleten sind in großer Anzahl Bedienstete des Staats, bei Bundeswehr und Polizei. Dort werden sie privilegiert, von ihren Pflichten entlastet. Sind das dann wirklich noch Amateure? Teilnehmen kann sowieso nur derjenige, der sich in einem Verein den strengen Regeln unterwirft, brav alles tut, was befohlen wird und der Verein muss auch den Regeln des NOC gehorchen. Eine durch und durch undemokratische, ja diktatorische Machtstruktur. Die Funktionäre füllen sich die Taschen, reisen selbst in der 1. Klasse, während die Sportler mit der „Holzklasse“ vorlieb nehmen müssen. Hat das noch etwas mit der olympischen Idee zu tun?

Die Politisierung der Spiele schadet der olympischen Idee

Die Politisierung. Olympia wird als politisches Druckmittel missbraucht. Schon 1980 ist die eigentliche olympische Idee beiseite gelegt worden, als der Boykott der Spiele in Moskau beschlossen worden ist. Auch die Spiele in Sotschi vor zwei Jahren wurden missbraucht, Russland meist ungerechtfertigt an den Pranger zu stellen. Die Berichterstattung war durchgängig negativ, obwohl die teilnehmenden Sportler ganz andere Erfahrungen gemacht haben. Vergessen wir da nicht Peking 2008. Aber all das erfährt nun seine Krönung durch den Dopingskandal, der Russland angehängt worden ist. Ja natürlich gab und gibt es Doping in Russland. Das gibt es aber anderswo genauso, wie die jüngsten Ergebnisse aus Rio zeigen. Auch in Deutschland ist mit staatlicher Förderung über Jahrzehnte gedopt worden. Siehe hier: ( http://www.spiegel.de/sport/sonst/studie-der-humboldt-universitaet-systematisches-doping-in-der-brd-a-914597.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=http://m.facebook.com/ ) Gab es deswegen eine Forderung, alle deutschen Sportler von Olympia auszuschließen?

Die Diskussion rund um das russische Doping treibt mehr und mehr seltsame Blüten. Zunächst weise ich darauf hin, dass es nicht richtig sein kann, alle Sportler eines Landes auszuschließen, weil einige gedopt haben. Das wäre eine Kollektivstrafe und die ist unzulässig, wie auch das Sportgericht CAS richtig festgestellt hat. Dann wurde bekannt, dass alle brasilianischen Olympiateilnehmer etliche Wochen vor Beginn der Olympiade nicht mehr ordnungsgemäß auf Doping überprüft worden sind. Das wäre eigentlich ein massiver Grund gewesen, alle brasilianischen Sportler vom Wettkampf auszuschließen. Hier würde nicht einmal das Gegenargument Kollektivstrafe greifen, denn es betrifft tatsächlich alle brasilianischen Sportler. Habe ich irgendwo etwas in dieser Richtung gehört? Nein, wir messen mit zweierlei Maß! Aber es wird noch absurder.

Messen mit zweierlei Maß

Zu oft musste ich anhören, wie beklagt wurde, dass ausgerechnet diejenige, nämlich Julia Stepanova, die Russland des systematischen Dopings bezichtigt hatte, nicht teilnehmen darf, obwohl sie ihre Strafe als aktive Doperin hinter sich hat. Nun, dazu ist zu sagen, dass sie nicht mehr Mitglied eines obligatorischen olympischen Verbands ist – siehe oben – und deshalb gar nicht teilnehmen kann. Aber sie hat die Strafe doch abgesessen, heißt es dann und jetzt wird es peinlich. Musste ich doch in der Zeitung (Münchner tz) lesen, es wäre ein Skandal, dass die russische Schwimmerin Julia Jefimowa überhaupt teilnehmen darf, weil auch sie früher mal gedopt hat. Auch sie hat ihre Strafsperre abgesessen. Also was nun? Sperre abgesessen und teilnehmen – oder nicht? Oder darf man dopen, dann sagen dass es alle systematisch getan haben und dann wieder teilnehmen? Irgendwie sehe ich schon wieder zweierlei Maß, das von unseren russophoben Medien praktiziert wird.

So sehr auch ich gegen Doping bin, verabscheue ich die Politisierung des Themas. Sie ist nicht zielführend. Aber warum wird überhaupt gedopt? Und zwar seit Jahrzehnten von allen möglichen Nationen und Individuen. Da haben wir wieder den politischen Aspekt, dass Nationen ihre Überlegenheit oder die ihres Systems auch bei Olympischen Spielen demonstrieren wollen. Auf der anderen Seite dürfte es dem persönlichen Ehrgeiz geschuldet sein, einfach der Beste sein zu wollen, eben mit allen Mitteln. Das ist wohl ein urmenschlicher Trieb und wenn sich die Möglichkeit bietet, wird jedes Mittel zur Leistungssteigerung angewendet, eben bis es verboten wird. Im Wintersport ist es oftmals die Technik, die über Sieg und Niederlage entscheidet. Das richtige Material ist entscheidend. Für mich ist das durchaus ein Verwandter des Doping, denn wenn sich die Wintersportler ehrlich messen wollten, dann müssten sie alle mit dem gleichen Gerät gegeneinander antreten. Diese Forderung habe ich noch nicht gehört.

Nur eine radikale Umkehr kann die olympische Idee noch retten

Im sportlichen Wettkampf hat es immer Doping gegeben und wird es immer geben. Das liegt in der Natur der Sache. Der Kampf dagegen ist immer ein Wettlauf zwischen neuen Methoden und dem Nachweis derselben. Es ist kein Doping, wenn Höhentraining betrieben wird, um die Anzahl der roten Blutkörper zu erhöhen. Aber es ist Doping, wenn derselbe Effekt mit einem Medikament erzielt wird. Man sieht hier, wie schwierig es ist, Grenzen zu setzen. Es darf aber nicht aus politischer Motivation selektiv auf einzelne Nationen eingeschlagen werden, denn, wie man sieht, erzeugt man so schnell absurde Situationen. Legte man die Kriterien, die jetzt auf Russland angewendet worden sind, an alle Nationen an, dann wäre die Zahl der möglichen Teilnehmer an Olympischen Spielen rasch gegen Null. Mich persönlich würde das nicht stören, denn so, wie sich die Spiele und ihr Machtapparat präsentieren, sollten sie überhaupt nicht mehr abgehalten werden.

Wenn die Olympischen Spiele, wenn der olympische Geist erhalten werden sollen, dann bedarf es einer radikalen Umkehr. Weg von den opulenten Pfründen der Funktionäre und dem Milliardengeschäft mit den Übertragungsrechten. Fort von der Sucht, mit jeder Olympiade die vorherige übertreffen zu wollen, zum Beispiel bei der Eröffnungsfeier. Wo soll das enden? Die olympische Idee muss zurück geführt werden zu einem sportlichen Wettkampf, frei von Politik und Kommerz. Ja, es darf eine gute Show sein, aber mit Augenmaß. Was, außer Politik und Kommerz spricht dagegen, die Olympiade nur noch in Griechenland, dem Ursprungsland, stattfinden zu lassen?

Griechenland könnte die Einnahmen gut brauchen. Für den Winter wird sich ein ähnlich geeigneter Platz finden lassen. Übertragungsrechte? Sportler aus allen Ländern nehmen teil. Da sollten auch alle Länder das Recht haben, kostenlos darüber zu berichten, denn ohne Sportler gibt es keine Olympiade. Genau das haben die Funktionäre und Profiteure wohl vergessen und deswegen erinnere ich hier daran. Nochmals: Es kann nicht sein, dass Funktionäre erster Klasse reisen und die, auf die es ankommt, müssen sich in der „Holzklasse“ bescheiden. Genau das zeigt, was an Olympia faul ist und was geändert werden muss. Nicht umsonst haben die Bürger einiger Städte bereits in Abstimmungen ihre Zustimmung verweigert, ihre Städte als Austragungsort dem Diktat des IOC zu unterwerfen.

Nach oben